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Altkleidersammlung oder Tierfänger?

Unternehmen bittet mittels Eimern um Kleiderspenden, Tierschützer unterstellen der Firma jedoch dubiose Machenschaften. - 19.08.2010 13:24 Uhr

Eimersammlung statt Kleiderspende: Viele Mischelbacher haben die Kleidersammlungseimer in der Dorfmitte zusammengetragen. Sie wittern hinter der Aktion professionelle Tierfänger. Beweise allerdings gibt es keine.

Eimersammlung statt Kleiderspende: Viele Mischelbacher haben die Kleidersammlungseimer in der Dorfmitte zusammengetragen. Sie wittern hinter der Aktion professionelle Tierfänger. Beweise allerdings gibt es keine. © Stephan


Die Angst ist groß. Immer wieder gibt es Berichte über organisierte Tierfänger, die Schreckliches mit Hund und Katzen anstellen. Sie als Versuchskaninchen an die Pharmaindustrie verkaufen oder aus ihrem Fell Rheumadecken machen. Die Angst wird noch größer, wenn vor der heimischen Einfahrt auf einmal Eimer auftauchen, die um Kleiderspenden werben.

Die Sammlungen seien nur ein Vorwand, um sich ungehindert in den Wohngebieten bewegen zu können, und auszukundschaften, wo es Tiere gibt, erklären etliche Tierschützerseiten im Internet. Anschließend würden die Tiere nachts mit Duftstoffen angelockt und gefangen. Beweise für ihre Behauptungen haben die Tierschützer allerdings nicht. In Mischelbach jedenfalls wollen viele Bürger die Sammlung nicht akzeptieren und haben die Eimer vor ihren Einfahrten zusammengeklaubt und auf dem zentralen Dorfplatz zusammengetragen.

Vorsicht in Mischelbach

Am gefährlichsten sei es etwa zwei Wochen nach Aufstellen der Eimer,  heißt es auf der Internetseite www.haustierdiebstahl-in-deutschland.de. So lange würden die Tierfänger warten, um zu verhindern, dass ein Zusammenhang mit der Kleidersammlung hergestellt wird. Auf der Internetseite ist übrigens auch der Pleinfelder Ortsteil Mischelbach genannt – als einer der Orte, wo im Moment besondere Vorsicht geboten sei. Auslöser ist die Sammlung der Firma Pako, die sich ebenfalls auf der Webseite findet. Dort wird sie als eine von vielen dubiosen Unternehmen und Organisationen aufgeführt.

Wählt man die auf den Eimern angegebene Telefonnummer meldet sich Houssain Yabar. Mit den Vorwürfen konfrontiert antwortet er freundlich aber leicht genervt: „Ja, ich kenne das Thema. Ich bekomme ab und an Anrufe deswegen. Für mich ist das ein Gerücht, ich weiß nicht, wie das angefangen hat. Wir sind eine offene Firma, jeder kann vorbeikommen und sich umschauen, wenn er will.“ Weil das Unternehmen um den schlechten Ruf weiß, hat es zwischenzeitlich Aufkleber auf den Eimern anbringen lassen. „Achtung Tierfreunde! Mit Katzenfängern haben wir nichts zu tun.“, prangt es Skeptikern entgegen. Daneben steht: „Tierschutz geht jeden an.“ Auf einigen Eimern findet sich zusätzlich der Satz: „Wir sind Mitglied im Tierschutzbund.“

Deswegen hat Pako bereits mehrfach Ärger mit ebenjenem Tierschutzbund bekommen. Das Unternehmen selbst ist dort kein Mitglied, lediglich der Firmenchef war zwischenzeitlich beigetreten. „Das müssen alte Eimer sein. Wir kontrollieren die nicht“, versucht sich Yabar gegenüber unserer Zeitung an einer Erklärung.

Selbst ohne den Zusatz ist die Masche allerdings etwas fragwürdig, versucht das Unternehmen doch, den Eindruck zu erwecken, es handle sich um eine Sammlung für den guten Zweck. Nur bei genauerem Hinsehen findet man den Hinweis „gewerbliche Sammlung“. Die Firma Pako verdient Geld mit der Verwertung von Altkleidern und -schuhen.Die Sammler, die in der Fläche für das Unternehmen unterwegs sind, arbeiten auf selbstständiger Basis. Sie bekommen lediglich die Eimer gestellt und können die gesammelten Altkleider zu festen Preisen an das Unternehmen verkaufen. 

JAN STEPHAN

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