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Falsche Abschlussnoten an der Mittelschule Weißenburg

Wegen fehlerhafter Software muss die Verwaltung nachrechnen - 12.07.2017 05:30 Uhr

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Weil das neue Schulverwaltungsprogramm ASV die Zeugnisnoten falsch berechnet, müssen die Verwaltungsangestellten Brigitte Hüttinger und Jutta Raab alle Zeugnisse des M-Zweigs noch einmal von Hand eingeben. Für Schulleiter und BLLV-Kreisvorsitzenden Markus Scharrer ein echtes Ärgernis. © Markus Steiner


Auch Schulleiter Markus Scharrer ärgert sich ganz unverblümt: „Das ist einfach bodenlos!“ Alle Schulleitungen wurden inzwischen vom Kultusministerium aufgefordert, die Eintragungen nachzuprüfen, weil sich bei der Notenberechnung Fehler eingeschlichen haben. Beim einen Schüler wurden zu gute Noten, beim anderen zu schlechte Noten errechnet. Die fehlerhafte Software bringt nicht nur die Vorsitzende des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann, in Wallung. Auch der Weißenburger Mittelschul-Rektor freut sich nicht gerade über die Mehrarbeit in seiner Schule, die personell ohnehin nicht gerade zu üppig ausgestattet sei.

Gestern waren die beiden Verwaltungsangestellten Brigitte Hüttinger und Jutta Raab den ganzen Tag damit beschäftigt, die Noten von insgesamt 65 Schülern aus dem Mittleren-Reife-Zug nachzurechnen. Dass die Noten einfach nicht stimmen konnten, ist Schulleiter Scharrer schnell aufgefallen: „Ein Schüler, der eine Sechs in Mathe und eine Fünf in Physik hatte, hatte den Vermerk bestanden im Abschlusszeugnis.“

Ins alte Programm übertragen

Deshalb wurden noch einmal alle Noten ins alte Zeugnisprogramm übertragen. Dabei habe sich bestätigt, dass das neue Programm „nicht funktioniert“, sagt der Rektor. Selbst beim Abgleich der Stammdaten aus dem alten Programm seien Fehler entstanden und Schülernamen zum Teil falsch geschrieben worden. „Wir haben hier stellenweise den Eindruck, ein Beta-Tester zu sein“, ärgert sich Scharrer, der auch BLLV-Kreisvorsitzender ist.

Von seinem Landesverband gibt es inzwischen eine Pressemitteilung, in der die BLLV-Präsidentin kein Blatt vor den Mund nimmt: „Das bringt das Fass zum Überlaufen.“ Eine fehlerhafte Software sei „wie Öl ins Feuer der ohnehin äußerst angespannten Situation an den Grund- und Mittelschulen“.

Viele der rund 5 000 Schulleiterinnen und -leiter sowie ihre Verwaltungsangestellten seien am Ende ihrer Kraft, ist man beim Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband überzeugt. Die Pädagogen würden ihre persönliche Belastungsgrenze dauerhaft überschreiten. Obwohl der BLLV bereits zum Halbjahr auf die Probleme des Schulverwaltungsprogramms hingewiesen habe, sei nichts passiert. Auch Scharrer findet, dass die Module, die zum Zeugnisschreiben gebraucht werden, viel zu spät an die Schulen übermittelt worden seien. So habe es noch in der vergangenen Woche täglich ein neues Update für das Schulverwaltungsprogramm ge­geben.

Das Hickhack mit dem Programm führt nach Scharrers Informationen auch dazu, dass einige Schulen sich den Ärger sparen wollen und statt­dessen lieber gleich auf kommerzielle Zeugnis-Programme ausweichen, die natürlich zusätzlich Geld kosten.  Immerhin: Das Modul, das für die Berechung der Quali-Zeugnisse gebraucht wird, scheint richtig zu rechnen. So ganz sicher ist man sich da aber nicht in der Weißenburger Mit­telschule und rechnet deshalb lieber stichprobenartig noch mal mit dem Taschenrechner nach.

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Das fehlerhafte Programm habe auch zur Folge, dass die Systembetreuer der Mittelschulen und die Multiplikatoren, die im gesamten Landkreis für die Software verantwortlich sind, einer enormen zeitlichen Belas­tung ausgesetzt sind, was unter Umständen auch negative Folgen für die Gesundheit haben kann, befürchtet der BLLV-Kreisvorsitzende. Der ärgert sich am Ende vor allem darüber, dass die Probleme erst jetzt – mitten in der heißen Phase – behoben werden: „Wir fühlen uns hier manchmal wie die Versuchskaninchen.“ 

Markus Steiner

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