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Blumensaat: Seit 40 Jahren mit dem Läufervirus infiziert

Der Nürnberger feierte ein seltenes Jubiläum — 400 Marathon- und Ultrawettkämpfe - 20.09.2011 21:05 Uhr

Roland Blumensaat, wie man ihn kennt: hier beim Füssen-Marathon.

Roland Blumensaat, wie man ihn kennt: hier beim Füssen-Marathon. © Norbert Wilhelmi


Roland war als 13-Jähriger, wie er selbst berichtet, „ein durch und durch unsportliches Kind“. Das war noch Anfang September 1971 so. Bis zu jenem Tag, als sein Onkel namens Fritz ihn dazu animierte, auf eine Sechs-Kilometer-Lauf-Runde durch Kulmbach mitzukommen. Aufgezeichnet ist dieser Moment im Lauftagebuch des Onkels.

Dieser war nämlich schon in den 1960-er und 70-er Jahren ein leidenschaftlicher Langstreckenläufer. Zu einer Zeit, als das Wort Jogging hierzulande noch niemand kannte und Marathonläufer bewunderte Exoten waren. So einer also war Fritz Blumensaat, als er seinen Neffen mit dem Läufervirus infizierte.

Am 8. September 1971 nämlich ging Roland mit auf die Laufrunde des Onkels. Seither begleitet, nein, prägt das Laufen auch sein Leben. Wie intensiv die Zuneigung zum Laufen schon in den ersten Jahren war, dokumentiert Blumensaat an einem Beispiel seiner jungen Liebe. Als er seine heutige Frau kennenlernte, sie war damals 15, er 19, liefen beide zum Kennenlernen erst einmal ein paar nette Runden. Der Mann spricht heute vom „Paarlauf ins Glück“. Noch immer läuft er, wenn es sich ergibt, mit seiner Frau gemeinsam: „Dabei lassen sich auch viele Probleme lösen“.

Und das nach Meinung von Roland Blumensaat nicht nur in dem Bereich der Partnerschaft. Er erkannte relativ schnell, dass dieser Sport viel mehr ist als irgendeine körperliche Betätigung. In seinem ersten Beruf als Krankenpfleger — er war inzwischen 1985 von Kulmbach nach Nürnberg gezogen — hat er an vielen, vielen Patienten gesehen, welche Schäden Bewegungsmangel anrichtet: Von Herz-Kreislaufproblemen bis hin zur Diabetes, „die viele nicht haben müssten“.

Laufen wurde zum Beruf

Um hier helfend zu wirken, schulte der Nürnberger um und absolvierte Ausbildungen zum Heilpraktiker und Lauftherapeuten. Laufen bei Depressionen, Laufen bei Herz-Kreislaufproblemen, Laufen bei Verspannungen. Blumensaat spricht ausdrücklich von einer „ergänzenden Therapie“, „die aber vielen hilft“. Auch manchen Lauf-Kollegen übrigens, denen er mit Bewegungsanalysen per Computer Fehlbelastungen und Schwachstellen aufzeigen kann und gegen dieselben angeht. „In vielen Fällen lassen sich Operationen vermeiden, wenn man die Ursachen von Muskel-Fehlbelastungen bekämpft, die fast jeder hat“, sagt der Lauftherapeut, der überdies als Trainer in den vergangenen Jahren schon Hunderte, ja, Tausende von Laufanfängern und -anfängerinnen in Nürnberg gewissermaßen die ersten Jogging-Schritte lehrte.

Wie viele Schritte Blumensaat selbst in den vergangenen 40 Jahren gemacht hat, das weiß er nicht. „Mir sind Statistiken nicht wichtig“, sagt er. So kann er nur schätzen, dass er seit seinem ersten Marathonlauf 1989 etwa 400 Marathon- und Ultraläufe absolvierte, in jedem Jahr zwischen zehn und 20. Interessanterweise fehlen ihm in seiner Marathon-Vita viele bekannte Wettkämpfe: „Ich war zum Beispiel noch nie in Berlin dabei“. Dafür liebt er die 42 Kilometer rund um den Brombachsee, den Fränkische-Schweiz-Marathon oder den Biberttal-Marathon, „den es leider nicht mehr gibt“.

Noch bei keinem einzigen Langstreckenlauf ist Roland Blumensaat ausgestiegen. Auch vor Verletzungen blieb er, trotz einer angeborenen Gefäßmissbildung mit Riesenwuchs in der rechten Wade, verschont. Besondere Freude bereitet es ihm, wenn er die langen Läufe als Begleiter von Behinderten, Blinden und Gehörlosen absolviert, die manchmal so flott sind, dass er sich gehörig anstrengen muss. Seine Marathonbestzeit? Der 53-Jährige muss überlegen: „Wohl 3:13 oder so ähnlich“, sagt er. Aber, unterstreicht er sofort, „auch Zeiten sind mir nicht wichtig“.
  

VON ULRICH RACH

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