Mittwoch, 14.11.2018

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Millionen Spinner im Landkreis unterwegs

Gespinstmotten machen sich über Büsche her - 24.05.2018 08:07 Uhr

Schaut übel aus, ist aber gar nicht schlimm: Die Gespinstmotten haben derzeit wieder großen Appetit. Im vergangenen Jahr traten sie erstmals wieder vermehrt auf und kommen nun in der nächsten Generation über die altmühlfränkische Vegetation. Die leer gefressenen Bäume halten das aber im Regelfall gut aus. © Tim Wagner


„Was ist das genau für ein Tier? Und geht jetzt mein Baum kaputt?“, das waren die Fragen, die sich der Burgsalacher Werner Treiber stellte, als er am frühen Morgen in seinem Garten stand und das Gewimmel an seinem Pfaffenhütchen entdeckte. Zuerst waren nur vereinzelt Larven zu sehen, dann gan­ze Nester, die sich in Form von Gespinstkugeln über den ganzen, zunehmend kahler werden Busch zogen. Schön anzuschauen ist das nicht, die Raupen winden sich irgendwann zu Hunderten und der Busch sieht nicht so aus, als könnte ihm das gut tun.

Kein Grund zur Panik

Es besteht aber kein Grund zur Pa­nik, bestätigte der ortseigene Gärtnereimeister und zertifizierte Baumkontrolleur Robert Gottert. Bei den kleinen Untermietern handelt es sich lediglich um die harmlose und für den Menschen ungefährliche Insektenart der Gespinstmotte. In Mitteleuropa kommen über 50 Arten dieser Motten vor, sie treten an verschiedenen Gehölzen auf. Namensgebend für die beeindruckenden Insekten sind die feinen Gespinste.

Extreme Verhältnisse: In Burgsalach hängen die Larven gleich in Fäden von den Büschen. © Tim Wagner


Gespinstmotten sind je nach genauer Art zwischen Juni und August aktiv. Hauptsächlich legen die kleinen Falter ihre Eier in die für sie typisch dachziegelartige Anordnung auf Zweigen und jungen Trieben ab. Die Motten überdecken ihre Sprösslinge mit einem durchsichtigen Sekret als Schutz. Nach einigen Wochen schlüpfen die ersten cremefarbigen gepunkteten Larven. Direkt nach der Geburt überziehen die kleinen Raupen ihr neues Zuhause mit feinen, silbrigen Gespinsten, um sich vor Vögeln, Regen oder Wind zu schützen.

In den Gespinsten leben Hunderte von Larven, die mit großem Hunger die Bäume leer fressen. Anschließend verpuppen sich die Schädlinge im Schutz des Gespinsts. Etwa zwei bis drei Wochen später fliegen die ersten ausgewachsen Falter. Nach der Fortpflanzung legen die „Schädlinge“ ihre Eier wieder an den Knospen der Pflanzen ab, wo sie bis zum nächsten Frühjahr problemlos überleben können. Die Entwicklung der außergewöhnlichen Insekten kann Jahre andauern. Gewöhnlich entwickeln Gespinstmotten eine Generation pro Jahr.

Häufig betroffene Gehölze sind neben den Traubenkirschen, Weißdorn, Pfaffenhütchen, Pappeln oder Weiden auch Obstbäume wie beispielsweise der Apfelbaum. Auch wenn es im ersten Augenschein nicht so aussieht, erholen sich die Büsche und Bäume allerdings zügig wieder von ihrem Hochzeitskleid und treiben Ende Juni erneut aus, ohne einen nachhaltigen Schaden zu erhalten. Ausnahmen bilden Obstbäume, deren Ertrag deutlich geringer ausfallen kann.

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Leider gibt es immer wieder aufgrund der Größe und Farbe Verwechslungen mit dem durchaus gefährlicheren Eichenprozessionsspinner, weiß der Gärtnermeister. So gingen auch in den vergangenen Jahren immer wieder besorgte Anrufe bei den Behörden ein. Denn bereits da war die Region von einer Gespinstmotten-Plage betroffen. In ganz Mittelfranken konnte man kahl gefressene und eingesponnene Büsche beobachten. In diesem Jahr sieht das nicht viel anders aus. 

Tim Wagner

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