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152 glückliche Erlanger Sportler

Erlangens Sportler wurden im Redoutensaal geehrt - 15.12.2017 10:00 Uhr

42 Sportler mehr als 2016

152 Sportler wurden geehrt.


Ehrungsabende, heißt es, ziehen sich. Ehrungsabende, heißt es, sind öde und langweilig. Auch heuer wieder führte der alleinige Blick auf die Liste mit den auszuzeichnenden Sportlerinnen und Sportlern des vergangenen Jahres zunächst zu Ächzen: Acht Seiten eng beschriebene Namenstabelle von A wie Abbas-Shah, Wasif (Erlangen Cricket Club) bis Wunder, Marwin (HC Erlangen U23) gab es abzuarbeiten, jeder einzelne wurde von Sportamts-Leiter Ulrich Klement aufgerufen, auf die Bühne gebeten und dort von Sportbürgermeisterin Susanne Lender-Cassens und den Sportamts-Mitarbeitern Andreas Tänzler und Bianca Berger geehrt. Insgesamt wurden 53 Ehrennadeln, 91 Bronze-, sechs Silber- und zwei Gold-Medaillen ausgegeben. Damit wurden mit 152 Sportlern mehr geehrt wie im vergangenen Jahr (110). "Das", so Tänzler, "lag daran, dass wir heuer drei große Mannschaften hatten."

Dass es dann doch so gar nicht langweilig wurde, lag am Rahmenprogramm. Witzig-albern hüpfte Comedian Markus Just in einem Ganzkörper-Luftballon wie ein Flummi umher und brachte in seiner Lightshow einen romantischen Gruß an die Stadt Erlangen unter. Für Nachdenkliches sorgte Sportamts-"Bufdi" Kristina Zirkel in ihrem Poetry-Slam.

Die Sportlerehrung geriet noch einmal kurzweiliger als schon 2016 – von Langeweile jedenfalls keine Spur.

"Kopfwertung" für die Judoka

Mit 35 Mannschaftsmitgliedern stellte das Judo-Team des TV 1848 Erlangen beinahe einen ganz eigenen Ehrungsblock des Abends. "Dabei", verriet Florian Schwob, "waren ja nicht einmal alle, die aufgerufen wurden, auch da." Pro Kampf, erklärte der Judoka, müssen je sieben Erlanger auf die Matte; weil stets auch gleich der Rückkampf folgt, jedes Team dann mindestens drei Kämpfer austauschen muss, "sind mindestens zehn Judoka im Einsatz".

Weil der Zusammenhalt "der echten Amateurmannschaft", wie Klaus Lohrer, TV-Judo-Chef, nicht müde wurde zu betonen, aber nunmal riesig ist, steht der Rest der Mannschaft neben der Matte – zum Anfeuern. "Das ist unser Erfolgsrezept", so Lohrer, der mit dem TV in die 1. Bundesliga aufstieg. Dafür stehen die Judoka neben den Kegel-Frauen des FSV Bruck (Erstliga-Aufstieg) und dem HC Erlangen U23 (Aufstieg 3. Liga) zur Wahl als Mannschaft des Jahres.

"Sogar für Judo-Verhältnisse", so Florian Schwob, "ist das schon eine große Mannschaft." Es folgten in der internen "Kopfwertung" des Abends die Cricket-Mannschaft (20) und der HCE (14). "Zum Sportlerball dann", verspricht Schwob, "werden wir komplett sein. Für den Termin in der Ladeshalle (16. Januar, Tickets auch in der Geschäftsstelle der EN) lagen den Urkunden erstmals Freikarten bei.

2000 Kilometer pro Jahr

Für großes Staunen sorgte unter allen Leistungssportlern mal wieder der Trainingsaufwand, den die Schwimmer für ihre hohen nationalen und internationalen Erfolge feiern: "2000 Kilometer im Jahr", verriet Peter Varjasi von der SG Mittelfranken, der mit Teamkollegin Marie Graf neben Jonathan Schreiber (Rudern), Alexander Megos (Klettern), Hanna Marie Klek (Schach) und Jennifer Rosenmüller (BMX) auch zur Wahl als Sportler des Jahres steht, legen sie im Schnitt zurück. Neun Mal in der Woche gehen sie ins Wasser.

