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Erneute Absage fürs Nennslinger Playground-Open-Air

Organisationsaufwand ist für die bisherigen Macher zu groß - 29.07.2017 06:00 Uhr

So schön kann das Playground-Festival in Nennslingen sein: Nur müssen Musikfreunde auf solche Bilder schon im zweiten Jahr verzichten, denn auch 2017 wird es kein Playground geben. © Jan Stephan (Archivfoto)


Im vergangenen Jahr sagten die Organisatoren wegen des Auftritts von Superstar Cro in Enderndorf am Brombachsee ab. Damals wurde als neues Datum der 3. bis 6. August 2017 ausgegeben, der bis heute auch noch auf der Homepage zu finden ist. Damit wird es nichts werden, teilten Daniel Schuster und Tobias Reichart auf Anfrage nun mit. Bis zuletzt hatten sie nach Lösungen gesucht, die Absage abzuwenden. Offensichtlich ohne Erfolg.

Das Problem ist ein zeitliches. Tobias Reichart und Daniel Schuster haben mit Job und Familie so viel um die Ohren, dass sie sich nicht mehr in der Lage sehen, die wochenlange Arbeit für das viertägige Festival in der gewohnten Art und Weise alleine zu stemmen. „Bislang konnten wir keine Lösung finden, wie wir das abfangen wollen“, erklärte Daniel Schuster auf Anfrage unserer Zeitung. „Es gab schon einige aus unserem Helferteam, die bereit sind, mehr zu machen, aber niemanden, der auch bereit war, in die Haftung zu gehen.“

Die beiden Familienväter waren die treibenden Kräfte, die dafür sorgten, dass vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten aus einer Filmnacht Stück für Stück ein Open-Air-Festival mit prominenten Bands und bis zu 5000 Besuchern wurde. Das Duo war es auch, dass in die Verantwortung ging, als zunächst die Landjugend und anschließend der eigens gegründete Verein orangetime nicht mehr willens war, die Haftungsrisiken der Großveranstaltung zu tragen. Schuster und Reichart sprangen in die Bresche, gründeten eine eigene Firma und wurden alleinige Veranstalter.

Damit änderte sich nur hinter den Kulissen etwas, denn nach wie vor waren Heerscharen an Helfern aus dem ganzen Juraraum beteiligt, die das Festival gemeinsam auf die Beine stellten. Und auch im Dorfleben war das Playground stets bestens verwurzelt. Beim Frühschoppen am Sonntag saßen schon mal Punks neben Landwirten aus Nennslingen, verspeis­ten in friedlicher Koexistenz ihre Weißwurst und lauschten der Nennslinger Blasmusikkapelle. „Auch deswegen würde es uns leidtun, wenn das nichts mehr wird mit. Das Playground hat das Dorf schon auch zusammengeschweißt“, so Schuster.

Es ist auch nicht der Wille, der fehlt, sondern eher eine Lösung. „Wir wollen das Playground nicht sterben lasen, wir haben Bock, das weiterzumachen, aber uns fehlt halt im Moment ein Modell, wie das funktionieren kann“, stellt Daniel Schuster fest. Klar ist auch, dass das Playground für die beiden eine Sache unter Freunden ist. „Das ist unser Hobby und kein Job. Das muss Spaß machen, sonst macht das keinen Sinn.“

Das Playground-Duo hat schon Gespräche mit dem ein oder anderen namhaften Vertreter der regionalen Festivalszene geführt und um Unterstützung angefragt. Und es scheinen sich Optionen abzuzeichnen. „Wir müssen jetzt einfach weiterreden und schauen, ob es Möglichkeiten gibt“, so Schuster. „Wenn wir nächstes Jahr wieder nichts machen, dann, denke ich, war es das für immer.“ Im besten Fall müsste eine Entscheidung noch 2017 fallen, glaubt Schuster. Auch Reichart will das Festival am Leben halten, aber eben nur, wenn es eine erhebliche personelle Entlastung in der Führungsebene gibt, erscheint das möglich.

Für die Festivalfreunde im Landkreis ist die Absage keine gute Nachricht. Immerhin war das Playground das einzige Mehrtages-Festival dieser Art. Trösten kann man sich immerhin damit, dass inzwischen das Afrika Karibik Fest nach Wassertrüdingen und somit in Landkreisnähe gezogen ist und Rock am Berg in Eichstätt in diesem Jahr eine Wiederauflage erlebt hat. Das könnte auch Hoffnung machen für die Nennslinger, es gibt eine Möglichkeit, nach einer Pause zurück­zukommen. Nur muss man dafür die grundlegenden Probleme lösen. Und das dürfte in diesem Fall nur mit vielen Gesprächen und ein bisschen Glück möglich sein.

Auch die Gemeinde Nennslingen dürfte wenig glücklich sein, dass das Playground nun bereits das zweite Mal in Folge abgesagt werden muss. Immerhin hatte Nennslingen mit dem Fes­tival die mit Abstand größte kulturelle Veranstaltung auf dem Jura und weit darüber hinaus. Möglichkeiten zur Unterstützung könnten sich sicher auch von dieser Seite ergeben. 

Jan Stephan

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