Sonntag, 18.11.2018

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Bälle werfen und Texte schreiben

Anlässlich der U18-Wahl sollten sich Jugendliche kreativ mit Demokratie befassen. - 08.10.2018 17:33 Uhr

Eine nette Idee zur U-18 Wahl in Erlangen: Die jugendlichen Wähler durften Dosen mit Etiketten der Parteinamen "abwerfen". © Harald Sippel


Was würdest du tun, wenn du einen Tag Ministerpräsident wärst? Anlässlich der U18-Landtagswahl konnten sich Kinder und Jugendliche mit dieser und vielen anderen Fragen am Erlanger Hugenottenplatz auseinandersetzen.

Ermöglicht wurde ihnen dies in einem offenen Workshop von Cris Ortega und Mara Letter, zwei erfahrenen Bühnenpoeten aus Erlangen. In Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring gaben sie unter anderem ihre Erfahrung an die Kinder weiter, sich geistreich zu äußern.

"Uns ging es vor allem darum, mit jungen Menschen in Kontakt zu kommen, die ihre Meinung zum Thema Demokratie dann mit eigener Kreativität bearbeiten konnten", erzählt Mara. In den zahlreichen Schreibübungen war der Fantasie der Kinder keine Grenzen gesetzt.

In einem sogenannten Akkostichon konnten sie zum Beispiel alle Buchstaben des Wortes "Demokratie" als Anfangsbuchstaben für neue Wörter und Sätze benutzen.

Oder sie erzählten in einem längeren Text, welches Volksbegehren sie gerne starten würden. Neben spaßigen Ideen wie "schulfrei für alle" gab es dabei auch einige wirklich interessante politische Vorschläge, findet Cris. So gab es den Einfall, einen Wissenstest "Politik" für Jugendliche ab 16 einzuführen, die dann – falls sie diesen Test bestehen – auch wählen dürfen.

Beeindruckt waren die beiden Workshop-Leiter vor allem von der Motivation der Kinder, die sich dem komplexen Thema mit viel Offenheit und Ausdauer näherten. "Dieser Optimismus würde auch einigen Erwachsenen guttun, die sich mit dem Thema Demokratie und Wahlen häufig auch nicht besser beschäftigen", meint Cris.

Rund um den Kinder-Workshop gab es auch interessante Gespräche mit Erwachsenen. Sie durften den Satz "Demokratie ist . . ." vervollständigen. Einer schrieb beispielsweise: " . . . eigentlich nur eingeschränkt gegeben. Wir leben in einer Lobbykratie!".

Die zum Abschluss vorgesehene Lesebühne, in der die Teilnehmer ihre Texte vortragen sollten, fand dann allerdings nicht mehr statt. Denn insgesamt hielt sich die Besucherzahl in Grenzen, was auch zeigt, dass immer noch zu wenige Jugendliche von der U18-Wahl wissen. Dennoch sehen Cris und Mara die Erfahrung positiv.

Für Interessierte jeden Alters bieten die beiden übrigens eine offene Schreibgruppe an. Die Teilnehmer nennen sich "Wortrebellen" und treffen sich immer freitags von 18 bis 20 Uhr im Café Krempl am Lorlebergplatz in Erlangen.  

Yannik Ambrusits

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