Dienstag, 20.11.2018

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Weselsky: Vier Lokführer in den Unglückszügen von Bad Aibling

Zehn Menschen starben, 18 wurden schwer verletzt - 10.02.2016 14:25 Uhr

Bei einem Zugunglück im oberbayerischen Bad Aibling sind zehn Menschen ums Leben gekommen. © dpa


+++ Bei den zehn Todesopfern handelt es sich um Männer zwischen 24 bis 60 Jahren. Von neun der zehn Opfer ist die Identität bereits geklärt.

+++ Eine dritte Blackbox wird noch in den Trümmern vermutet. Sie ist wichtig, um die Unglücksursache zu klären.

+++ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth kündigten ihren Besuch an der Unglücksstelle an.

+++ Am Mittwoch gingen die Bergungsarbeiten mit schwerem Gerät weiter.

Am frühen Mittwochmorgen hatte es Verwirrung gegeben, nachdem die Deutsche Presse-Agentur zunächst gemeldet hatte, dass ein elftes Todesopfer gefunden worden sei. Die Polizeipressestelle Oberbayern Süd dementierte dies und erklärte, es habe sich dabei um ein Missverständnis gehandelt.

Am späteren Morgen twitterte die Polizei, dass eine Steigerung der Todesopfer nicht mehr zu erwarten sei.

 

Inzwischen steht die Identität von neun der zehn Opfer fest. Dabei handelt es sich ausschließlich um Männer im Alter von 24 bis 60 Jahren, wie ein Polizeisprecher sagte. Sie alle stammten aus der Region. Unter ihnen seien auch die Lokführer. In den Führerständen der verunglückten Züge waren nach Angaben der Lokführergewerkschaft GDL jeweils zwei Lokführer anwesend. Die regulären Lokführer seien in beiden Zügen von Lehrlokführern begleitet worden, sagte der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Lehrlokführer sind Ausbilder. Einer von ihnen besaß nach Worten Weselskys die Berechtigung, Prüfungen abzunehmen.

Bergung mit schwerem Gerät

Die Bergungsarbeiten waren in der Nacht unterbrochen worden und werden seit Tagesanbruch fortgesetzt. Heute soll mit schwerem Gerät damit begonnen werden, die Unfallstelle zu räumen. Am Vormittag traf ein erster Spezialkran der Deutschen Bahn am Unfallort ein, wie das Unternehmen mitteilte. Am Vormittag wurde darauf gewartet, dass der Staatsanwalt die Unfallstelle freigibt. Die Bergung der Trümmer wird wohl mehrere Tage dauern.

Die eingleisige Strecke zwischen Holzkirchen und Rosenheim ist weiterhin gesperrt. Der Schienenersatzverkehr habe sich inzwischen "eingetaktet", teilte die Bayerische Oberlandbahn mit.

Politiker besuchen Unglücksstelle

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages Claudia Roth (Grüne) wollten den Unglücksort heute besuchen und mit Rettungskräften sprechen. Auch Bahnchef Rüdiger Grube wollte sich gemeinsam mit Seehofer ein Bild von der Lage machen.

Bei dem Unglück auf einer eingleisigen Strecke waren am Dienstagmorgen zwei Züge frontal zusammengestoßen. Neben den zehn Toten gab es etwa 80 Verletzte. Es war das schlimmste Zugunglück in Bayern seit mehr als 40 Jahren.

Unglücksursache nach wie vor unklar

Die Ursache für das schwere Zugunglück in Bayern sei nach ersten Ermittlungen "menschliches Versagen". Das will die Deutsche Presse-Agentur am Dienstagabend aus zuverlässiger Quelle erfahren haben und von der nicht genannten Quelle am Mittwoch noch einmal bestätigt bekommen haben.

Eine Bestätigung von offizieller Seite gibt es dazu noch nicht. Die Polizei möchte zunächst die Blackboxen der Züge auswerten. "Das nimmt Zeit in Anspruch, und diese Zeit nehmen wir uns auch", sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Eine von drei Blackboxen wird noch immer unter den Trümmern vermutet. Derzeit ermitteln die Beamten auch im Stellwerk von Bad Aibling. Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bekanntgab, arbeitet inzwischen eine 50-köpfige Sonderkommission der Kriminalpolizei an dem Fall.

Bei dem schwersten Zugunglück in Bayern seit gut 40 Jahren sind am Dienstag im oberbayerischen Bad Aibling mindestens neun Menschen ums Leben gekommen.

Veranstaltungen abgesagt

Politischer Aschermittwoch und Trauer passen nicht zusammen. Die Parteien haben daher ihre Kundgebungen abgesagt. Kanzlerin Angela Merkel lässt ihren Aschermittwoch ausfallen.

Auch der SPD-Kreisverband Neumarkt und die Freien Wähler haben angesichts des schweren Bahnunglücks Veranstaltungen zum politischen Aschermittwoch und am Donnerstag auf örtlicher Ebene abgesagt.

Dieser Artikel wird am Mittwoch, 10. Februar, fortlaufend aktualisiert.

Bilderstrecke zum Thema

Zwölf Tote bei Zugunglück in Oberbayern

Bei einem schweren Zugunglück bei Bad Aibling starben am 9. Februar 2016 zehn Menschen. Ein Mann erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen, ein weiterer starb am 13. April - gut zwei Monate nach dem Unglück infolge seiner Verletzungen. 20 Fahrgäste wurden schwer, 62 Menschen leichter verletzt. Zwei Personenzüge der Bayerischen Oberlandbahn waren zwischen Rosenheim und Holzkirchen zusammen gestoßen.


 

dpa, vb E-Mail

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