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Virtual Reality macht Verstecktes sichtbar

Azubis lernen virtuelles Schweißen und arbeiten an digitaler Druckmaschine - 06.09.2017 10:00 Uhr

Über eine VR-Brille können die Azubis das Innenleben einer Druckmaschine erforschen (Bild) und sie auseinanderbauen. © Foto: ZFA


Das erste Beispiel haben wir im eigenen Haus gefunden: in der technischen Ausbildung unseres Zeitungsverlags. Ausbildungsleiter Ernst Sommerfeld möchte die digitale Druckmaschine einsetzen. Denn: "In den modernen Druckmaschinen ist alles zugebaut, man sieht nicht mehr, wo ein Fehler auftritt, wenn ein zerknüddeltes Papier rauskommt."

Momentan ist Sommerfeld dabei, die einzelnen Lernmodule der sogenannten Bogenoffset-Maschine den Fähigkeiten seiner Azubis anzupassen. An den alten Maschinen konnte man die Walzen ein- und ausbauen und sehen, wie sich die Farbe bewegt.

Diese Dinge simuliert nun auch das Programm der digitalen Druckmaschine, das vom Zentral-Fachausschuss Berufsbildung Druck und Medien entwickelt wurde. "Die Technik wird in 3D-Modellen, Virtual und Augmented Reality sichtbar gemacht. Die Azubis stehen mit Hilfe der VR-Brille quasi vor der Druckmaschine, können in sie hineinschauen und auseinanderbauen", erklärt Thomas Hagenhöfer, der das Verbundprojekt Social Augmented Learning koordiniert. "Einige Berufsschulen arbeiten schon damit. Wir haben die digitale Druckmaschine mit 200 Azubis getestet."

Material einsparen

Die meisten Teilnehmer äußerten sich positiv zum Einsatz der VR-Brillen und der Software in der beruflichen Bildung. Die Schüler erkannten auch den guten Ansatz, kritisierten aber, dass die Simulation zu "spielerisch" sei. Die Lehrer waren besonders angetan und lobten das große Potenzial der Technologie, um Lehrinhalte besser vermitteln zu können.

Ein weiterer Vorteil an dem Programm ist, dass man kein Material verbraucht. "Wir können einen Farblauf simulieren, ohne Papier zu verschwenden", sagt Ernst Sommerfeld, der von der Demoversion begeistert war. "Es ist viel besser, als wenn ich den Auszubildenden sage, ,das läuft hier lang, aber wir können es nicht sehen‘."

Unser zweites Beispiel führt uns ins Ausbildungszentrum von Siemens in der Nürnberger Südstadt. Dort wird seit einem Jahr virtuell geschweißt. Die Azubis stehen dafür nicht in der Schweißkabine mit spezieller Schutzkleidung. Sondern sie starten eine Simulation am Computer, der mit seinen Drehknöpfen wie ein Standardschweißgerät aussieht.

"Das Ganze wirkt unglaublich realistisch. Und wir haben festgestellt, dass die Azubis, die erst virtuell schweißen, dann in der Schweißkabine die besseren Ergebnisse erzielen", schwärmt Ausbildungsleiter Thomas Scheuerer. Die Visualisierung sei hervorragend, man sehe die typischen Spritzer und höre außerdem die Schweißgeräusche.

Das virtuelle Schweißen spart Material, auch auf die Arbeitssicherheit muss nicht so geachtet werden. Es entsteht keine Hitze, man braucht keine Schutzkleidung, und es stinkt nicht. Trotzdem gehen die Azubis anschließend in die Kabine, um das echte Schweißen zu erleben. "Die jungen Leute sind begeistert, es kommt zu einem kleinen Konkurrenzkampf, wer die bessere Schweißnaht abliefert. Das spornt an", sagt Scheuerer.

Damit wir einen Eindruck vom virtuellen Schweißen bekommen, zeigt uns Ausbilder Steffen Lechner das Gerät. "Der Helm ist mit zwei Kameras und einem Display ausgestattet", erklärt er.

Am Computer stellt er verschiedene Dinge wie Schweißverfahren, Material und Gas ein. Dann setzt sich Steffen Lechner den Helm auf, nimmt den Brenner in die Hand und legt los. Auf dem angeschlossenen Fernseher können wir sehen und hören, wie eine Schweißnaht entsteht.

"Für eine Unterweisung ist das Programm sehr gut geeignet", betont der Ausbilder. "Denn ich kann den Azubis ihre Fehler aufzeigen und ihnen erklären, worauf sie beim nächsten Versuch zu achten haben." 

Stefanie Goebel Extra-Redaktion E-Mail

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