Für Nikita Rodenko ist die Plackerei zudem eine wichtige Ablenkung in schwieriger Zeit: "Natürlich ist das nicht leicht, wenn die Zukunft ungewiss ist", verriet der 17-Jährige. Er kam mit seiner Familie aus der Ukraine als Flüchtling nach Deutschland, "vermutlich wären wir gar nicht mehr hier, würde sich nicht mein Trainer Roland Böller so enorm einsetzen".

Erst am 10. Januar muss Nikita Rodenko mit seiner Familie wieder bei einem Besuch auf der Ausländerbehörde hoffen, dass die Aufenthaltsgenehmigung verlängert wird. "Meine Eltern machen sich große Sorgen. Ich mir auch, aber der Sport und die Schule helfen mir, das auszublenden."

Schon zum Sportlerball wird sich zeigen, ob Rodenko weiter mit starken Schwimm-Leistungen das Image der Stadt Erlangen aufpoliert. Oder ob er dann nicht mehr hier sein darf.

Gestern Geld, heute Sport

Erstmals überhaupt wurde Franz Hilbert auf dem Erlanger Sportlerball begrüßt. Als ehemals hochrangige Führungskraft großer Unternehmen hatte er, wie er sagt, "nie irgendetwas mit Sport zu tun". Außer, dass Hilbert jedes Jahr fleißig das Sportabzeichen ablegte. Das alles ist einigermaßen erstaunlich, beerbte Hilbert vor wenigen Wochen Walter Fellermeier im Amt des Kreisvorsitzenden im Bayerischen Landes-Sportverband: "Das habe ich eigentlich nur gemacht, um den lieben Walter zu erlösen."

38 Jahre lang war Fellermeier in der Vorstandschaft des BLSV aktiv, noch zwei Jahre, hat er seinem Vereinsfreund vom TSV Frauenaurach, Franz Hilbert, versprochen, wird er ihn einarbeiten. "Sonst", sagt Hilbert, "wäre ich völlig aufgeschmissen." Die Sportlerehrung war bereits die "sechste oder siebte Veranstaltung", die er als neuer BLSV-Vorsitzender besuchte.

Den Spaß an der neuen Aufgabe hat Franz Hilbert noch nicht verloren, auch bereut er den Schritt nicht: "Es ist ja alles neu, ich lerne jeden Tag und lerne viele Menschen kennen. Das macht großen Spaß."

Vor allem die freundliche, lockere Atmosphäre hat es ihm angetan: "Früher", berichtete er, "musste ich manchmal über Millionensummen verhandeln. Das war sehr angespannt. So gesehen bin ich sehr glücklich, dass es jetzt um junge Sportler und ihre Erfolge geht, die man beklatschen darf."

Willkommene Gelegenheit

Das letzte Mal war die Auszeichnung für Shahid Satti noch ein wenig bedeutender: "Wir wurden Belgischer Meister", sagte der Teamführer des Erlangen Cricket Club. Diesmal gab es die Ehrennadel der Stadt für die Bayerische Meisterschaft, insgesamt schon die vierte, die der Verein mit der vielleicht exotischsten Sportart des Abends entgegen nehmen durfte, neben vielleicht der Seniorenklasse mit Dienstsportgewehr offene Kimme über 100 Meter.

Für Satti ist die Sportlerehrung wie auch der Sportlerball Mitte Januar wichtige Termine: "Kaum jemand weiß vermutlich, wie Cricket funktioniert. Ich hoffe, wir kommen mit vielen von ihnen ins Gespräch und wecken ihre Neugier."

Sprüche des Abends

"So, dann machen wir das ganze jetzt mal auf indisch . . ." (Udhay Kumar, Jugendbeauftragter im Sportbeirat, half beim Aufrufen der Cricket-Mannschaft)

 

"Manche Gegner sagen: Ich hab noch nie gegen eine Frau verloren — ja, gegen solche Männer gewinnt man dann sehr gerne." (Hanna Marie Klek, Schach-Großmeisterin auf die Frage von Moderator Axel Fischer, ob es mehr Spaß macht, Männer zu besiegen)

 

"Also Reinfallen ist beim Rudern nicht das Ziel." (Jonathan Schreiber über die Trainingsbedingungen auf dem drei Grad kalten Europakanal) 

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