Seltenes Jagdspektakel vor dem Ellinger Schloss

25.11.2015, 08:59 Uhr
Seltenes Jagdspektakel vor dem Ellinger Schloss

© Zöllich

Der Präsident der Frankenmeute achtet sehr auf Etikette. Das gehört dazu. Sein elegantes Jagdgewand im französischen Stil ist faltenfrei und sitzt perfekt. Wenn er zur Begrüßung die Hand reicht, zieht er selbstverständlich seinen weißen Handschuh aus. Jedes Wort wählt er mit Bedacht. Und trotzdem lässt es sich Jürgen Hoepffner nicht nehmen, in seinem Grußwort zur Schleppjagd in Ellingen mit einem frechen Augenzwinkern erst mal all jene „Warmduscher“ und „Weicheier“ zu grüßen, die angesichts der frostigen Temperaturen in ihrem behaglichen Zuhause geblieben sind. „Ich hatte schon mit mehr Reitern gerechnet“, tadelt Hoepffner.

Denn eine Schleppjagd, findet er, ist für Reiter ein ganz besonderes Erlebnis. „Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Tier, die Arbeit der Hunde zu erleben, die Natur und die Musik der Jagdhörner – das ist einfach einmalig“, schwärmt der Präsident der Frankenmeute. „Und bei der Schleppjagd geht es nicht ums Gewinnen, sondern ums Dabeisein. Es ist ja nur die Imitation einer Jagd.“

Seltenes Jagdspektakel vor dem Ellinger Schloss

© Zöllich

Die Ursprünge der Schleppjagd liegen in den Parforcejagden der ver­gangenen Jahrhunderte, bei denen das Wild mit einer Hundemeute bis zur vollkommenen Erschöpfung gehetzt wurde. Anders als beispielsweise in Frankreich oder Belgien ist die Jagd auf Wild in Deutschland aber seit 1936 verboten. Um die Jagdtradition dennoch auf sportlicher Basis fortzusetzen, haben sich hierzulande die Schleppjagdvereine gegründet. Die Frankenmeute ist einer von 24 und besteht seit 1986.

Der sogenannte Schleppenleger reitet voraus und legt eine künstliche Spur. Dazu zog er zu Beginn meist eine Wilddecke hinter sich her, und die Hunde folgten dem Geruch. Heute gibt es modernere Methoden: Viele Meuten nutzen Kanister, aus denen tröpfchenweise eine stark riechende Flüssigkeit wie etwa Anis oder Pansen austritt.

Die Frankenmeute setzt hingegen ausschließlich auf das Trittsiegel – die schwierigste Form der Schleppjagd. Denn es bedeutet, dass keine zusätzlichen Duftstoffe zum Einsatz kommen. Die Hufe des vorausreitenden Pferdes zermalmen Pflanzenteile, zertreten Erde und setzen Mineralien und Mikroben aus dem Erdboden frei, die eine kurzzeitige, vergängliche Duftspur legen.

Sobald der Schleppenleger aus der Sichtweite ist, geht es los. Die Gruppe der Jagdreiter, die sogenannte Equipage, lässt die Hunde aus den Zwingern. „Insgesamt haben wir 35 Beagles, auf der Jagd sind 24 bis 26 von ihnen dabei“, klärt Jürgen Hoepffner auf. Die Hunde müssen alle aufs Wort gehorchen, weshalb die Frankenmeute enorm viel Zeit in deren Aufzucht und Ausbildung investiert. Dafür verantwortlich ist hauptsächlich die Frau des Präsidenten. „Ohne sie ginge es nicht“, weiß der dankbare Ehemann.

Aber auch die übrigen Reiter opfern enorm viel Freizeit für ihr Hobby und trainieren hart. „Die Equipage muss jeden Hund mit Namen kennen, um ihn während der Jagd ordentlich zu führen“, erklärt der Präsident. Eine beachtliche Leistung – denn für die Zuschauer gleichen sich die Tiere wie ein Ei dem anderen.

Eingekesselt von den Reitern der Equipage setzen sich dann rund 25 wedelnde Schwänzchen in Bewegung und nehmen die Fährte auf. Ihnen folgen die Reiter der örtlichen Reitvereine, die sich an der Schleppjagd beteiligen. Sie entrichteten eine Startgebühr, wodurch sich die Frankenmeute überhaupt erst finanzieren kann. Die Jagdetappen führen nun vom Ellinger Schloss aus über Schmalwiesen, Weimersheim und Störzelbach wieder zurück in die Deutschordensstadt.

„Ellingen war als Veranstaltungsort schon länger in unseren Köpfen“, sagt Präsident Jürgen Hoepffner. Jagdreiter Dr. Ar­min Kirchdorfer, der in Ellingen geboren wurde und in der Region eine Zeit lang als Tierarzt gearbeitet hat, klärte mit dem Fürstenpaar die organisato­rischen Dinge und wählte vorab die Strecke aus. Und obwohl die Teilneh­merzahl geringer ausgefallen ist als die Organisatoren gehofft hatten, ist der Präsident der Frankenmeute dennoch zufrieden mit der Ortswahl. „Denn was die Stadt hervorhebt, ist natürlich diese wunderschöne Schlosskulisse“.

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