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Sogar Omas hinterziehen Steuern

Nicht nur bei Managern sind Konten im Ausland beliebt - 16.02.2008

Ziel Gewinnmaximierung: Klaus Zumwinkel auf dem Weg zu seinem Haus. Er ist seit Donnerstag zwar wieder auf freiem Fuß, aber im schlimmsten Fall drohen ihm, wie jedem anderen Steuersünder auch, bis zu zehn Jahre Haft. © dpa


Doch nicht nur «Leistungsträger» schaffen ihr Geld über die Grenze, wie Oliver Horn bestätigt. Der Fachanwalt für Steuerrecht eilt seit 1998 regelmäßig Menschen zu Hilfe, bei denen die Steuerprüfer vor der Tür stehen. Zur Diskussion stehen Beträge in fünfstelliger, aber oft auch in sechsstelliger Höhe. «Die Steuerunehrlichkeit in Deutschland ist hoch», sagt der Neckarsulmer, der auch als Steuerberater und Anwalt arbeitet. Und das Überraschende: «In fast jedem Fall spielt das Ausland eine Rolle.» Nicht nur Großverdiener nutzten den Weg über Liechtenstein, die Schweiz oder die britische Kanalinsel Jersey.

Wie viele solcher Transaktionen es gibt, wird laut dem bayerischen Landesamt für Steuern nirgendwo erfasst. Werden Verbindungen ins Ausland festgestellt, gibt es nur wenig Handhabe. Anonymisierungen von Kontoinhabern und das Bankgeheimnis machen eine Verfolgung schwer. Die Steuerverwaltung des betreffenden Bundeslandes kann lediglich ein sogenanntes nationales Amtshilfeersuchen senden und auf die Kooperation des Landes hoffen, in dem es die Schwarzkonten vermutet.

«Den typischen Steuerhinterzieher gibt es nicht», so Horn. «Sie kommen aus allen Berufsgruppen und allen Altersschichten. Selbst die alte Oma, die ihr Vermögen ins Ausland schaffen will, ist dabei.» Hinsichtlich der Art und Weise der Verschleierung «fasse er sich aber manchmal an den Kopf», sagt Horn. «Da frisst die Gier das Hirn.» Die Zahl der aufgedeckten Hinterziehungen hat seiner Einschätzung nach zugenommen. Das liege vor allem daran, dass die Steuerfahndung massiv aufgerüstet habe. Zudem verfügten die Behörden über IT-Experten, die schnell und gezielt die Festplatten der Firmenrechner durchsuchen könnten.

Hinzu kommt, dass Durchsuchungsbeschlüsse sehr schnell erteilt werden, wie das Magazin «Panorama» am Donnerstag berichtete. Schuld daran sei die hohe Arbeitsbelastung der Richter. So blieben zum Beispiel bayerischen Richtern im Schnitt nur zwei Minuten Zeit, um einen Untersuchungsbeschluss zu prüfen. Wie das Magazin weiter berichtete, rücken Beamte jährlich etwa 50 000-mal aus, um Durchsuchungsbeschlüsse umzusetzen.

Grotesk: Der zweiminütigen Beschlussfassung folgt ein jahrelanges Verfahren. «Im Schnitt sind es mindestens fünf Jahre», so Fachanwalt Horn. Er habe aber auch schon Mandanten vertreten, die in einer Steuersache sieben Jahre auf das Verhandlungsende warteten. «Mal abgesehen davon, ob jemand Steuern hinterzogen hat oder nicht, das zermürbt jeden.»

Und es kostet Existenzen: ohne Auftragsbücher keine Arbeit. «Ich rate jedem, der betroffen ist: Kopieren Sie sich alle Unterlagen, die die Fahnder mitnehmen. Egal, was das für ein Aufwand ist. Und keine überstürzten Reaktionen.» - quasi Horns zweites Gebot. «Als erstes sollte man seinen Steuerberater und seinen Anwalt anrufen», rät er. «Keine voreiligen Erklärungen und Geständnisse, auch wenn man aufgeregt ist.» Sein erstes Gebot lautet übrigens: «Versteuern Sie, was Sie verdienen!» 

Claudia Urbasek, Nz

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