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"Durchwachsene Silphie" ist in Altmühlfranken kaum bekannt

Nur zwei Bauern setzten auf den Mais-Ersatz - 01.09.2018 06:00 Uhr

Soll einmal hoch hinaus: Die Landwirtsfamilie Kößler aus Gersdorf setzt seit diesem Jahr auf die „Durchwachsene Silphie“, die, wie der Mais, eine sehr energiehaltige Pflanze ist, aber der allgegenwärtigen Monokultur einiges voraus hat. © Leah Mühlöder


Steht man auf dem drei Hektar großem Feld der Kößlers, fällt auf dem ersten Blick nur der Mais ins Auge. Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt man auf dem steinigen Grund eine andere Pflanze: Die Durchwachsene Silphie entfaltet sich dort in Bodennähe. Noch ist sie klein, blättrig und grün. Nächstes Jahr soll sie dann den Mais ablösen und alleine mit ihrer gelben Blüte das Feld ausfüllen. Aus der Entfernung hat sie Ähnlichkeit mit einer Sonnenblume. Ihre Höhe schwankt zwischen zweieinhalb und vier Metern.

Nachdem die Pflanzen nun erst mal angewachsen sind, sollen sie ab dem nächsten Jahr geerntet werden. © Leah Mühlöder


Im Landkreis ist die Durchwachsene Silphie eine Pflanze mit Seltenheitswert. Dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) liegt nur ein weiterer Betrieb vor, der die Energiepflanze anbaut – auf einer Fläche von eineinhalb Hektar. Der Maisanbau dagegen liegt im Landkreis bei knapp 11000 Hektar. Die Kößlers wagen sich trotzdem an die Silphie, denn sie sehen in ihr eine echte Alternative. Auch Ernst Hilmer, vom AELF hofft, dass sie „zumindest auf kleinen Teilen der Fläche“ den Mais ablösen wird. Denn die Pflanze bringt einige Vorteile mit sich.

Gerade für Insekten ist sie ein Gewinn: Sie nützt den Bienen deutlich mehr als Futterpflanze wie der Mais. Unter anderem wegen der langen Blütezeit. Von Juni bis September ist sie ein gute Anlaufstelle für Insekten. Das sind auch Zeiträume, in denen auf den Feldern sonst schon das meiste geerntet wurde.

Weniger Arbeitsaufwand als Mais

Ein weiterer Pluspunkt: Silphie ist eine Dauerkultur. Das bedeutet, man sät sie einmal und kann etwa 15 Jahre ernten. Dadurch fällt der Arbeitsaufwand wesentlich geringer aus – das spart Kosten. Dauerkultur bedeutet auch, dass der Ackerboden ganzjährig bedeckt ist. Ein guter Erosionsschutz für die Böden ist das Resultat.

Die Pflanze ist insgesamt sehr robust. Auch auf steinigen und schweren Böden kann sie gut bestehen. Dass sie tiefe Wurzeln schlägt, bestärkt ihre Widerstandsfähigkeit: „Das Wurzelvermögen ist stark, dadurch kann sie viele Nährstoffe aus dem Boden holen“, meint Kößler. Wegen der Wurzeln ist die Silphie standhaft bei Wind und Wetter: Hagel oder Starkregen sorgen nicht sofort für Ernteausfälle. Auch das andere Wetterextrem – Hitze ­ und Trockenheit – steckt sie ebenfalls gut weg: „Die becherförmigen Blätter fangen Regen und Tau gut auf und speichern die Flüssigkeiten länger“, so Kößler.

Vergleicht man den Energieertrag der Biogasanlage von Silphie mit dem von Mais, „liegt die Silphie ein biss­chen unter Mais“, erklärt Michael Völklein. Der Landwirt aus Hüssingen ist der Pionier, wenn es um den Anbau der Silphie im Landkreis geht. Seit mittlerweile acht Jahren wächst sie bei ihm auf einer Fläche von eineinhalb Hektar. Der Energieertrag der Silphie ist auch deshalb niedriger, weil an ihr kein Kolben wächst. „Aber dafür hat die Silphie ihre dicken Stängel. Die wachsen aus Altpflanzen über Jahre hinweg, das macht sie ziemlich kräftig“, erklärt Völklein.

Ein Pluspunkt ist für ihn auch, dass die Pflanze keinen extra Pflanzenschutz benötigt. Völklein düngt sein Feld ausschließlich mit dem Gärrest aus der Biogasanlage, Mineraldünger kommt nicht zum Einsatz. Auf ein Problem mit der Silphie ist der Landwirt aus Hüssingen aber gestoßen: Die Ernte ist nicht ganz so einfach. „Sie bildet einen Urwald, die Pflanzen verhaken sich ineinander, da mussten wir die Mähwerke erst mal umbauen“, schildert Völklein die Erfahrungen aus seinen Anfangsjahren, aber seit drei Jahren funktioniere das jetzt endlich.

Schilder informieren

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Die Kößlers stehen im Gegensatz zu  Völklein noch am Anfang ihrer Zeit mit der Durchwachsenen Silphie. Sie sind aber trotzdem noch mit die Ers­ten, die diesen Schritt wagen. Weg von einer Spezialisierung, hin zu mehr Vielfalt, lautet die Devise der Familie. Man darf gespannt sein, wie sich die Silphie auf dem Feld am Jura ent­wickelt. Voller Ideen für Veränderung in der Landwirtschaft sind die Kößlers jedenfalls. Und wenn sich jemand über die Pflanze wundert, die auf dem Feld zwischen Gersdorf und Wengen wächst, hat Theresa Kößler Schilder aufgestellt, die Informationen über die Silphie liefern. Ihr Mann pflichtet ihr bei: „Wenn die Landwirtschaft am Pranger steht, dann muss ich der Öffentlichkeit auch zeigen, was ich dagegen tue.“ 

Leah Mühlöder

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