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Verfassungsschutz: Fränkischer V-Mann im Umfeld des NSU?

Sprecher der Behörde wollte sich nicht äußern - Untersuchungsausschuss im bayerischen Landtag - 16.10.2012 21:21 Uhr

München  - Sie soll allein in Bayern fünf ausländische Kleinunternehmer getötet haben – in den Fokus des bayerischen Verfassungsschutzes sei die Zwickauer Terrorzelle NSU dennoch nie geraten, hieß es bislang. Dabei soll die Behörde frühzeitig einen fränkischen V-Mann im Umfeld des Terror-Trios installiert haben.

Der Vorsitzende des bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses, Franz Schindler (SPD,
r.), und Ausschussvize Winfried Bausback (CSU) im bayerischen Landtag
Der Vorsitzende des bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses, Franz Schindler (SPD, r.), und Ausschussvize Winfried Bausback (CSU) im bayerischen Landtag
Foto: Joerg Koch/dapd
Der Vorsitzende des bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses, Franz Schindler (SPD,
r.), und Ausschussvize Winfried Bausback (CSU) im bayerischen Landtag
Der Vorsitzende des bayerischen NSU-Untersuchungsausschusses, Franz Schindler (SPD, r.), und Ausschussvize Winfried Bausback (CSU) im bayerischen Landtag
Foto: Joerg Koch/dapd

Der Bayerische Verfassungsschutz hat entgegen bisheriger Aussagen anscheinend frühzeitig einen V-Mann im Umfeld der rechtsterroristischen NSU installiert gehabt. Nach Informationen der „Thüringer Allgemeinen“ und des Bayerischen Rundfunks führte die Behörde offenbar über mehrere Jahre einen bekannten fränkischen Neonazi als Informanten. Dieser habe seit 1994/95 auch direkten Kontakt zu den späteren mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe gepflegt, berichtete die „Thüringer Allgemeine“.

Sie beruft sich dabei auf ein einst führendes Mitglied des rechtsextremistischen „Thüringer Heimatschutzes“. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks soll der fränkische V-Mann zudem Aufbauhilfe für die rechte Szene in Thüringen betrieben und Propagandamaterial in großem Stil nach Thüringen gebracht haben. Dies habe dem Sender der frühere thüringische V-Mann, Tino Brandt, berichtet. Brandt hatte einst beim Aufbau des „Thüringischen Heimatschutzes“ mitgewirkt.

Gerhard Forster soll ein zweites Mal vernommen werden


Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz wollte sich dazu am Dienstagabend nicht näher äußern. Behördensprecher Markus Schäfert erklärte lediglich: „Zu Fragen des V-Mann-Einsatzes können wir uns nicht öffentlich äußern. Dafür gibt es Gremien, die sich mit solchen Dingen befassen“. Nach BR-Informationen liegen auch dem Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags Hinweise vor, dass der fränkische Neonazi Quelle des Verfassungsschutzes gewesen sei. Der Ausschuss forderte daher am Dienstag, den Ausschussmitglieder müssten sämtliche Akten über den fränkischen V-Mann und dessen Computernetzwerk zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem soll der ehemalige Präsident des Landesamts für Verfassungsschutz, Gerhard Forster, ein zweites Mal als Zeuge vernommen werden, beschloss der Untersuchungsausschuss einstimmig. Bei seiner ersten Befragung im Landtag in München hatte Forster ausgesagt, der bayerische Verfassungsschutz habe nichts von der Existenz der Terrorgruppe gewusst. Die Opposition hat aber Zweifel an Forsters Aussagen. Der Untersuchungsausschuss soll herausfinden, ob die bayerischen Sicherheitsbehörden bei der Überwachung des rechten Milieus und den Ermittlungen zu der NSU-Mordserie versagt haben. Die Gruppe hatte in Bayern die Hälfte ihrer bundesweit zehn Morde verübt.

Der frühere Polizist Manfred Kammermeier, der lange Jahre bei der Kripo Straubing war, hatte nach seiner Aussage vor dem Münchner Ausschuß bereits Mitte der 90er Jahre Kontakt zu dem späteren NSU-Terrorist Uwe Mundlos. Mundlos sei am 6. August 1994 bei einem Neonazi-Treffen in einer Kiesgrube bei Straubing von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Dieser sei damals in Thüringen bereits polizeibekannt gewesen, sagte Kammermeier. „Die haben sogar eine Wohnungsdurchsuchung gemacht.“

Die Kripo in Straubing sei damals vielfach mit rechtsextremen Aktivitäten konfrontiert gewesen. Nach Kammermeiers Aussage gab es in Straubing eine aktive rechte Szene, die sich regelmäßig traf und auch regelmäßig Besuch von anderen Rechtsextremisten aus Ostdeutschland und Österreich erhielt. „Die haben uns tatsächlich auf Trab gehalten.“

  

dpa/lby


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Kurzbeschreibung:
Die deutschlandweite Mordserie an überwiegend türkischstämmigen Kleinunternehmern, die in Nürnberg drei und in München zwei Todesopfer gefordert hat, geht auf das Konto rechtsradikaler Terroristen. Die Anschlagsserie hatte im Jahr 2000 in Nürnberg-Langwasser mit tödlichen Schüssen auf einen Blumenhändler begonnen. Insgesamt wurden bis 2006 neun Geschäftsleute getötet.
Auch der Mord an einer Heilbronner Polizistin von 2007 wird der rechtsextremen Gruppierung „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) zugeordnet. Auf einer DVD , die auch den NN zugespielt wurde, bekennt sich die NSU zu diesen 10 Morden.

extra Themenarchiv "Neonazis in der Region"
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Kurzbeschreibung:
Seit der Aufdeckung der Morde der rechtsextremen Terrorzelle NSU haben sich in Nordbayern Übergriffe und Aufmärsche von Rechtsradikalen verstärkt. Besonders aktiv ist hierbei das "Freie Netz Süd", das vom Verfassungsschutz als „größtes und schlagkräftigstes Netzwerk“ bezeichnet wird.

Gegen die Aktivitäten der NPD und anderer rechtsextremer Organisationen in der Region hatte sich schon in der Vergangenheit eine breite Bürger-Bewegung gebildet, die den Aufmärschen regelmäßig mit Gegendemonstrationen und kreativem Protest begegnet. Hier ist zum Beispiel die "Allianz gegen Rechtsextremismus" als Zusammenschluss kommunaler und unabhängiger Initiativen zu nennen und das - bereits mehrfach ausgezeichnete - "Bürgerforum Gräfenberg".