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Alice singt und tanzt und flucht in Wachendorf

25 junge Leute haben ihr eigenes Musical produziert - 18.03.2017 09:07 Uhr

Als Kind im Wunderland? Das war einmal! Im Musical der STS Wachendorf ist Alice (gespielt von der 18-jährigen Sina, Mitte) erwachsen geworden.

Als Kind im Wunderland? Das war einmal! Im Musical der STS Wachendorf ist Alice (gespielt von der 18-jährigen Sina, Mitte) erwachsen geworden. © Hans-Joachim Winckler


Angelehnt an das Kinderbuch "Alice im Wunderland" sowie das Musical "Wonderland", ist die Geschichte doch eine ganz andere: Alice ist erwachsen und steckt in einer Krise. Ihre Ehe geht zu Bruch, im Job hat sie keinen Erfolg. Da kommt eines Nachts der weiße Hase und nimmt Alice mit ins Wunderland — wo sie nicht nur das Land retten soll, sondern auch lernt, ihr Leben in den Griff zu kriegen.

Das Musical haben die jungen Leute komplett selbst erstellt: von Textbuch und Musik über Regie und Choreografie bis hin zu Kostümen und Bühnenbau. Hier erzählen sie davon.

Die Projektleitung

Am Anfang war das Wort. Oder besser: das Textbuch. Denn ohne Skript gibt es keine Szenen, keine Figuren, keine Lieder – kurz: kein Musical. Wie das entstand, erzählt Ralph Prandl: "Wir haben uns zwei Wochenenden lang eingeschlossen, auf ein Sofa gehockt und den Text geschrieben." Am Ende war das Stück geboren, aufgeschrieben auf 80 Seiten, inklusive eigener deutscher Songtexte.

Doch dann ging die Arbeit erst richtig los – über die Ralph zusammen mit drei weiteren wacht. "Wir führen die Fäden zusammen ", erzählt der 25-jährige Student. Trainingsplan, Technikplan, Bühnenbau, Gesangsaufnahmen, Fotoshooting, Werbung, Catering – Ralph und seine Mitstreiter haben alles im Blick.

Die Regie

Für Regisseur Philipp Fleischmann ist Alice ein traumhaftes Stück: "Es gibt so viele übertriebene Rollen im Wunderland, die man toll ausleben kann", schwärmt der 28-Jährige. Doch genau in die müssen die Schauspieler sich erstmal eindenken.

Die ersten Monate der Produktion dienten deshalb dem schwersten Part: der Rollenfindung: "Da saß ich einzeln mit den Schauspielern zusammen, und wir haben überlegt: Was denkt die Figur? Wie bewegt sie sich? Wie spricht sie?", erzählt Philipp. Dann hieß es: ausprobieren, übertreiben, "bis es sich richtig anfühlt".

Das Schauspiel

Mit 16 Jahren ist Anna Pongratz das Nesthäkchen im Team und zum ersten Mal bei einer großen Produktion der STS Wachendorf dabei. Normalerweise würde sie erstmal eine Nebenrolle übernehmen. "Aber plötzlich fragten die Produktionsleiter mich, ob ich eine Hauptrolle, nämlich Alice’ Tochter Chloe, spielen möchte", sagt Anna und klingt immer noch erstaunt.

Natürlich wollte sie. Und ihre beiden Nebenrollen als Teil der Mad Hatter und der Cool Cats behielt sie auch. Eine echte Herausforderung: "Bei den Mad Hattern habe ich eine selbstbewusste Erwachsenenrolle und tanze im sexy Kostüm. Direkt danach schlüpfe ich wieder in die Kinderrolle und muss große, staunende Augen machen - ganz schön kompliziert", erzählt die 16-Jährige.

Die Musik

Der weiße Hase auf der Hut.

