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Gemütlich, aber teuer: Studium in Kopenhagen

Studentin aus der Region schildert ihre Eindrücke von einem Erasmus-Aufenthalt in der dänischen Hauptstadt - 02.10.2017 17:49 Uhr

Die zentrale Sehenswürdigkeit in der dänischen Hauptstadt: Nyhaven (neuer Hafen) © Linda Ringel


Im Sommer hatte ich das erste Jahr meines Doppel-Masterstudiums "Global Studies" abgeschlossen, und nach zwei Wochen Semesterferien stand schon der nächste Umzug an: Hoch in den Norden sollte es diesmal gehen!

Ich studiere jetzt an der Universität in Roskilde in Dänemark. Und ich hatte mich dazu entschieden, lieber in die dänische Hauptstadt Kopenhagen zu ziehen und für meine Kurse etwa 30 Minuten an die Uni zu pendeln. In Kopenhagen habe ich einige Dinge schnell gelernt:

Unterwegs auf zwei Rädern

Ein Fahrrad ist unverzichtbar! Die öffentlichen Transportmittel sind nämlich ziemlich teuer in der dänischen Hauptstadt. Und sie brauchen wegen des stets regen Verkehrs recht lange von A nach B.

Gerüchteweise gibt es in Kopenhagen mehr Fahrräder als die 1,3 Millionen Einwohner im Ballungsraum. Das glaube ich nur zu gerne, seitdem ich am ersten Tag aus dem Fernbus stieg und sofort einer Meute klingelnder Radfahrer aus dem Weg springen durfte.

Fahrradfahren scheint hier eine Herzenssache zu sein, denn auch bei strömendem Regen schlittern die Radler durch die Pfützen. Nichts kann sie aufhalten, die Regenponchos flattern im Wind hinter ihnen her.

Nach mittlerweile sechs Wochen habe ich mich nun an die Menge der Radfahrer und die Dänemark-spezifischen Handzeichen im Verkehr gewöhnt: Beim Stoppen sollte man unbedingt die Hand heben, sonst gibt es schnell Auffahrunfälle. Ein Pluspunkt dagegen: Mit dem Rad bin ich innerhalb von zehn Minuten am Meer!

Ich wär so gerne Millionär

Als ich Freunden von meinem Vorhaben erzählte, in unser nördliches Nachbarland zu ziehen, bekam ich von etwa neun von zehn Leuten den Hinweis, wie teuer das Leben dort ist. Ich rollte meist mit den Augen und dachte mir insgeheim: So teuer kann es nicht sein, die Dänen leben ja auch dort und sind nicht ständig pleite!

Jetzt weiß ich: Meine Freunde hatten recht! Wohnungen in Kopenhagen sind offenbar sehr gefragt, Zimmer in Studenten-WGs gibt es ab etwa 540 Euro aufwärts – und das sind dann nicht selten sehr kleine Räume von etwa acht bis zehn Quadratmetern.

Leider sind auch Studentenwohnheime nicht wesentlich günstiger. Zudem muss man bei der Wohnungssuche erst mal das Glück haben, eine Antwort auf die Bewerbung zu bekommen, denn man ist logischerweise nicht der Einzige, der Interesse hat.

Doch sei es über Kontakte, ausdauernde Suche oder pures Glück – am Ende findet doch jeder eine Bleibe. Und über Erasmus-Gelder oder einen Studentenjob – der in Dänemark dann glücklicherweise auch gut honoriert ist – kann man die Miete auch finanzieren.

Leider sind die Mieten nicht das Einzige, wofür man bei einem Erasmus-Aufenthalt in Dänemark tief in die Taschen greift: Ein Kaffee kostet leicht fünf Euro, beim Essen gehen sind 20 Euro sehr schnell für ein nicht allzu großes Mahl ausgegeben.

Abends etwas mit Freunden etwas tinken gehen – das macht lieber nicht so oft. Denn unter vier bis fünf Euro gibt es nur Leitungswasser.

Allerdings gibt es auch hier eine Lösung: Volunteering! Als Student freiwillig in einem Café oder einer Bar zu arbeiten, ist in Kopenhagen recht üblich. Dafür wird man meistens mit kostenlosen Drinks oder Gutscheinen belohnt.

Schwere (Aus-)Sprache

Wenn man sich in Dänemark offiziell anmeldet, hat man Anspruch auf einen kostenlosen Kurs in der Landessprache. Auch ich habe diese Möglichkeit genutzt, denn ich finde es einfach schön, mich mit Leuten auf der Straße oder in einem Geschäft zumindest bis zu einem gewissen Grad in der Landessprache unterhalten zu können.

Doch leider ist es nicht so einfach, diese Sprache wirklich zu beherrschen: Die Wörter scheinen oft dem Deutschen ähnlich, und wenn ich eine neue Vokabel lese, kann ich mir sehr oft herleiten, was sie bedeutet.

Allerdings funktioniert das nicht so leicht mit der Aussprache. Das weiche "d", die abgehakte Betonung und eine eigene Sprachmelodie machen das Sprechen nicht einfach. Da hilft wohl nur eines: Übung macht den Meister!

Dänisch = gemütlich

Neben dem Hinweis auf die hohen Preise war eine Anmerkung zum Wetter wohl die zweithäufigste Reaktion meiner Freunde auf meinen Plan, nach Dänemark zu gegen. Und auch hier gestehe ich ein: Die Zweifler hatten recht.

In Dänemark regnet es wirklich sehr viel, die Wolken scheinen an den meisten Tagen grau und schwer tief am Himmel zu hängen. Gummistiefel und eine Regenhose sind eine sinnvolle Anschaffung, wenn es einen in den Norden zieht.

Aber trotzdem sollte man sich von dem Wetter nicht die Laune verderben lassen – und sich stattdessen die Dänen zum Vorbild nehmen. Ist es draußen grau und nass, lebt innen die dänische Gemütlichkeit mit Kerzen, gutem Essen und Getränken, Lachen, Freunden und einer sorgenfreien Atmosphäre, in der man das Leben nicht allzu ernst nehmen sollte.

Die Dänen nennen dieses Konzept "Hygge". Und davon werde ich während meines Aufenthaltes in Kopenhagen hoffentlich noch einiges mitbekommen! 

LINDA RINGEL

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