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Droht ein Kanuverbot auf der Altmühl?

Fischereiverbände kritisieren Bootstourismus - 07.07.2017 10:36 Uhr

Kanufahrer gefährden das Laichverhalten von Barbe und Nase: Die Fischereiverbände entlang der Altmühl glauben, dass es einige Fischarten in dem Fluss gibt, die unter dem zunehmenden Bootstourismus leiden. © Markus Steiner


Fakt ist jedenfalls schon einmal eines: Die Altmühl ist der fischreichste Fluss Deutschlands, was den Bestand an Friedfischen angeht. Besonders Weißfische, Nasen, Döbel und Barben sind zwischen Gunzenhausen, Treuchtlingen, Eichstätt und Kinding in stattlicher Anzahl und Größe an­zutreffen, wie man in Anglerkreisen weiß.

Laichzeit bis Juli

Zur Laichzeit, die in die Monate Mai bis Juli fällt, ziehen die Barben in Schwärmen flussaufwärts und laichen ihre leicht klebrigen Eier vor allem an flachen und kiesigen Stellen ab. Die befinden sich leider oft an den Stellen, die die Kanufahrer zum Einstieg in das flache Gewässer nutzen. Das weiß auch Christoph Martin von der Arbeitsgemeinschaft (AG) Kanuqualität im Altmühltal, kurz AKQUA, die die Kanufahrer auf der Altmühl bittet, den Fluss und die umliegende Natur pfleglich zu behandeln.
In einem eigenen Flyer, der vor Kurzem an den Einstiegsstellen aufgehängt wurde und noch an mehreren Orten aufgehängt werden soll, heißt es unter anderem: „Bitte nehmt Rück­sicht auf Angler und vermeidet un­-nötigen Lärm! Bitte haltet Euch von flachen, überströmten Kiesbereichen – besonders unterhalb der Bootsrutschen und Wehre – fern!“

Nach Informationen von AKQUA würden etliche Fischereiverbände entlang der Altmühl versuchen, den langsam fließenden Fluss für Kanuten zu bestimmten Jahreszeiten ganz sperren zu lassen. Für die Kanufahrer der
Region wäre das der Super-GAU: „Damit wäre es mit Eurem Paddelspaß an vielen Wochen im Jahr vorbei.“ Aus diesem Grund sollten die Kanufahrer die Verhaltensregeln im eigenen Interesse bitte befolgen.

Das Landratsamt Eichstätt bestätigte auf Anfrage unserer Zeitung, dass das Thema auch in der Behörde bereits bestens bekannt sei. Das Landratsamt als staatliche Behörde müsse jetzt die verschiedenen Interessen abwägen. In dem noch laufenden Prozess müsste vor allem die folgende Frage geklärt werden, sagte Pressesprecher Manfred Schmidmeier: „Ist der Bestand der genannten Fische wirklich gefährdet?“ Um eine solide Entscheidungsgrundlage zu haben, die sich auf Fakten stützt, wird derzeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KUEI) im Auftrag des Honorarprofessors Benno Kügel, der sich schwerpunktmäßig mit Biomonitoring, biologisch-chemischen Gewäs­seruntersuchungen, Wassermanagement und ökosytemaren Sanierungskonzepten für Fließgewässer beschäftigt, eine wissenschaftliche Arbeit erstellt.

Die Untersuchung soll klären, ob und wie der Kanubootsverkehr auf der Altmühl sich auf das Laichverhalten von Nase und Barbe auswirkt. Bis spätestens 9. November soll das Ergebnis vorlegen. Für diesem Tag ist bereits ein Treffen mit den Fischereivereinen aus Eichstätt und Dollnstein und mit der AKQUA terminiert.

Komplettsperrung bis 15. Juni?

Das weiß auch Christoph Würflein, Geschäftsführer des Naturparks Altmühltal. Auch ihm ist daran gelegen, dass am Ende ein Kompromiss he­rauskommt, mit dem Angler und Bootsfahrer gut leben können. Eine Komplettsperrung bis zum 15. Juni für Kanufahrer wäre auch aus Würfleins Sicht „eine Katastrophe“. Denn bis zu diesem Zeitpunkt sei bereits gut ein Drittel des Geschäftsjahrs gelaufen. Gerade an Ostern und Pfingsten würde die Altmühl bereits rege von Kanufahrern genutzt.

„Wir wollen, dass hier mit Augenmaß vorgegangen wird“, wünscht sich Würflein. Der Naturpark-Geschäftsführer hatte bisher aber den Eindruck, dass Bootswanderer und Fischereiverbände jeweils auch Verständnis für die Interessen der Gegenseite zeigten. Bis das Ergebnis der Studie vorliegt, will auch der Naturpark Altmühltal erst einmal die Wogen glätten und hat deshalb die Bootsverleiher gebeten, ihre Gäste für ein möglichst fischfreundliches Verhalten auf der Altmühl zu sensibilisieren.

Auch im Landratsamt Eichstätt, das letztlich die Entscheidung zu treffen hat, wer zu welchen Zeiten auf der Altmühl dahinschippern darf, will man erst die Studie der Universität abwarten. Danach solle möglichst eine Lösung gefunden werden, die von allen Beteiligten akzeptiert werden kann. Diesen Wunsch hat auch Solnhofens Bürgermeister Manfred Schneider in einem Schreiben an das Eichstätter Landratsamt geäußert und gebeten, man solle dort eine maßvolle Entscheidung treffen. Schließlich profitiert sein Kommune besonders vom Kanutourismus im Altmühltal. 

Markus Steiner

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