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Der Stoff, der dem Bier seine Würze gibt

Erlanger Kulturgeographie-Studenten stellen typisch fränkische Regionalprodukte vor — Hopfen - 09.06.2014 17:47 Uhr

- © NN


Bei ihrer etwa einjährigen Recherche-Arbeit für diese Seite haben die fünf jede Menge erlebt — wovon auf der Homepage natürlich wenig steht. Hier erzählen sie es euch — zusammen mit den wesentlichen Fakten, die sie herausgefunden haben. In dieser Folge geht es um Bier/Hopfen.

Als Student steht man oft vor folgender Herausforderung: Man soll ein an sich bekanntes Problem von einer ganz anderen Seite beleuchten. Am besten von einer Seite, zu der bisher nur wenig oder am besten gar nichts veröffentlicht worden ist.

So ähnlich ging es uns bei unserer Lehrforschung mit dem Produkt Bier in der Fränkischen Schweiz. Zu diesem Thema gibt es bereits sehr viele Bücher, fast so viele wie Brauereien und Biersorten. Sich nur eine davon herauszupicken, erschien uns viel zu selektiv. Also, worüber sollten wir schreiben? Welchen Aspekt, der noch nicht so stark bekannt ist, wollten wir beleuchten?

Das Brauen selbst ist schon eine Wissenschaft für sich. Kein fränkisches Bier schmeckt wie das andere. Entscheidend sind die Rohstoffe, aus denen es gebraut wird. Nach längerer Recherche entschieden wir uns, einen dieser unverzichtbaren Rohstoffe unter die Lupe zu nehmen: den Hopfen – den Stoff, der dem Bier seine Würze gibt.

Und der wird nicht nur – wie allgemein bekannt – in der Holledau, sondern auch vor unserer Haustür, auf den Hochebenen der Fränkischen Schweiz, angebaut. Mit Franz Friedrich in Lilling bei Gräfenberg fanden wir einen besonders authentischen Hopfenbauern und Franken. Zusammen mit seiner Familie bewirtschaftet er eine der größten Anbauflächen von Bio-Hopfen in Europa.

Auf etwa 28 Hektar baut Friedrich zwölf verschiedene Hopfensorten an. Neben den traditionellen Sorten wie dem Hallertauer, dem Hersbrucker oder dem Tettnanger Hopfen hat er auch moderne Sorten mit Fruchtaromen wie Mandarina Bavaria – einen nach Mandarine schmeckenden Hopfen – im Angebot.

Die Brauereien profitieren durch dieses breite Angebot, da sie mit den neuen Hopfensorten auch neue Biere herstellen können. Franz Friedrich spricht von einem Trend in Richtung Premium-Biere, Biere mit stärkerer Stammwürze und Biere mit Fruchtaromen. Viele Spezialbiere, die zum Beispiel in alten Sherryfässern heranreifen, brauchen einen besonders hohen Hopfengehalt, damit sie den Geschmack der Holzfässer gut aufnehmen können.

Was uns besonders erstaunt hat: Der fränkische Bauer Franz Friedrich ist ein „global player“. Sein Motto lautet: Global denken, regional handeln. Denn einerseits ist Friedrichs Bio-Hopfen international gefragt. So hat er beispielsweise auch treue Kunden in den USA.

Andererseits ist es ihm ein Anliegen, die regionalen Wirtschaftskreisläufe zu fördern. Als ihm ein überregionaler Hopfenhändler das Angebot machte, ihm eine Abnahmegarantie für seine komplette Hopfenproduktion zu geben, lehnte Friedrich ab. Denn dann hätte er seine Kunden in der Nachbarschaft nicht mehr beliefern können.

Der direkte Kontakt zu seinen Kunden ist Friedrich besonders wichtig. So kann er direkt auf die Wünsche der Brauer eingehen und den Hopfen früher oder später ernten – was wiederum die Intensität dessen Geschmacks beeinflusst. Unser Fazit: Gerade beim Thema Bier hat es sich gelohnt, die Dinge aus einer ganz anderen Perspektive als gewohnt zu betrachten. Umso überraschter waren wir von einem „echdn fränggischen“ Bauern, der global denkt und wirtschaftet. 

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