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"Wir brauchen gute Leute"

Studentin war beim Praxistag der Stadt Nürnberg dabei - 13.03.2017 14:16 Uhr

Höhepunkt des Praxistags für Studierende beim Planungs- und Baureferat der Stadt Nürnberg: ein Besuch der U-Bahn-Baustelle Großreuth. © Michael Matejka


Wir haben quietsch-gelbe Gummistiefel an, Warnwesten und Ohrenstöpsel und laufen durch die U-Bahn-Baustelle Großreuth bei Schweinau. Nächstes Jahr soll dort die vorläufige Endstation der U-Bahnlinie 3 sein. Jetzt ist es noch laut, staubig und dreckig hier unten.

U-Bahn fahren kann jeder. So eine Baustelle besichtigen dürfen nur ganz wenige. Der Ausflug in die Unterwelt ist Höhepunkt und Abschluss unseres Praxistags beim Planungs- und Baureferat der Stadt Nürnberg.

Begonnen hat der Tag mit Gebäck, Säften und Kaffee. Dann eröffnen Planungs- und Baureferent Daniel Ulrich und der Technische Werkleiter von "Sör" (Servicebetrieb Öffentlicher Raum), Marco Daume, die Veranstaltung. Gekommen sind zwölf Studierende, vor allem angehende Bauingenieure und Architekten, aber auch Kommilitonen aus anderen Fachrichtungen.

Ulrich erzählt von seinem Werdegang und seinem Berufsalltag. Er selbst hat Architektur und Stadt-und Landschaftsplanung studiert. Mit Mitte 40 ist er auffallend jung für so einen Posten, ebenso wie Daume.

Die beiden sehen sich als lebende Beweise dafür, dass man bei der Stadt Nürnberg nicht erst mit Mitte 50 eine Chance auf eine Führungsposition hat. Die Kernbotschaft des Referenten: Wir brauchen gute Leute, und denen können wir eine Menge bieten.

Als Nächstes wird es fachlich – mit Bernhard Homering, dem Leiter des Projekts "Hafenbrücken". Drei Brücken am Hafen sollen abgerissen und wieder neu gebaut werden. Doch bevor der eigentliche Bau anfängt, werden zwei Behelfsbrücken errichtet, die später wieder wegkommen. Denn die Funktion des Hafens soll während der gesamten Bauzeit erhalten bleiben.

Mit raucht schon der Kopf beim Zuhören. Wie soll das alles klappen? Doch genau das findet der Bauingenieur "so spannend", wie er betont: "So eine Aufgabe bekommt man nur einmal im Leben." Anders als bei einer Baumfirma werden er und sein Team alles von A bis Z begleiten

Vom Hafen geht es mit Michael Kirschmann vom Stadtplanungsamt ins Knoblauchsland, zumindest inhaltlich. Inzwischen fällt es mir auch beim interessantesten Vortrag schwer, dabei zu bleiben. Wir sinken immer tiefer in unsere Stühle.

Bewegung kommt rein, als uns Jimmy Porcu auffordert, uns um ein Modell auf einer etwa einen Quadratmeter großen Platte zu stellen. Als einer von drei Projektbauherren ist Porcu für die Planung des neuen Konzertsaals an der Meistersingerhalle zuständig.

Was es alles zu beachten gibt!

Hier ist man noch dabei, den geeignetsten Standort zu finden. Lärm, Parkplätze, Umwelt, Ästhetik, Finanzen, es gibt eine Menge zu beachten und hin und wieder schießt mir durch den Kopf: Daran hätte ich gar nicht gedacht.

Durch das Modell wird die Planung lebendig. Bausteine kommen hinzu und wieder weg. Dreht man die Platte, oder geht selbst in die Hocke, lässt sich schnell die Perspektive wechseln. Ortswechsel: Im Rathaussaal klärt uns Birgit Rothkegel vom Personalamt über die beruflichen Perspektiven auf. Während wir auf den Plätzen der Stadträte sitzen, zeigt sie uns Pro und Contra des Arbeitsgebers Stadt Nürnberg: Chancengleichheit, ein großes Spektrum an unterschiedlichen Aufgaben, genügend Zeit für die Familie, gute Aufstiegsmöglichkeiten, interner Berufswechsel. Dagegen steht vor allem die tarifliche Bezahlung, die etwas geringer ist als in der freien Wirtschaft.

Da das Frühstück schon ein Weilchen her ist, machen wir einen kurzen Abstecher in eine Pizzeria zum Mittagessen. Dann geht es weiter mit "Architektur zum Anfassen". Simone Butzer vom Hochbauamt führt die Gruppe zur Maxtormauer.

Hier und da öffnete sie eine Holztür in der Mauer und zeigt uns die entlegensten Ecken des alten Bauwerks. Kurz bereue ich, dass ich nicht Mitglied der Altstadtfreunde bin, die einen märchenhaften Garten mitten in der Stadtmauer verwalten.

Als finales Highlight kommt die Besichtigung der U-Bahn-Baustelle. Bevor wir in die Tiefe steigen, erklärt uns Bauleiter Martin Löwe einige Grundlagen zum U-Bahn-Bau. Ein Praxistag ist, wie jede Infoveranstaltung, in erster Linie dann erfolgreich, wenn man schlauer rauskommt als man reingegangen ist. Doch genauso wichtig wie neue Erkenntnisse ist die Faszination – wie hier unten, in diesen Riesenröhren aus Beton.

Ein Praxistag ist außerdem eine willkommene Abwechslung zum Studium. Man sieht, wie die erlernte Theorie in der Wirklichkeit angewendet wird, und hat die Gelegenheit sich mit Menschen auszutauschen, die ihren Beruf lieben.

Gefühl für die Arbeitswelt

Ganz egal, ob man tatsächlich mal beim Veranstalter des Praxistags landen wird oder nicht, man bekommt ein Gefühl für den Arbeitsmarkt, dessen Angebot und die eigenen beruflichen Möglichkeiten. Man lernt auch Berufe und Posten jenseits der Klassiker kennen. Und man merkt schnell, dass die Arbeitswelt viel mehr bereithält, als man gedacht hatte.

Als ich in der U-Bahn nach Hause fahre, bin ich fix und fertig. Etwas ungläubig schaue ich mich auf dem Bahnsteig um. So ähnlich wird das in Großreuth auch mal aussehen, wenn die U3-Strecke dorthin fertig ist.  

VICTORIA PORCU

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