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Seit zwei Jahren wartet die kleine Lara auf ein Herz

Für Mediziner in der Region ist das Thema Transplantation eine moralische Verpflichtung — Strenge Regeln für die Ärzte - 28.01. 09:30 Uhr

ERLANGEN/FÜRTH  - Für die Betroffenen ist es oft ein langer Leidensweg: Tausende Patienten warten in Deutschland auf Spenderorgane. Besonders in der Metropolregion sind die Verantwortlichen offenbar stark für das Thema sensibilisiert.

Dieter Horst von den Johannitern bei einem Organtransport vor dem Nordklinikum in Nürnberg: Die Kliniken in der Region sind für das Transplantationsthema sensibilisiert.
Dieter Horst von den Johannitern bei einem Organtransport vor dem Nordklinikum in Nürnberg: Die Kliniken in der Region sind für das Transplantationsthema sensibilisiert.
Foto: Daut

Es geht um Menschenleben. Seit fast zwei Jahren liegt die fünf Jahre alte Lara in der Uni-Klinik in Erlangen. Das Mädchen wartet auf ein Spenderherz. Überleben kann es nur, weil derzeit ein komplizierter Apparat ihre Herzfunktion übernimmt.

Der Leiter des Transplantationszentrums Erlangen-Nürnberg, Professor Kai-Uwe Eckardt, kennt viele ähnliche Fälle. In seinem Fachgebiet, der Nierenheilkunde, liegen die Wartezeiten oft bei mehr als sieben Jahren. Noch dramatischer ist es bei Leber und Herz: „Viele Patienten sterben, bevor ein potenzieller Spender gefunden wird.“

Kritik an kleinen Kliniken

Der Erlanger Mediziner kann die Vorwürfe der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) teilweise nachvollziehen. Die Organisation nennt als einen Grund für den Mangel an Spenderorganen, dass sich vor allem kleine Kliniken ungern mit dem Thema auseinandersetzen. Sie scheuen den großen Aufwand für Organentnahmen — und vor allem auch die Gespräche mit den Angehörigen des potenziellen Spenders, so der Vorwurf.

Eckhardt meint, dass die Struktur mancher Einrichtungen nicht auf das Thema Organtransplantation ausgerichtet ist und die jeweiligen Transplantationsbeauftragten vielfach Einzelkämpfer sind. Sein Rezept: Der Nephrologe setzt in Erlangen und Nürnberg verstärkt auf Fortbildung und Aufklärung.

Daran mangelt es nach Auskunft von Axel Brandt, Transplantationsbeauftragter im Fürther Klinikum, in seinem Haus kaum. „Die Motivation der Kollegen ist beim Thema Organspende hoch“, betont der Oberarzt, „sie bilden sich fort und wir gehen auch an Schulen, um zu werben.“

Dass es so wenig Organspenden in seinem Haus gibt, hat einen anderen Grund: Es gibt schlicht nicht genügend potenzielle Organspender unter den Patienten. Fürth hat keine Neurochirurgie, die Neurologie ist im Aufbau. Notfälle mit schweren Hirnverletzungen werden nach Erlangen oder Nürnberg verlegt. Aus dem Kreis dieser Patienten kommt laut Brandt auch der weitaus größte Teil der Organspender.

Der Kardiologe Axel Jakob von der Klinik Fränkische Schweiz in Ebermannstadt wirbt offensiv für Organspender-Ausweise. Das Thema müsse öffentlich stärker präsent sein als bisher. Vor allem ist ihm wichtig, dass nicht beliebig Organe entnommen werden. Zweimal muss der Hirntod festgestellt sein, bevor ein Toter zum Spender wird, betont er.

Auch die Verantwortlichen in den Krankenhäusern in Schwabach und Roth sehen Organspenden als „moralische Verpflichtung“ und melden potenzielle Spender prompt.

Das gleiche gilt für die Nürnberger Krankenhäuser. Ob im Klinikum, dem Theresienkrankenhaus, dem Krankenhaus Martha-Maria oder der Erler-Klinik — überall gibt es mindestens einen Transplantationsbeauftragten, der darauf achtet, ob ein Patient für eine Organtransplantation in Frage kommt.

Das Klinikum setzt solche Beauftragte auf den Intensivstationen ein und meldet etwa zwölf bis 15 mögliche Transplantationen pro Jahr an die DSO. Natürlich nur, wenn ein Organspenderausweis vorliegt oder die Angehörigen zustimmen. In etwa 30 Prozent der Fälle allerdings wird eine Organentnahme abgelehnt.

Das Theresienkrankenhaus konnte zuletzt vor drei Jahren eine Organspende an die DSO melden. „Wir haben vorwiegend ältere Patienten, die an einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder an einer Tumorerkrankung sterben und für eine Spende gar nicht in Frage kommen“, erklärte Sprecherin Anja Müller.

Oft fehlt die Zustimmung



Die Kliniken Dr. Erler haben im vergangenen Sommer eigens eine Dienstanweisung für die Mitarbeiter entwickelt, die die Umsetzung des Gesetzes genau festhält. Allerdings stellten die Ärzte in der Erler-Klinik fest, dass immer mehr Patienten in einer Patientenverfügung festhalten, dass sie einer Organspende nicht zustimmen.

Auch das Krankenhaus Martha-Maria steht in regelmäßigem Kontakt mit der DSO und meldet relativ häufig Hornhautspenden. Genaue Zahlen konnte das Krankenhaus allerdings nicht nennen.

Dr.Peter Jatzwauk ist Chefarzt der Inneren Medizin und Transplantationsbeauftragter der Kreisklinik Weißenburg. Zuletzt gab es vor eineinhalb Jahren einen potenziellen Spender. Allerdings blockierten die Angehörigen nach langen Gesprächen die Organentnahme. Für Jatzwauk ist das Thema eine Herzensangelegenheit: „Ich habe immer meine Dialysepatienten im Hinterkopf, die dringend auf ein neues Organ angewiesen sind.“ 





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