Mittwoch, 26.09.2018

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Schönberger Franzose hilft auf den Philippinen

Ein geplatzter Rückflug veranlasste ihn zu ehrenamtlicher Hilfe - 19.02.2013 15:31 Uhr

Marc Herrly blättert im Philippinen-Reiseführer. Sein Einsatz wird ihn nach Negros im Zentrum des Inselstaats führen. © Buchner-Freiberger


Drei Jahre ist es her, da wollte Marc Herrly, damals gerade Ruheständler geworden, eigentlich den Heimflug von einem Urlaub auf den Philippinen antreten. Doch wegen der Asche des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull, die damals weltweit den Flugverkehr lahmlegte, musste er seinen Aufenthalt in Asien verlängern.

Notgedrungen mietete er sich in einer kleinen Wohnung ein. Deren Besitzerin zeigte ihm Viertel der Hauptstadt Manila, in die der Franzose bis dato nicht gekommen war. „Ich war schockiert, konnte es nicht fassen. Da lagen Kinder und Jugendliche halbnackt und wie tot am Boden, viele von ihnen unter Drogen. Die meisten Leute sind einfach dran vorbeigelaufen.“

Diese Erinnerungen ließen den 65-Jährigen auch zu Hause im Laufer Stadtteil Schönberg nicht los. Er wollte helfen, recherchierte im Internet. Dabei stieß er auf das kleine, private Hilfswerk „Kalipay“, zu deutsch „Freude“, das von einer gebürtigen Philippina gegründet wurde. Auf Negros, im Zentrum des Inselstaats, kümmern sich die Mitarbeiter in zwei Wohnheimen um Straßenkinder im Alter zwischen zwei und 20 Jahren. Die Mädchen und Jungen, die dort aufgenommen werden, sind unterernährt, krank oder wurden sexuell missbraucht.

„Kalipay“ sorgt nicht nur für ein Dach über dem Kopf, Essen und medizinische Versorgung, sondern auch für Schulbildung. Außerdem wurde mit dem Bau einer kleinen Wohnsiedlung für Arme ein drittes Projekt in Angriff genommen. „Es scheint sehr gut organisiert zu sein“, sagt Marc Herrly, der vor Ort vor allem praktische Hilfe leisten soll. Wo er genau eingesetzt wird, das weiß er noch nicht. Gut möglich, dass der gelernte Handwerker, der viele Jahre im Klärwerk der Stadt Röthenbach beschäftigt war, beim Bau der Armensiedlung mithilft. Körperlich hat sich der Rentner auf die Strapazen und auf Temperaturen von bis zu 35 Grad bestmöglich vorbereitet, mit dreimal pro Woche Fitnessstudio.

Und wie reagieren Bekannte auf seine Pläne? „Manche sagen: Schön, aber warum hilfst du nicht hier irgendwo? Bei uns gibt es doch auch viel Not ...“ Das stimme freilich, meint Marc Herrly, und doch bekämen die Menschen in Europa deutlich mehr Hilfe als beispielsweise auf den Philippinen. 

Stefanie Buchner-Freiberger

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