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Kulturschock Erlangen oder: Ein Dorfkind an der Universität

oder: Wie ich aus Norddeutschland zum Studieren nach Franken kam, Teil 2 - 16.03.2017 17:10 Uhr

(Platzhalter))IAlso verlegte ich mich irgendwann auf die Antwort: "Keine Ahnung, aber ich bleibe auf jeden Fall hier im Norden, maximal gehe ich bis nach Niedersachsen." Tja, Pustekuchen.

Am letzten Abend vor dem Bewerbungsschluss stieß ich auf einen vielversprechend klingenden Studiengang: Theater- und Medienwissenschaft. Ich bewarb mich spontan.

Einziger Nachteil: Erlangen. 700 Kilometer weit weg von zu Hause, keine Küste weit und breit, und dann auch noch ausgerechnet in Bayern. Trotzdem entschied ich mich dafür – so ein Tapetenwechsel kann ja schließlich auch mal ganz guttun.

Eines der ersten Dinge, die ich hier gelernt habe, war dann auch, dass die schöne fahrradfreundliche Studentenstadt Erlangen in Franken liegt – und nicht in Bayern! Auch wenn mir als Nordlicht (für uns ist ohnehin alles südlich der Elbe Bayern) der Unterschied nicht ganz klar war, habe ich fortan allen brav erzählt, ich würde jetzt in Franken studieren.

Mein erster Tag an der Uni ließ einige Bedenken zurück: Die meisten Leute, mit denen ich gesprochen hatte, kamen zumindest aus der näheren Umgebung von Erlangen, manche wohnten sogar noch zu Hause. Ich wurde ziemlich kritisch gemustert als "die Komische, die nicht mal weiß, wie viel Uhr dreiviertel fünf ist".

Bei uns heißt das nämlich ganz einfach "Viertel vor fünf". Dennoch lernte ich schnell neue Freunde kennen, zwei kommen sogar ebenfalls aus dem Norden. Inzwischen haben sich die Bedenken aufgelöst – die Komische aus dem Norden zu sein, ist gar nicht so schlimm.

Schwerer ist die Umstellung von der Schule zur Uni. Das Semester läuft ganz entspannt, man hat sogar Zeit, um nebenbei Praktika zu absolvieren. Den meisten Dozenten ist es vollkommen egal, ob man pünktlich ist oder nicht, warum man nicht da ist, oder ob man die ganze Zeit am Handy hängt.

In den meisten Seminaren habe ich Anwesenheitspflicht, bei einer Vorlesung jedoch nicht: Von den etwa 200 Studenten meines Studienganges sind meist nur ungefähr 50 da. Die Folien werden ohnehin online bereitgestellt, wie eigentlich das meiste an der Uni online organisiert wird: Stundenplanerstellung, Anmeldung für die Kurse, Prüfungsanmeldung, Prüfungsergebnisse und so weiter.

Da ich in Nürnberg wohne, pendle ich also zur Uni. Ich muss allerdings nicht jeden Tag hin, weil ich mir meinen Stundenplan selbst zusammenstellen kann. Außerdem wohnt eine meiner Freundinnen ebenfalls in Nürnberg, also fahren wir wenn möglich zusammen.

Eigentlich ist das Pendeln nicht schlimm – 20 Minuten Zug fahren ist ja nicht lange. Aber manchmal habe morgens schon um 8 Uhr Uni. Der Zug abends um 20 Uhr hat nicht selten Verspätung – oder fällt ganz aus. Dann frage ich mich, ob es das wert ist. Sobald ich dann aber wieder in Nürnberg bin, bin ich doch froh, dort zu wohnen – und das Zugfahren ist nur noch halb so schlimm.

Im Gegensatz zum Rest des Semesters ist die Prüfungsphase extrem anstrengend. Anfangs habe ich den Lernaufwand unterschätzt. Ich dachte, schlimmer als die Abi-Klausuren könne das ja nicht sein. Inzwischen weiß ich, dass es sehr wohl einen Unterschied macht ob man ein Thema für eine sechsstündige Klausur, oder 30 Themen für eine einstündige Klausur lernt.

Außer vier Klausuren hatte ich im 1. Semester auch zwei Hausarbeiten zu schreiben. Kurz vor Abgabeschluss brach unter meinen Kommilitonen die Panik aus. Das beliebte "Ach, das mache ich später, ich habe ja noch Zeit" führte bei vielen dazu, dass sie innerhalb von einem Tag die komplette zehnseitige Arbeit aus dem Boden stampften.

Vorgaben wie eine Mindestanzahl von zitierten Sekundärquellen vereinfachen die Arbeit auch nicht gerade. Für mich war es am schwierigsten einzuschätzen, ob ich auch alles richtig gemacht habe, ob das stilistisch okay ist oder zu umgangssprachlich oder ob auch alle Quellen richtig angegeben sind. Die erste Hausarbeit kann nervenaufreibend sein. Aber man ist dann auch stolz, wenn man sie endlich abgeben kann. Dann heißt es nur noch: Warten auf das Ergebnis.

Schneller als erwartet ging das 1. Semester vorüber: Ich kann kaum glauben, dass ich schon fast Zweitsemester-Studentin bin. Jetzt habe ich die ersten Semesterferien, ein längerer Besuch zu Hause bei meinen Eltern steht an, und ich genieße die freie Zeit. Denn bald heißt es wieder: Stundenplan zusammenstellen, Kursanmeldung und Semesterstart. 

HELKE RÜDER

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