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Simon segelt durch die Lüfte

17-Jähriger aus Pommer ist unter den besten 20 Junior-Segelfliegern Bayerns - 11.10.2017 10:00 Uhr

An den Wochenenden und in den Ferien trifft man Simon Sendler eher selten auf der Straße. Dann ist der 17-Jährige hoch über uns in seinem Segelflugzeug unterwegs und genießt die Landschaft von oben. © Selfies: Simon Sendler


Ein kleiner Asphaltweg führt zwischen den Feldern in Richtung Flugplatz bei Hetzles in der Fränkischen Schweiz. Noch ist nichts von dem Segelflugplatz des Flugsportvereins Erlangen-Nürnberg zu sehen, doch nach und nach tauchen eine riesige Blechdachhalle und ein geteerter Platz auf.

Auf einem Hügel steht eine Holzhütte, vor der Tische und Bänke aufgestellt sind. Dort treffe ich den 17-jährigen Simon Sendler, junger Segelflieger und angehender Nachwuchspilot. Im September vor vier Jahren hat Simon sich das erste Mal mit Segelfliegern beschäftigt. Er war beim Flugplatzfest und durfte damals eine Runde mitfliegen. "Ich war so fasziniert davon, dass ich sofort anfangen wollte", erzählt er.

Allerdings war das leichter gesagt als getan. "Ich musste erst mal bis März des nächsten Jahres warten." Denn der Flugsportverein hat von November bis März Winterpause. Wer Segelflieger werden will, muss aber noch vieles mehr beachten: Man kann erst mit 14 Jahren mit dem Segelflugschein beginnen. Dann geht es aber auch noch nicht direkt in das Flugzeug.

Beim Fliegen kann er gut abschalten und Probleme vergessen. Bis Simon allerdings zum ersten Mal alleine in die Luft durfte, hatte er viel Zeit und Geduld aufzubringen. Zwei Jahre dauerte es, den Segelflugschein zu machen. Fotocredit © Selfies: Simon Sendler


"Zuerst habe ich eine Schulung gemacht. Und genau wie beim Autofahren hat man einen ‚Fahrlehrer‘", erzählt Simon. Mit seinem Fluglehrer übte er erst das Starten und Landen. "Erst wenn man das wirklich kann, kommt man zur aufregendsten Phase des Segelscheins: alleine fliegen", schwärmt der Schüler.

Doch bevor Simon ganz alleine fliegen durfte, hatte er Testrunden mit einem Flugbetreuer zu absolvieren. Danach testete Simon in einem Einsitzer sein Können und durfte schon kleine Strecken fliegen. Erst als er alle Phasen der Schulung erfolgreich abgeschlossen hatte, konnte er in der Scheinprüfung beweisen, dass er ein Segelflieger ist.

Das Ganze kostete Simon viel Zeit und Geduld: Zwei Jahre dauerte es, bis er den Schein hatte. "Außerdem muss jeder im Verein bestimmte Arbeitsstunden leisten. Man muss sich das Ganze also wirklich verdienen", sagt er.

Und nun? Wann schwebt Simon durch die Luft? "Meistens kommt es drauf an, ob ich Zeit und Lust habe", sagt er lachend. Unter der Woche ist es schwierig, denn der 17-Jährige geht auf ein Gymnasium in Forchheim. Aber an den Wochenenden und vor allem in den Ferien konzentriert er sich voll und ganz aufs Segelfliegen.

"Ein typischer Trainingsablauf fängt damit an, sich morgens das Wetter anzuschauen", erklärt er. Das ist wichtig, um die Flugroute planen zu können. Diese ist je nach Wetterlage unterschiedlich. Ziel ist es vor allem, wieder auf den Flugplatz bei Hetzles zurückzukommen.

"Das Wetter kann dein Freund, aber manchmal auch dein Feind sein", sagt Simon. Es kann schon mal passieren, dass sich die Bedingungen während des Fluges schlagartig verändern. Dann muss man vielleicht mal eine routinemäßige Außenlandung machen.

Nur wenn am Segelflieger etwas technisch kaputt ist, ist eine Notfalllandung notwendig. Ansonsten sollte man wirklich die Flugroute einhalten, um am Ende wieder sicher auf dem Boden zu landen. "Meine weiteste Strecke waren bisher 500 Kilometer", erzählt Simon stolz. Am meisten Spaß machen ihm Streckenflüge.

Es gibt aber auch andere Disziplinen im Segelflug: Loopings oder auch Kunstflüge. Für die braucht man aber einen extra Schein. Um sich weiterzuentwickeln, hat Simon die Möglichkeit, auch Wettbewerbe zu fliegen. Um dahin zu kommen, braucht es aber eine Weile. "Zunächst bietet unser Dachverband Lehrgänge zum Streckenflug an", sagt er.

Diese sollte man unbedingt machen, um bei einem Wettbewerb dabei sein zu können. Denn dann hat man die Chance, in den D-Kader Bayern zu kommen. In diesem Kader sind die 20 besten Junior-Flieger vertreten. Es gibt eine bestimmte Rangliste, auf der man – je nach Punktanzahl fürs Fliegen – aufgestellt ist.

Simon ist seit diesem Jahr im Kader. "Wir treffen uns dreimal im Jahr. Es gibt eine Theorieeinheit, eine Trainingswoche und einen Jahresabschluss", erzählt er. Für den D-Kader muss man sich jedes Jahr wieder neu qualifizieren, um weitermachen zu können.

Bei der Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft der Junioren hat der Gymnasiast den 4. Platz erreicht und sich somit für die Deutsche Meisterschaft der Junioren qualifiziert. Sie findet nächstes Jahr statt.

Ob sein Hobby auch Schattenseiten hat? "Definitiv", seufzt er. "Das Segelfliegen ist ziemlich zeitaufwendig. Ich bin mehr am Flugplatz als daheim. Denn je mehr ich übe, desto besser werde ich." Das ist auf Dauer ganz schön anstrengend, und man vergisst schon mal die Schule. "Das Fliegen ist mehr als ein Hobby, es ist meine Leidenschaft. Wenn ich woanders bin, geht mein Blick automatisch nach oben", sagt er.

Das wirkt sich auch auf seinen Freundeskreis aus, denn für Freunde bleibt neben dem Segelfliegen kaum noch Zeit. "Ich habe öfters auch mal Angst, etwas zu verpassen", gibt Simon zu. Es kommt oft vor, dass er sich zwischen Familienfeiern oder dem Fliegen entscheiden soll.

Nach dem Abitur möchte Simon studieren. In eine technische Richtung soll es gehen, vielleicht ein Ingenieurstudium. Auch wenn dann die Zeit noch knapper wird, möchte er sein Hobby weitermachen. "Fliegen ist für mich persönlich eine gute Sache. Man kann einfach mal abschalten, sich erholen und Probleme für einen Moment ausblenden." 

LIVIA HOFMANN

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