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Römische Galeere auf Großem Brombachsee

Nachbau eines antiken Schiffs kommt von der Universität Regensburg - 26.07.2016 11:41 Uhr

Vor fünf Jahren war die „Regina“ erstmals auf den Wellen des Großen Brombachsees anzuschauen und gleich zu testen. © Universität Regensburg


Geschichte studieren heißt nicht nur, die Nase in staubige Bücher und Schriftstücke zu stecken, sondern auch, in der Sonne zu schwitzen, nach Leibeskräften zu rudern und Segel zu hissen. Zumindest dann, wenn man an der Uni Regensburg studiert und das Römerschiff-Seminar bei Dr. Heinrich Konen belegt hat. „Das Schiff ist ein originalgetreuer Nachbau der spätantiken römischen Flussgaleere ,Navis Lusoria“, erklärt Konen. „Sie wurde vor etwa 1600 Jahren auf Rhein und Donau als Erkundungsschiff eingesetzt, um die Grenzen des Römischen Reiches zu kontrollieren.“

2004 haben Heinrich Konen und seine damaligen Studenten unter fachlicher Anleitung und nach histori- schen Plänen das Holzschiff gebaut. „Die von 30 Riemen und einem Rahsegel angetriebene Regensburger „Navis Lusoria“ ist in experimental-archäologischer Sicht der Vorreiter für die praktische Untersuchung der antiken römischen Flussschiffahrt“, so der Geschichtsexperte.

In den vergangenen zwölf Jahren hat die „Regina“, wie die Galeere in Anlehnung an ihren Heimathafen Regensburg heißt, eine ganze Menge Praxistests durchlaufen. 2006 etwa ruderten die studentischen Legionäre auf der Donau von Regensburg bis nach Budapest. Dazwischen ist die „Regina“ hauptsächlich auf der unteren Naab bei Mariaort im Einsatz, wo auch Besuchergruppen und Schulklassen an die Ruder dürfen. Bislang haben auf diesem Weg an die 50 000 Menschen die Geschichte ihrer Region hautnah erleben können.

Am Brombachsee waren die Geschichtsforscher 2011 schon einmal, um die Segel- und Rammeigenschaften der Flussgaleere zu testen. Dieses Jahr soll sich nun zeigen, inwiefern das Alter des Schiffs Auswirkungen auf Stabilität und Geschwindigkeit hat. „Der Brombachsee eignet sich besonders gut, um die Segeleigenschaften zu testen“, erklärt Heinrich Konen die Wahl des Gewässers. „Wir können ohne Probleme zwei Kilometer in verschiedene Richtungen fahren. Außerdem ist er für uns günstig zu erreichen und hat eine gute Infrastruktur.“

Wie einst die alten Römer: Zuschauer sind am Pleinfelder Ufer gerne gesehen. © Universität Regensburg


Mit einem Sattelschlepper wird das fünf Tonnen schwere und 20 Meter lange Schiff von Regensburg zum Großen Brombachsee transportiert und dort zu Wasser gelassen. Neben den Messfahrten mit der „Navis Lusoria“ wird es während der drei Tage auch ein Römerlager nahe dem Erlanger Wassersportzentrum am Pleinfelder Brombachsee-Ufer geben. Sechs Legionäre, die in Regensburg einer Reenactment-Gruppe angehören, stellen authentisch das Lagerleben der dritten Italischen Legion nach – mit Zelten, Rüstungen und allem, was dazugehört. Praktiziert und vorgestellt wird unter anderem die römische Schmiedekunst. Interessierte können gerne vorbeischauen.

Das klingt alles nach viel Spaß für die Studierenden, und das ist es sicher auch. „Hier kann man anschaulich die Antike erleben“, sagt Heinrich Konen. Aber das Lusoria-Seminar ist in erster Linie auch aus geschichtswissenschaftlicher Sicht von großer Bedeutung: „Das Schiff hat mit den Testfahrten in den vergangenen Jahren in vielerlei Sicht herausgestellt, welche enorme Bedeutung den römischen Flussflotten im Gefüge der spätantiken Limesordnung zugekommen ist.“

Wer gerne selbst auf der „Regina“ rudern möchte, hat dazu am Freitag, 29. Juli, und Samstag, 30. Juli, jeweils gegen Abend die Möglichkeit. Aufgrund der begrenzten Anzahl an Plätzen sollte jedoch eine vorherige Anmeldung über den Zweckverband Brombachsee erfolgen unter der Telefonnummer 09141/571 oder via E-Mail unter mail@zv-brombachsee.de 

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