Samstag, 17.11.2018

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Diese "Fantastic Four" kommen aus Franken

Webserie ist nur auf YouTube zu sehen - 05.11.2018 10:05 Uhr

Willkommen in der Welt der Superhelden: Der Roßtaler Regisseur Davide Grisolia (rechts) hat einen „Fantastic Four“-Fanfilm realisiert. The Thing (links) spielt mit, Lara und der T-800 freuen sich im Hintergrund. © Foto: Davide Grisolia Films/PR


Waldspaziergang mit Folgen, um an dieser Stelle kurz einen Lied-titel der Ärzte auszuborgen: Als Davide Grisolia seine damalige Freundin auf einem Forschungsausflug in den geschichtsträchtigen Forêt de Compiègne nördlich von Paris (fürs Protokoll: Hier wurde 1918 und 1940 Waffenstillstandsunterzeichnungen zwischen Frankreich und Deutschland getätigt) begleitete, durchschoss ihn eine Idee.

"Wir sind durch diesen Wald gelaufen, und ich habe mich gefühlt wie in dem Computerspiel ,Fantastic Four‘, das ich seinerzeit auf der Playstation 2 gespielt habe", schwärmt der 25-Jährige im Rückblick. "Ich kam mir vor wie Ben Grimm, der sich mit der Machete einen Weg durch den Dschungel bahnt — und wollte meinen eigenen ,Fantastic Four‘-Film drehen!"

Das war 2014. Doch die nächsten drei Jahre kam dem jungen Filmemacher aus dem fränkischen Roßtal ständig etwas dazwischen. Projekte, bei denen man nicht "Nein" sagen konnte, wie die Chance, Regie bei "Macho Man 2" zu führen, der Fortsetzung jener legendären, kultisch verehrten Actionfilm-Trashgranate, die 1985 in Nürnberg gedreht wurde.

Am Tag nach der umjubelten Kinopremiere von "Macho Man 2" jedoch setzte sich Davide hin und begann, das Drehbuch für "Fantastic Four: Remutations" zu schreiben, das in der Folgezeit bestimmt 30 Mal umgeworfen wurde.

Aus 40 Minuten wurden 90

Aus den geplanten 40 Minuten Film wurden über 90, aus einem fortlaufenden Film vier Episoden. Gedreht wurde von November 2017 bis April 2018 – mal in Eltersdorf und mal in Mailand, mit einer handelsüblichen Standard-Spiegelreflex-Kamera.

"Remutations" erzählt die Geschichte einer Freundschaft, aber auch von Verantwortung. "Eigentlich ist es ein Film über Ben Grimm, der lernt, was es bedeutet, von einem Monat auf den anderen komplett anders zu sein", erzählt Grisolia.

Der tragischen Figur mit dem versteinerten Körper, die als "The Thing" (Das Ding) bei den "Fantastic Four" kämpft, steht Reed Richards alias Mr. Fantastic gegenüber — seinem besten Freund, aber eben auch der Anführer der Gruppe.

Einerseits will er Grimm helfen, seine Mutation rückgängig zu machen, andererseits braucht er ihn und seine Kräfte im Team der vier Superhelden — ein klassisches Dilemma.

Natürlich kann jetzt nicht jeder herkommen und seinen eigenen "Fantastic Four"-Film drehen. Die Rechte an Namen und Figuren liegen beim mächtigen Marvel-Comics-Konzern, der Fanfilme duldet – so lange kein Geld damit verdient wird. Deshalb wird "Fantastic Four: Remutations" auch nur auf YouTube zu sehen sein.

Unterstützung bei der Realisation bekam Davide von Freunden, aber auch aus seinem Netzwerk, das er sich über die Jahre aufgebaut hat. Die wenigsten Schauspieler und Helfer waren groß mit der Geschichte der "Fantastic Four" vertraut, was ihrem Engagement jedoch keinen Abbruch tat.

Auch die kritischen Stimmen vieler Marvel-Fans verstummten, als sie die ersten Schnipsel und Trailer im Internet sahen. "Alle waren umsonst dabei, haben es für die Sache gemacht. Von Fans für Fans, so wie es sein soll!" 3470 Euro hat der ganze Spaß alles in allem gekostet – die Pizzen, die zwischendurch mal ans Set geholt wurden, nicht mit eingerechnet.

"Ich weiß, was die Serie kann und was nicht", sagt Davide. "Wir reden hier immerhin von einer No-Budget-Produktion, einem Taschengeld-Film. Und dafür bin ich mit dem Ergebnis echt hochzufrieden."

Davide Grisolia ist zudem davon überzeugt, dass man als Filmemacher alles geben kann – und dass es trotzdem bei jedem Projekt immer einen Moment gibt, bei dem der Film selbst ein Stück weit das Ruder übernimmt — "ein wenig so wie bei einem Baby, das irgendwann mitdenkt und das man auch nicht beherrschen kann".

Da Davide ein ziemlicher Film-Nerd ist, steckt "Fantastic Four: Remutations" voller Easter eggs, von "Star Wars" über die "Terminator"-Saga hin zu "Dragon Ball". Wer genau hinguckt, wird in einer Folge außerdem die alten "Fantastic Four"-Actionfiguren entdecken, die Davide einst in Kindheitstagen von seinem Vater geschenkt bekommen hat – und mit denen der Grundstock für diese schicke kleine Fanfilm-Serie im Internet gelegt wurde.

www.remutations.de 

STEFAN GNAD

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