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Bündnis "Michael Luff for Landrat" gegründet

Politische Spaßaktion im Vorfeld der Wahl - 20.09.2017 06:40 Uhr

„Michael Luff for Landrat“: Hat sein Wahlziel erreicht und hat versprochen seine Wahlversprechen einzuhalten. © Privat


Es handelt sich offenbar um eine politische Spaßaktion, wie sie etwa Die Partei des Satirikers Martin Sonneborn in Deutschlands politischer Landschaft etabliert hat. Darauf jedenfalls deuten die politischen Inhalte der Gruppierung hin: So soll sich der neue Landrat Michael Luff unter anderem für eine Bierpreisbremse oder die Rente mit 57 einsetzen. Wahlspruch seiner Bewerbung ist das Motto „Make Plattenparty great again!“. Der Kandidat selbst wird in der offiziellen Kampagne mit dem et­was rätselhaften Slogan zitiert: „Ich will Landrat werden, damit ich Chef von meiner Mama werde.“

Bei Luff handelt es sich um einen jungen Theilenhofener, der als Brauer bei Oettinger arbeitet. „Er ist politisch total interessiert und wir haben schon länger gesagt: ,Michi, du musst eigentlich mal Landrat werden.‘ Jetzt versuchen wir das halt“, sagt Fabian Hüttinger, der neben Felix Lepp und Stefan Fromm einer der Initia­toren der Aktion ist.

Dass man sich für den Scherz nicht zu schade ist, hat auch damit zu tun, dass Michael Luff schwere Zeiten hinter sich hat. Er hat eine Krebserkrankung überstanden. Hüttinger: „Dass er danach noch genau der Michi ist, der er vorher war, das ist einfach super, und deswegen macht er den Spaß auch mit.“

Und ein bisschen ernst gemeint ist die Aktion am Ende doch. Denn eine Wahl ohne Gegenkandidaten ist ir­gendwie nicht so richtig eine Wahl, finden die jungen Theilenhofener. Deshalb hat man sich auch gleich den forschen Namen „Initiative für mehr Demokratie im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen“ verpasst.

Wie das mit dem Trommeln in der Politik funktioniert, hat die Gruppe jedenfalls recht schnell kapiert. Und wer weiß, egal wie die Wahl am Sonntag ausgeht, vielleicht gibt es ein Wiedersehen mit den Theilenhofener Jungpolitikern. „Wir haben schon überlegt, ob wir nicht eine echte Partei gründen sollen“, sagt Hüttinger. „Vielleicht ist es beim nächsten Mal so weit.“

Einstweilen bleibt es aber bei der Facebook-Gruppe und dem Versprechen der Wahlparty bei zwei Prozent der Stimmen. „Da darf dann jeder kommen, der ihn gewählt hat.“ Da könnte man auf die Idee kommen, dass das ein bisschen Wählerbestechung ist. Andererseits, was sind die Versprechungen von Renten- und Kindergelderhöhung eigentlich anderes? Der Kandidat selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Er weilt gerade im Urlaub in Schottland. Vermutlich um erste internationale Kontakte zu knüpfen.

Die Party-Hürde

Was die Initiative vorschlägt, ist im Übrigen im rechtlichen Rahmen. Die Wahlordnung sieht vor, dass bei nur einem offiziellen Kandidaten dem Wähler die Chance auf eine Alternative gegeben wird. Dies geschieht, in­dem eine leere Zeile gelassen wird, auf der der Wähler seinen gewünschten Kandidaten notieren kann. Dabei sollte man neben dem Namen auch den Wohnort des Kandidaten notieren, um Missverständnisse zu vermeiden. Im Falle Michael Luffs sollte also ne­ben dem Namen noch Theilenhofen als Zusatz angegeben werden. Tatsächlich würde derjenige, der so eine Mehrheit erhält, dann auch offiziell als Landrat gewählt sein.

Auf diesem Wege haben übrigens schon politische Karrieren begonnen. Der frühere Landrat Weißenburg-Gunzenhausens kam so in sein erstes politisches Amt. Weil sich für den Pos­ten des Bürgermeisters in Ostheim gar kein Kandidat fand, durften die Wähler völlig frei notieren, wen sie sich denn wünschen würden. Rosenbauers Name stand am häufigsten auf dem Zettel, und der Landwirt war zum Politiker geworden. Der Beginn einer Karriere, die ihn bis in den Bayerischen Landtag und später das Weißenburger Landratsamt führte. Das dürf­te für Michael Luff nun zunächst nicht gleich zu erwarten stehen, ihm geht es erst mal um die Zwei-Prozent-Party-Hürde. 

Jan Stephan

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