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Ronwaldbunker wird Wohnquartier

Seilsäge schneidet Fensteröffnungen in 110 Zentimeter starke Wände aus Stahlbeton - 07.08.2010 17:00 Uhr

Bauleiter Kadir Sal hat die diamantbeschichtete Seilsäge durch Bohrlöcher in der Bunkerwand geführt und schneidet eine Fensteröffnung in den massiven Betonmantel. Nach getaner Arbeit fällt erstmals das Tageslicht in den ehemals finsteren Zufluchtsort. © Dittmar


Anstandslos frisst sich die diamantbeschichtete Seilsäge durch die 1,10 Meter dicken Stahlbetonwände. Seit vier Wochen arbeitet Kadir Sal aus Reith im Winkel mit seinen vier Mitarbeitern an den 2,4 mal 3 Meter großen Fensteröffnungen. Nochmal so viel Zeit wird er brauchen, um sämtliche 24 Fenster, plus Garagentore und Treppendurchlässe in den Bunkermantel geschnitten zu haben.


Für den Betonschneider und Inhaber der Spezialfirma BST ist das Fürther Projekt ein Kinderspiel. In China hat er bereits neun Meter dicke Staudammwände zerlegt. Am Ronwaldbunker werden die Fensteröffnungen zum besseren Herausdrücken mittels einer unscheinbaren Hydraulikpresse und zum leichteren Abtransport mit dem Bagger gevierteilt.

Obwohl das nun erstmals hereinfallende Tageslicht die Beklemmung des Schutzraums nimmt, deutet im Innern des Betonkolosses am Regnitztal-Radweg noch vieles auf seine ursprüngliche Bedeutung hin: Angefangen von den doppelten Schleusentoren aus zentimeterdickem Stahl am Eingang bis hin zu den Wegweisern aus fluoreszierenden Lettern in den Gängen.

Komplett eingerichtet mit Stockbetten, Waschbecken, Toiletten und Küchenausstattung war der Bunker, als Niels Bauerfeld ihn vom Bund erwarb. Als Bayerns erster der in den 70er Jahren nochmals nachgerüsteten Hochbunker aus dem Zweiten Weltkrieg war er im April 2007 aus seiner Schutzfunktion entlassen worden. Damals träumte Fürths Zivilschutzbeauftragte Petra Wein noch von einem Bunkermuseum. Dazu bieten sich nach dem Verkauf an einen Privatmann nun nur noch der Schwandbunker an der Friedrich-Ebert-Straße und der Kronacher Bunker am Laubenweg an.

Der Ronwaldbunker ist der erste Schutzraum in Fürth, der zu Wohnzwecken verwandelt wird. Zwar wird auch der Bunker an der Mühltalstraße bewohnt, aber nur indirekt. Weil das Monstrum allen Sprengversuchen widerstand, setzte der neue Eigentümer sein Wohnhaus in acht Metern Höhe einfach auf die Ruine — und wurde für die außergewöhnliche Architekturleistung mit dem Bauherrnpreis 2000 ausgezeichnet.

Auf eine abenteuerliche Freitreppe wie in Unterfarrnbach kann am Ronwaldbunker verzichtet werden. Doch alle baulichen Veränderungen bedeuten Kraftakte. Vier 115 Quadratmeter große Wohnungen und vier Apartments mit jeweils knapp 40 Quadratmetern werden neues Leben im einstigen Schutzraum ermöglichen. Eine Wärmedämmung erübrigt sich laut Sal angesichts der Dicke der Außenwände. Die Lage direkt am Flussufer könnte besser nicht sein. Allerdings gibt es Nachbarn, die nicht gerade begeistert sind vom neuen Leben vor dem Gartenzaun.

Die Alternative zum Ausbau des Betonquaders wäre ein Abriss und eine neue Bebauung mit zwei bis drei Einzel- oder Doppelhäusern gewesen. Wie kürzlich am Kronacher Bunker realisiert, ist auch am Ronwaldbunker noch ein städtischer Spielplatz geplant. Doch dazu gibt der klamme Stadtsäckel derzeit nichts her.

Vor zwei Jahren erst hat die Kommune den Kronacher Bunker erworben. Das angrenzende Spielplatzgrundstück allein wollte der Bund nicht verkaufen. Der Schwandbunker ist noch Bundeseigentum.

  

Volker Dittmar

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