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"Keiner kann es besser"

Ramsberger Wehr steht hinter Kommandant Florian Riedl - 26.06.2017 08:59 Uhr

Hat in der Ramsberger Feuerwehr einen großen Rückhalt: Florian Riedl (33), der alte und neue Kommandant, dem der Pleinfelder Gemeinderat letztes Mal die Bestätigung verweigerte. © Markus Steiner


„Ich kann noch nicht einschätzen, wie das Gremium mit Ihrer Wahl umgeht“, sagte Bürgermeister Markus Dirsch unmittelbar nach der geheimen Wahl, an der im Dorfgemeinschaftshaus nur die aktiven Feuerwehrmitglieder im Alter von 16 bis 63 Jahren teilnehmen durften. Auch die Presse war während des Wahlvorgangs ausgeschlossen.

Wohin die Reise seiner Meinung nach gehen sollte, hat der Ramsber-
ger Ortssprecher Josef Riedl, der auch Vater des Kommandanten ist, den Pleinfelder Gemeinderäten ins Stammbuch geschrieben: „Ich appelliere an die Kollegen, den Kommandanten dieses Mal zu bestellen. Es kann doch nicht sein, dass ein ganzer Ort zu seinem Kommandanten steht und der Gemeinderat ihn ablehnt. Das ist ein Affront.“

Aufeinander zugehen

In der Folge meldeten sich mehrere Ramsberger Feuerwehrmitglieder zu Wort, die Bürgermeister Markus Dirsch, Bürgermeisterin Inge Dorschner und dem Geschäftsleiter der Marktgemeinde, Robert Lindenmayer,  erklären wollten, worum es bei dem Streit um die Kommandantenwahl aus ihrer Sicht gehe. „Lasst uns das Alte beiseite schieben und gebt ihm eine Chance. Es geht doch um das Wohl der Feuerwehr“, appellierte ein Feuerwehrkamerad. „Es ist viel vorgefallen, von unserer Seite ist aber immer noch Gesprächsbereitschaft da“, erwiderte Dirsch, der einerseits zusicherte, dass man aufeinander zugehen wolle, er andererseits aber auch die Gefahr sehe, dass man wieder in alte Muster verfallen könnte.

Mehrere Ramsberger vertraten die Ansicht, dass ihrer Meinung nach der Ramsberger Kommandant stets den Kontakt zum Bürgermeister gesucht habe, Dirsch jedoch nicht mehr gesprächsbereit gewesen sei. So sei oft über Riedl, aber nicht mit ihm geredet worden, lautete ein anderer Vorwurf. Dabei seien sich in Ramsberg alle einig: „Wir haben im Ort keinen, der es besser kann als er.“

Tatsächlich findet man auch bei der Feuerwehrführung im Landkreis keinen, der Florian Riedl die fachliche Kompetenz absprechen würde. Kreisbrandrat Werner Kastner sagte auf Anfrage unserer Zeitung: „Ich hätte ihn bestätigt.“ Für Kastner gebe es jedenfalls keine zwingenden Gründe,  Riedl als Kommandanten abzulehnen, der auch alle erforderlichen Lehrgänge und jahrelange Erfahrung
habe.

Was das erneute und klare Votum für den Ramsberger Kommandanten dann überhaupt ändert? Gute Frage. Auch für Bürgermeister Dirsch, der sich erst bei übergeordneten Stellen erkundigen will, ob der Gemeinderat den Kommandanten erneut bestellen muss. Thomas Eischer, Leiter der Rechtsaufsicht über Gemeinden am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen, traut sich hier ebenfalls kein Urteil zu. Der Sachgebietsleiter hat gründlich recherchiert und keinen einzigen ähnlich gelagerten Fall in ganz Bayern gefunden.

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Rein rechtlich ist es so, dass im Einvernehmen mit dem Kreisbrandrat die Gemeinde gemäß dem Bayerischen Feuerwehrgesetz die Wahl eines Kommandanten nur noch formal bestätigen muss. Eine Versagung könne nur „aus fachlichen, persönlichen oder sonstigen wichtigen Gründen erfolgen“, heißt es im Gesetz. Daran habe sich auch nach der erneuten Wahl nichts geändert, glaubt Eischer.

Fachlich und auch gesundheitlich sei Riedl geeignet. Was sonstige wichtige Gründe seien, darüber könne man trefflich streiten. Insofern ist die Nichtbestellung des Ramsberger Feuerwehrkommandanten im Gemeinderat ein echter Präzedenzfall. Es würde sich also zumindest aus juristischer Sicht lohnen, einen Prozess am Verwaltungsgericht in Ansbach anzustrengen, um Rechtssicherheit zu erlangen, glaubt man auch im Landratsamt.

Was einigen Gemeinderäte in Pleinfeld bei ihrer Abstimmung offenbar bislang so gar nicht bewusst war: Auch der abgelehnte Ramsberger Kommandant kann gegen die ihm verwehrte Bestellung klagen. So oder so habe sich Pleinfeld mit der gesamtem Angelegenheit keinen Gefallen getan, ist sich Kreisbrandrat Kastner sicher, dem in seiner langen Laufbahn als Feuerwehrchef im Landkreis kein derartiger Fall untergekommen ist.

Jetzt will Bürgermeister Dirsch sich mit seinen beiden Stellvertretern, der Ramsberger Feuerwehrführung und einem Mediator noch einmal zusammensetzen und ein klärendes Gespräch führen. Erst danach soll das Thema erneut auf die Tagesordnung einer der nächsten Gemeinderatssitzungen kommen. Wie es mit dem Ramsberger Feuerwehrkommandanten weitergeht, ist derzeit also noch ungewiss. 

Markus Steiner

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