Der weiße Hase auf der Hut. © Andreas Roch


Kein Musical ohne Lieder: Die zu komponieren war die Aufgabe von Musikstudent Fabian Kratzer, der extra engagiert wurde. "Ich bekam im Herbst vorigen Jahres das Textbuch und die deutschen Songtexte", erzählt der 25-Jährige. Darauf aufbauend schrieb er Lieder und produzierte sie im heimischen Studio: "Ein paar Instrumente wie E-Bass oder Percussions habe ich selbst eingespielt, den Rest habe ich am Rechner simuliert."

Nach gut drei Monaten waren die 19 Songs so weit fertig, dass die Schauspieler sie im Studio einsingen konnten. Fabian hatte wieder den Kopf frei – um noch Szenenmusiken zu komponieren und das abschließende Medley zu erstellen.

Die Choreografie

Sina Dotzauer ist Meisterin im Sezieren von Songs. Denn die 18-Jährige hat die Choreografien für das Musical entwickelt und dafür jedes der 19 Lieder zerlegt. "Ich habe sie bis zum letzten Taktschlag ausgezählt." Nur so konnte sie Schrittfolgen entwerfen, Posen planen – und das den Schauspielern Zug um Zug im Trockentraining beibringen.

Immerhin hat Sina jede Menge Stile eingebaut: Mal wird Standard-Latein getanzt, mal als Boygroup performt, mal Musical-Jazz umgesetzt. "Am Anfang habe ich beim Training oft die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen", sagt Sina und lacht. Dann halfen Einzeltrainings weiter. "Aber inzwischen sitzen die Schritte, und ich kann auf Mimik und Gestik achten."

Die Kostüme

Pauline Klug gibt die verrückte Hutmacherin.

Pauline Klug gibt die verrückte Hutmacherin. © Andreas Roch


Elisabeth Kaiser zählt und zählt und zählt. Die Cool Cats, sechs Raupenbeine, die Karten der Herzkönigin, der weiße Hase, die Mad Hatter, Alice als Erwachsene und als Kind . . . mehr als 50 Kostüme braucht es für die Produktion. Und dafür ist die 27-Jährige zuständig. Eine Mammutaufgabe, "weil es ja ausgefallene Kostüme sind und die Darsteller sich darin wohlfühlen sollen".

Für manche Kostüme hat Elisabeth selbst die Schnitte entworfen, etwa für die herzförmigen Röcke der Zofen. Bei anderen nähten Mamas mit; auch eine Oma, die von Beruf Modistin war, übernahm einiges. Aber immerhin 13 Kostüme sind an Elisabeths heimischer Nähmaschine entstanden.

Was war das Schwerste? "Die Herzkönigin", sagt Elisabeth, "an der knobele ich immer noch." Die soll einen herzförmigen Rock haben, einen asymmetrischen Ausschnitt, aufgefächerte Ärmel. "Zehn verschiedene Sorten Stoff habe ich dafür besorgt." Auf das fertige Kostüm freut sie sich jetzt schon – denn Elisabeth spielt die Rolle selbst.

Das Bühnenbild

Sägen, hämmern, malern, schleifen – "händische Arbeit sind wir inzwischen gewöhnt", sagt Kevin Frühhaber. Der 28-Jährige steht im Hinterraum des Vereinshauses in Wachendorf. Hier entstehen alle Requisiten in Handarbeit. "Wir haben unsere Vorstellung, zwei erfahrene Väter konstruieren das – und dann basteln wir hier Samstag für Samstag", berichtet Kevin.

Ein Bett mit Truhe und Nachttisch für Alice ist schon entstanden, auch eine schmutzige, flackernde Lok für den bösen Mad Hatter. Nur die Treppe mit den ausziehbaren Stufen bereitet den Bühnenbauern noch Kopfzerbrechen. Aber bis zur Premiere Ende März wird auch sie fertig sein.

Aufgeführt wird "Alice" am 24. März um 19 Uhr, am 25. März um 14 und 20 Uhr sowie am 26. März um 15 Uhr in der Paul-Metz-Halle in Zirndorf. Karten gibt es online unter www.stsev.de oder telefonisch unter 0 91 03 / 7 19 88 00. 

ANNIKA PEISSKER

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