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Dienstag, 25.09.2018

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Solnhofener Steinmeyer-Orgel braucht eine Auffrischung

Ambitioniertes Projekt für die kleine Kuratgemeinde - 11.08.2018 06:00 Uhr

Alter Brocken: Ihre 75 Jahre lässt sich die Solnhofener Steinmeyer-Orgel äußerlich kaum anmerken. Im Inneren ist sie unter anderem durch Wurmbefall schwer beschädigt. Bei der Restauration sollen nun Spendenaktionen helfen. © Tim Goppelt


Spender können zum Beispiel Patenschaften für einzelne Orgelpfeifen übernehmen. Dafür erhalten sie unter anderem Urkunden von der Kirche. Außerdem wird es ein Benefizkonzert geben.

75 Jahre ist die Steinmeyer-Orgel der Sola-Kirche inzwischen alt. Vor über 40 Jahren habe sie der damalige Pfarrer Hantel noch notdürftig nachgestimmt und gesäubert, sagt Hubert Sirl, der mit seiner Frau die Spendenaktionen organisiert. Ansonsten habe das wertvolle Musikinstrument aber in all den Jahren keine professionelle Wartung erhalten, betont er.

Am Montag, 27. August, beginnen die Arbeiten. Sie dauern rund vier Wochen. Und die Zeit braucht man auch, meint Restaurator Dieter Hausmann. Er ist seit 2008 selbstständiger Orgelbauer und hat als Organist jahrelange Erfahrung mit den Instrumenten. Nebenberuflich restauriert er Orgeln. Das Musikinstrument in Solnhofen zeigt gravierende Mängel auf, hat der Orgelexperte festgestellt. Es sei schon lange Zeit überfällig, dass die Orgel gewartet werde. Solch eine Prozedur soll man mindestens alle 15 Jahre durchführen, betont Hausmann.

Die Restaurationskosten belaufen sich auf etwa 32000 Euro, sagt Sirl. Das ist aber nur eine grobe Schätzung, denn die Ausmaße des Wurmbefalls in der Orgel sind noch nicht bekannt. Genaues weiß man erst, wenn die Orgel geöffnet ist.

Die rund 450 Katholiken in Soln­hofen bilden keine eigenständige Gemeinde, sondern sind als Kuratie an Pappenheim angegliedert. Für die kleine Kuratgemeinde sind die Sanierungskosten natürlich eine erhebliche finanzielle Belastung. Mindestens die Hälfte der Kosten muss die katholische Gemeinde stemmen. Das Bistum Eichstätt wird sich beteiligen, zudem hoffe man darauf, dass das Landesamt für Denkmalpflege noch etwas hinzugeben wird, erklärt Pfarrer Jürgen Pop­pe. Um nicht sämtliche Ersparnisse angreifen zu müssen, wollen Poppe und die Sirls mit den verschiedenen Aktionen noch etwas Geld in die Kasse spülen. Sonst bliebe kein Handlungsspielraum für anderweitige Aufgaben, erklärt Poppe. Eine Mindestgrenze, wie viel über Spenden hereinkommen muss, gibt es aber nicht, so der Geistliche.

Gegen eine Geldspende wird jeder Geber zum Paten für eine Orgelpfeife. Zudem erhält man eine Urkunde mit Angaben über Ton- und Registername der ausgewählten Pfeife. Und der Res­taurator hält die Namen der Orgelpaten auf den Pfeifen fest. Möglich ist eine Signatur aber lediglich auf 81 Orgelpfeifen, gibt Poppe zu bedenken. Die restlichen Pfeifen hätten eine hochwertige Legierung oder seien aus unbehandeltem Fichtenholz und daher für eine Beschriftung ungeeignet.

Nicht mehr konzerttauglich

Die Sanierung des Instruments ist unvermeidlich. Einfache Melodien kann man noch spielen, doch ein vollständiges Konzert ist aus der Steinmeyer-Orgel nicht mehr machbar, erklärt der Pfarrer. Pedale funktionieren nicht, Töne sind verstimmt oder unspielbar. Außerdem müsse der Organist bei den Pedalen und Tasten oft improvisieren. Das erschwere das Musizieren deutlich, betont Poppe.

Aufwendigster Teil der Restauration ist die Renovierung der verschlissenen Lederteile, erläutert Hausmann. Sie würden, abhängig von ihrem Zustand, konserviert oder ausgetauscht werden. Der Restaurator entstaubt zudem die Orgel und reinigt die Pfeifen.

Das Besondere an der Steinmeyer-Orgel in Solnhofen sei, dass die Konstrukteure hochwertiges Material verwendet hätten. Und das obwohl sie zur Zeit des Zweiten Weltkrieges gebaut wurde, betont Hausmann. Eine vergleichbare Orgel dieser Marke kos­te heute bis zu 230000 Euro, so der Orgelexperte.

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Das Unternehmen „G. F. Steinmeyer & Co.“ produzierte und verkaufte die gleichnamigen Orgeln seit mehr als 150 Jahren. Die Firma zählte zu den  größten Orgelproduzenten auf der Welt und exportierte seine Produkte weltweit. Unternehmenssitz war die Stadt Oettingen. Das war selbst vor 75 Jahren eine Entfernung, die von Solnhofen aus gut zu bewerkstelligen war. Auch viele andere Kirchengemeinden im Weißenburger Raum kauften deshalb ihre Orgeln bei dem bekannten Instrumentenbauer. Im Jahr 2001 hat das Unternehmen seinen Betrieb eingestellt und die Namensrechte verkauft, erklärt Hausmann. Die Firma existiert zwar nicht mehr, Steinmeyer-Orgeln werden aber trotzdem noch produziert und verkauft. 

Tim Goppelt

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