Donnerstag, 15.11.2018

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LiteratuReise: Bei Batman, Lurchi und Totoro

Ein Besuch auf dem Comic Salon in Erlangen - 08.10.2018 16:43 Uhr

Szene vom Comic-Salon in Erlangen: Cosplayer konnten Portraits von sich anfertigen lassen. © Cosima Endres


Ich stehe zwischen Superman und einem Mangamädchen mit pinken Zöpfen und lila Kleid in der Schlange zu Halle A. Schon draußen hat es knallheiße 27 Grad und ich frage mich, wie warm es wohl in den mit weißen Plastikplanen bedeckten Hallen sein wird. Es gibt einen Ruck und ich bin die Erste vor dem Eingang. Ein junger Typ mit Batman-Tattoos an den Waden und kurzen Hosen stempelt mir nach Vorzeigen meiner Karte ein kleines, leuchtend grünes Dreieck auf den Arm. Meine Eintrittskarte zum diesjährigen internationalen Comic Salon in Erlangen. Zum 18. Mal findet dieser hier nun schon statt. Es ist Samstag, also der dritte von insgesamt vier Messetagen.

Schnell wird mir meine Frage nach der Hitze hier drinnen beantwortet: Überwältigend heiß. Hunderte von Menschen schieben sich dicht gedrängt von Stand zu Stand und versuchen, einen Blick auf die Tische zu erhaschen. Es ist stickig und voll, aber riecht wider aller Erwartungen sehr gut, nach frisch gedruckten Seiten und Popcorn. Ich versuche mich zu orientieren, lasse den Versuch aber recht schnell wieder bleiben und setze mich mit dem Strom nach rechts in Bewegung. Na dann mal los.

Der erste Stand, an dem ich es schaffe, mich nach vorne durchzuschlängeln, ist überwältigend. Das Wort Reizüberflutung wäre hier komplett untertrieben. Über vier Tische hinweg erstreckt sich eine kunterbunte Mischung aus leuchtenden Comics, bunt bedruckten Tassen, neonfarbenen Kostümen, miniaturgroßen Actionfiguren, handgefertigtem Schmuck und noch vielen Besonderheiten mehr. Grandios. So enorm und imposant dieser Anblick auf der einen Seite auch ist, so wunderbar und faszinierend ist er zugleich auf der anderen. Welch fantastisches, sorgfältiges Chaos.

Ich reiße mich von dem bunten Augenschmaus los und gehe zielstrebig zu den Comics. „Tim und Struppi“, „Detective Conan“, „Die Schlümpfe“, „Asterix und Obelix“, „Sailermoon“, „One Piece“. Aber auch andere, weniger bekannte Exemplare wie „Lurchi“, „Gute Nacht, Pun Pun“, oder „Demon Guardian“ teilen sich dicht gedrängt die beiden Tische. Und das ist nur ein Bruchteil der vielen europäischen und internationalen Comics, Graphic Novels und Bildbände, die es hier gibt. 

Nachdem ich mich von dem ersten überwältigenden Stand losgerissen habe, winde ich mich durch die Halle und versuche, zumindest an jedem zweiten Stand Halt zu machen, denn jeden schafft man an einem Tag fast nicht. Ich bin in dem ersten von insgesamt 24 Veranstaltungsorten, wie mir ein immens großer Lageplan an einer Wand verrät. In der kompletten Erlanger Innenstadt kann ich im Theater, dem Kulturzentrum, Museen, Konzerthallen, oder sogar im botanischen Garten in die Welt der Comics eintauchen. Es gibt Vorträge, Ausstellungen, Signierstunden, Zeichenkurse und vieles mehr. Ich entscheide mich für das Kulturzentrum, in dem von den insgesamt vier Tagen nur heute eine Comic-Börse stattfindet.

Beim Verlassen der Halle bleibe ich an der Axt eines mittelalterlichen Kämpfers hängen, entschuldige mich, bekomme eine Verbeugung und mache mich auf den Weg zu meinem nächsten Ziel. Beim E-Werk angekommen, erwartet mich eine noch größere Halle, dafür aber weniger Leute. Von einem schnauzbärtigen, großgewachsenen Mann werde ich freundlich begrüßt, er fackelt nicht lange und bietet mir eine seiner Originalzeichnungen an.

Eine Nahaufnahme von Spiderman aus dem Jahre 1979, mit schwarzem Fineliner handgezeichnet, für 250 Euro. „Hui... stolzer Preis“, denke ich, doch er versichert mir, dass dies ein totaler Schnapper sei. Nach Inspektion ein paar anderer Stände muss ich zugeben: Das Angebot vom Anfang war tatsächlich ein Schnäppchen. Ich stolpere über mehrere hochpreisige Exemplare, doch eine Zeichnung aus „Cyber Force“ für 830 Euro ist die Krönung. Alles nicht in meinem Budget. Ich verlasse das Kulturzentrum, um ein kurzes Päuschen im Schlossgarten einzulegen. Die Sonne ist herrlich, der große Brunnen plätschert, und um mich herum flimmert ein angenehmer Geräuschteppich aus sich unterhaltenden Menschen.

Überall im Schlossgarten verteilt stehen große, bedruckte Vierecke aus Holz, auf denen Minnie Mouse, Donald Duck, oder Goofy mit Sprechblasen zu sehen sind. Auch hier ist der Comic Salon also vertreten. Ich setze mich an den Rand eines Rosenbeetes, gönne mir ein frisch belegtes Käsebrot und eine eiskalte Cola vom Kiosk, und genieße das bunte Treiben um mich herum. Verrückt, was hier für Leute zusammenkommen. Erlanger, die einfach nur einen kurzen Spaziergang mit ihrem Hund machen wollen, die einen besser, die anderen schlechter über die Einnahme ihrer Kleinstadt gelaunt. Verkleidete Comic-Liebhaber, Nerds und andere bunte Vögel.

Mittlerweile ist es 17:06 Uhr, ich entschließe mich auf dem Rückweg zur Haupthalle A noch einen kurzen Abstecher ins Theater zu machen, um mir dort eine Ausstellung von internationalen Comiczeichner-Größen anzusehen. Überwältigend gut. Faszinierendes künstlerisches Handwerk mit witzigen, aber auch kritischen Texten.

Auf meinem Rückweg fühle ich mich beschwingt durch die tolle Atmosphäre und die vielen kreativen literarischen Eindrücke und beschließe schon jetzt, auch nächstes Jahr wiederzukommen. Nach diesem anstrengenden, aber wundervollen Tag, bin ich sehr glücklich, als ich Halle A betrete, in der meine Reise angefangen hat. Ich bin sehr froh darüber, dass eineinhalb Stunden vor Ende des Comic Salons nur noch ein Bruchteil der Menschen vom Anfang übrig geblieben sind. Ich schlendere durch die sich leerenden Gänge und kaufe mir den 5. Band meiner momentanen Lieblingsmanga-Serie „Yurokumo“ , biege um die Ecke und was ich da sehe freut mich so sehr, dass mir ganz warm im Bauch wird.

Totoro, der Hauptcharakter aus Hayao Miyazakis „Mein Nachbar Totoro“ hockt als plüschiges, graues Sitzsack-Monstrum direkt vor mir. Das katzenähnliche Tier mit den kleinen, lieben Kulleraugen und der Stubsnase guckt mich verdutzt an. Perfekt. Ich gehe zu ihm, kuschel mich in sein weiches, flauschiges Fell und beginne zu lesen. 

Cosima Endres

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