Freitag, 22.02.2019

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Der Weißenburger Lebkuchenmann hat sein Logo

Interview mit Grafiker Erik Körner zum neuen Weißenburg-Stück - 14.11.2018 13:11 Uhr

Da kommt was auf Weißenburg zu: Die Stadt hat das Logo zum Weißenburg-Stück „Der Lebkuchenmann“ veröffentlicht. Und auf den ersten Blick wird schon klar: es geht im kommenden Jahr in der Naturbühne nicht nur heiter und sonnig zu, dafür vielleicht etwas magisch und düster. © Grafik: Erik Körner


Wie entwirft man eigentlich ein Logo zu einem Theaterstück?

Erik Körner: Nun ja, zunächst mal ist es eigentlich gar kein Logo in dem Sinn, mit komplett reduzierter Aussage, die nur eine Assoziation hervorrufen soll. Das ist hier schon eher ein Artwork, also eine Mischung aus Kunst und Logo. Wir wollen hier ein  paar Geschichten erzählen, Themen anspielen, die im Stück vorkommen. Es soll Details beinhalten, die zu entdecken sind und Lust auf mehr machen. Wir verkaufen ja auch nicht ein Produkt, sondern bewerben ein Theaterstück. Zur Einarbeitung habe ich nicht nur Franz Stefan Griebls Stück gelesen, sondern mich auch viel mit den Arbeiten von Regisseur Georg Schmiedleitner und Bühnenbildner Stefan Brandtmeyer beschäftigt. Dabei habe ich festgestellt, dass er sehr starke Kontraste mag, dass er seine Bühnenbilder oft in nur einer Farbe hält, mit Silhouetten im Gegenlicht. Das habe ich dann als Idee mit in den Prozess genommen.

Die Kontraste sind klar, aber sonst ist es ja eher sogar ein bisschen verspielt, oder?

Körner: Wir hatten ursprünglich mal ganz anders angefangen. Da sind wir sehr grafisch, streng vektorisiert an die Sache herangegangen, praktisch monochrom mit harten Linien zwischen Schwarz und Weiß. Da war die Idee des dunklen Waldes als Rahmen, dann hatte man die Scheinwerfer eines umgestürzten Autos, die einen grellen Bereich erstrahlten und davor Figuren als strenge Schattenrisse. Jetzt sind wir tatsächlich ganz woanders gelandet…

Es sieht aus wie gemalt…

Körner: Es ist auch gemalt. Wir wollten uns abheben von einer gewöhnlichen Herangehensweise und bewusst etwas Eingenwilliges, Handegmachtes erstellen. Die ersten Entwürfe entstanden am Computer, nachdem wir gewusst haben, in welche Richtung das geht, habe ich das Logo dann in Aquarell umgesetzt und wieder eingescannt. So ist etwas sehr Individuelles entstanden. Man sieht überall den Pinselstrich, die Papierstruktur. Wenn man zum Beispiel die Ränder betrachtet, dann sind die nicht 100-prozentig perfekt. Es sollte auf keinen Fall steril wirken.

Inwiefern passt das Logo zum Stück?

Körner: Das ganze Stück hat etwas magisch-Märchenhaftes, ist diffus, voller Illusionen. Das spiegelt sich auch in unserem Logo beziehungsweise Artwork wider. Da treffen sich Realität und Schattenwelt. Unten findet man die "Wurzeln allen Übels" der Unterwelt und die Klauen deuten an, dass hier dunkle Geheimnisse lauern. Zur Oberseite hin werden vermehrt die Wirklichkeiten unserer Vergangenheit symbolisiert. Dazwischen mischen sich diese beiden Welten. So ist es auch im Stück.

Selbstporträt statt Foto: Erik Körner zeichnete für das Logo des Weißenburger Lebkuchenmanns verantwortlich.


Es wirkt märchenhaft, aber schon auch auf eine eher dunkle Art und Weise.

Körner: Genau, das war auch gewünscht. Der Lebkuchenmann ist kein Kinderstück. Es geht hier schon ans Eingemachte - und ins Mystische. Das Logo ist zweifelsfrei düster und auch von den Farbverläufen her sehr rauh. Die Blume oben ist aber ein Symbol der Hoffnung, die aus dieser Geschichte eben auch erwächst - allerdings stets bedroht durch die Kanone... Da war auch mal noch ein Schmetterling, aber der ist – wie viele andere Figuren auch – im Laufe des Prozesses (im allerletzten Moment!) vom Logo verschwunden. Die können aber in anderen Kontexten wieder auftauchen. Wir arbeiten gerade am Corporate Design des Lebkuchenmanns und da kann es gut sein, dass  wir diese Elemente in anderen Zusammenhängen benutzen.

Bemerkenswert ist, dass das Logo fast dreidimensional wirkt. Irgendwie ein Hinten und vorne zu haben scheint.

Körner: Uns ist da eine gewisse Plastizität gelungen. Wir haben da in vielen Bereichen auch Neuland betreten, wie das bei diesem Projekt ja generell oft der Fall ist. Wir wussten manchmal nicht, was eigentlich passiert, wenn wir das so und das so versuchen. Das Ergebnis waren jetzt nach vielen Entwürfen zum Beispiel diese dezenten Tiefen und Ebenen, die uns aber sehr gut gefielen und an deren Umfang wir sehr feinfühlig geschraubt haben.

Mal noch ein paar Worte zu deiner Person. Du bist Weißenburger, aber ich telefoniere gerade mit Den Haag. Wie kommt’s?

Körner: Ich komme aus dem großartigen Gänswirtshaus, der Ortschaft mit dem grünen Schild im Herzen der Welt. Seit drei Jahren lebe ich aber in Den Haag, ich bin meiner Freundin hinterhergezogen und arbeite jetzt hier als selbstständiger Grafiker und Kunsthandwerker.

Wie bist Du zum Lebkuchenmann gekommen?

Körner: Ich denke schon auch, weil ich seinerzeit die Logos für die Kunstschranne und die Kunsttage in Weißenburg entworfen habe. An deren Ausstellungen habe ich auch immer wieder teilgenommen. In dieser Hinsicht halte ich auch immer noch regen Kontakt zur Heimat, zum Beispiel zum Weißenburger Fotostammtisch mit den Fototagen. Aktuell bin ich allerdings nicht mehr ganz so oft zu Hause.

Zur Lebkuchenmann-Premiere würdest du dann aber auf jeden Fall kommen, oder?

Körner: Auf jeden Fall! Auch meine Freundin will da unbedingt dabeisein. Würden wir in Weißenburg leben wäre sie mit auf der Bühne!

Heute um 18 Uhr findet im Weißenburger Wildbadsaal ein Treffen
für alle Laien statt, die überlegen, sich als Schauspieler oder Statist am Weißenburger Lebkuchenmann zu beteiligen. Regisseur Georg Schmiedleitner wird konkrete Informationen zu Proben, Rollen und dem weiteren Prozedere geben. 
 

Interview: JAN STEPHAN

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