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Semesterticket ist "längst überfällig"

Studentenwerk und Studierendenvertretungen fordern eine preisgünstige Lösung - 24.01.2014 12:21 Uhr

Der 30er Bus pendelt zwischen Erlangen und Nürnberg - für teures Geld. © Bernd Böhner


„Die gegenwärtige Situation ist völlig unbefriedigend, ein attraktives Semesterticket für Nürnberg/Fürth/Erlangen wäre längst überfällig“, sagt Otto de Ponte, Geschäftsführer des Studentenwerks Erlangen-Nürnberg. Weil es in Bayern keine Verfasste Studierendenschaft gibt, ist laut Hochschulgesetz das Studentenwerk der Verhandlungs- und eventuell Vertragspartner des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg (VGN) in dieser Angelegenheit.

Argumente für ein preisgünstiges Semesterticket gibt es einige: „Viele Hochschuleinrichtungen sind zunehmend über die Städte Erlangen, Nürnberg und Fürth verteilt. Den Studierenden wird immer mehr innerörtliche und regionale Mobilität abverlangt. Und die schwierige Wohnungssituation, besonders in Erlangen, zwingt immer mehr Studenten zum Pendeln ins Umland“, nennt de Ponte ein paar Beispiele.

Initiativen zur Einführung eines Semester-Tickets gibt seit mehr als 20 Jahren. Gescheitert sind sie bisher alle. Woran? „Am Preis“, erklärt de Ponte: Der VGN-Vorschlag von 130 Euro pro Semester zum Beispiel erschien dem Studentenwerk als unannehmbar – vor allem wegen des hohen Klagerisikos.

An vielen Hochschulstandortem, wie zum Beispiel in Düsselforf, gibt es schon ein Semesterticket. © dpa


Denn dieses Geld müssten alle eingeschriebenen Studenten als sogenannten Solidarbeitrag zahlen – ganz egal, ob sie das Ticket brauchen und nutzen oder nicht. Und die Befürchtung ist ebenso groß wie berechtigt, dass es viele Klagen dagegen geben dürfte – von Leuten, die zufällig direkt neben dem Hörsaal wohnen und/oder mit dem Auto heim zur Mama fahren.

Maximal 65 Euro hält de Ponte für „klageresistent“. Wie er gerade auf diesen Betrag kommt, begründet er so: „Bei der Einführung des Semestertickets in Duisburg hat ein Student gegen die Erhebung der Gebühren geklagt. Der Streit wurde schließlich vom Bundesverwaltungsgericht (Az.: 6 C 14/98) entschieden. Demnach kann einem Studenten ein Beitrag von 1,6 Prozent des Bafög-Höchstsatzes selbst dann zugemutet werden, wenn er tatsächlich das Semesterticket gar nicht nutzt.“ Derzeit liegt der Bafög-Höchstsatz bei 670 Euro pro Monat. 1,6 Prozent davon sind 10,72 Euro pro Monat, mithin 64,32 Euro pro Semester.

Doch bei diesem Betrag winkt der VGN (bisher) rigoros ab: nicht finanzierbar! Der gegenwärtige Stand: 260 Euro kostet derzeit ein Semesterticket des VGN – und damit gilt es als das teuerste in ganz Deutschland. Und es hat einen ganz entscheidenden Haken: Es ist nur während der Vorlesungszeiten gültig. „Aber viele Studierende müssen gerade in der vorlesungsfreien Zeit Bibliotheken nutzen, Praktika absolvieren und Prüfungen schreiben. Für die ist das Ticket absolut unattraktiv“, sagt Till Müller vom studentischen Aktionsbündnis Semesterticket, das eng mit dem Studentenwerk zusammenarbeitet.

Die Folge: Viele Studierende, die auf die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) angewiesen sind, verzichten auf die Semesterwertmarken und kaufen sich stattdessen lieber Einzelfahrscheine oder Monatskarten. Und wer irgendwie kann, pfeift ganz auf den ÖPNV.

Ticket auf Solidaritätsbasis

Gerade in den vorlesungsfreien Zeiten steigt die Zahl der Pkw-Nutzer unter den Studenten um 13 Prozent. Das hat eine kürzlich vorgestellte Studie des Erlanger Instituts für Geographie ergeben. Ein Blick nach München zeigt: Es gibt Lösungen. In der Landshauptstadt zahlen alle Studierenden einen Beitrag von 59 Euro pro Semester. Dieses Ticket gilt jedoch nur zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens und am Wochenende. Für einen Aufpreis von 141 Euro können die Studierenden das Ticket zu einem Vollzeit-Fahrschein aufwerten. „Auf diese Weise wurde ein Ticket auf Solidaritätsbasis geschaffen, ohne die Nicht-ÖPNV-Fahrer übermäßig zur Kasse zu bitten“, meint de Ponte.

Stufenmodell heißt so etwas im Fachjargon, und genau dieses fordern die Studierendenvertretungen der betroffenen Hochschulen auch für die hiesige Region: „Wir wollen ein kostengünstiges Semesterticket, das sechs Monate gültig ist und an allen Hochschulstandorten gilt“, sagt Müller.

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, planen die Studierenden am 29. Januar einen Flashmob vor der Geschäftsstelle des VGN. Und wie geht’s danach weiter? „Jetzt ist der VGN am Zug“, meint de Ponte. „Im April soll die Auswertung der Fahrgastbefragung von vor zwei Jahren beendet sein, anschließend, so wurde es kürzlich bei einer Besprechung mit dem Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly vereinbart, wird der VGN Vorschläge und konkrete Zahlen für ein Semesterticket nach einem Stufenmodell vorlegen. Das wird aber wohl nicht vor Juli passieren.“
  

LOTHAR HOJA

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