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Wahlkampf im Stimmkreis Nürnberger Land

Routinierter Inklusionsspezialist Norbert Dünker gegen Kabarettistin Andrea Lipka - 17.09.2018 19:24 Uhr

So endete die Wahl vor fünf Jahren im Stimmkreis 511. © Redaktionsservice


Als Norbert Dünkel vor fünf Jahren souverän mit etwas über 41 Prozent der Erststimmen im Stimmkreis Nürnberger Land in den Landtag gewählt wurde, fiel von ihm und seiner CSU ein gewisser Erwartungsdruck ab.

Norbert Dünkel (CSU) © F.: Steinbauer


Es war nicht überraschend, dass der Hersbrucker in den Landtag gewählt wurde; doch Dünkel ging in die Wahl mit der Ambition, dass das Ergebnis seinen eigenen Erwartungen und denen seiner Partei entsprechen sollte. Denn er war zum Nachfolger des damals ausscheidenden, langjährigen Abgeordneten Kurt Eckstein bestimmt worden und wollte es sich und seiner Partei beweisen, dass er Wahlen gewinnen kann – 2008 unterlag er bei der Wahl zum Landrat in der Stichwahl dem FW-Kandidaten Armin Kroder und vier Jahre zuvor bei der Hersbrucker Bürgermeisterwahl Wolfgang Plattmeier (SPD).

Nun hat Dünkel die ersten fünf Jahre im Landtag fast hinter sich und sich den Ruf eines akribischen, fleißigen Arbeiters als Mitglied der Ausschüsse für kommunale Fragen, innere Sicherheit und Sport sowie Bildung und Kultus bewahrt. Dass er Vorsitzender des interfraktionellen Arbeitskreises Inklusion ist, passt fachlich gut, denn Dünkel ist Geschäftsführer der Lebenshilfe im Nürnberger Land.

Den 57-Jährigen zeichnet ein ausgeprägtes Heimatgefühl aus, als CSU-Kreisvorsitzender im Nürnberger Land, Kreisrat und Stadtrat in Hersbruck ist er flächendeckend präsent und gut vernetzt. Auf seiner Internetseite bricht er herunter, wie viel an staatlichen Investitionen in seinen Stimmkreis fließen. Und verhehlt dort nicht, dass ihn die vom Klinikum Nürnberg beschlossene Schließung des Krankenhauses Hersbruck ärgert. Doch mehr als zu versprechen, sich für den Erhalt des Krankenhauses einzusetzen oder wenigstens für eine "umfassende medizinische Versorgung im Nürnberger Land" bleibt auch ihm als Abgeordnetem kaum übrig. Als Listenkandidatin (Platz 8) tritt für die CSU Cornelia Trinkl, die Kreistagsfraktionsvorsitzende und stellvertretende Landrätin, an.

Andrea Lipka (SPD) © F.: A. Pfaehler


Dem gewissenhaften Politikarbeiter Dünkel setzt die SPD eine Stimmkreiskandidatin entgegen, die so etwas wie ein "bunter Hund" im Landkreis ist: Andrea Lipka, als Künstlerin und Kabarettistin seit vielen Jahren bekannt und geschätzt. Ihr Lebenslauf zeigt, dass sie Mut hat, einmal beschrittene Wege auch wieder zu verlassen, sich auf Neues einzulassen und Träume zu realisieren.

Denn eigentlich hatte die Diplom-Verwaltungswirtin einen sicheren Beamtenstatus, den sie - "zum Entsetzen meiner Familie und Freunde" - 2008 aufgab, um sich als Unternehmerin und Künstlerin komplett selbstständig zu machen. Schon zuvor war sie nebenbei künstlerisch tätig, führte die "Bühne im Altstadthof" in Nürnberg, später die Simmelsdorfer Mühle, seit 2014 die "Glückserei" in Lauf. Daneben bietet sie als Coach Seminare an - etwa zur Stressbewältigung. "Mein Lebenslauf ist auffallend und anders", bekennt sie selbstbewusst. "Wie ich."

Seit 2003 ist Andrea Lipka bereits kommunalpolitisch in Simmelsdorf aktiv, seit 2008 ist sie dort zweite Bürgermeisterin, seit 2014 Kreisrätin. Als Landespolitikerin will sie sich unter anderem für eine moderne Ausstattung der Schulen einsetzen und für eine bessere Situation in der Pflege.

Zwar bietet die SPD im Nürnberger Land den Wählern mit Andrea Lipka eine echte Alternative an, doch das Direktmandat wird die 51-Jährige nicht gewinnen können. Auf der mittelfränkischen Wahlkreisliste rangiert sie auf Platz 4, was für einen Neuling hinter den arrivierten Kandidaten Horst Arnold (Fürth), Alexandra Hiersemann (Erlangen-Höchstadt) und Arif Tasdelen (Nürnberg-Nord) eigentlich sehr gut ist - doch die Umfragen für die Bayern-SPD sind aktuell so schlecht, dass womöglich nicht mal dieser Platz reicht. 2013 schafften immerhin sieben mittelfränkische Sozialdemokraten über die Liste den Einzug ins Parlament – bei einem Stimmenanteil von 24,6 Prozent. Das erscheint bei der aktuellen Landtagswahl doch eher illusorisch zu sein.

Feisthammel für die Freien Wähler, Drechsler für die Grünen

Für die Freien Wähler im Nürnberger Land tritt Angelika Feisthammel, die Behindertenbeauftragte des Landkreises, an, die Grünen haben ihre Kreistagsfraktionsvorsitzende Gabriele Drechsler nominiert, die FDP den erst 20-jährigen kaufmännischen Angestellten Luca Scharf, die Linken den Betriebsrat René Wiedmann, die AfD den Altdorfer Zahnarzt Ralph Müller.

Für den Bezirkstag kandidieren im Nürnberger Land: Bernd Eckstein (CSU, Bezirksrat und Kaufmann), Jens Bürkle (SPD, Industriekaufmann), Landrat Armin Kroder (FW), Christa Heckel (Grüne, Stadtplanerin), Markus Lüling (FDP, Dipl.-Ingenieur), Ralph Müller (AfD, Zahnarzt). 

Stephan Sohr

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