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Club kommt emotional in der Zweiten Liga an

Profis und Fans des FCN sind auch lange nach dem Abpfiff noch füreinander da - 20.10.2014 06:00 Uhr

"Jetzt wissen wir, wie die Zweite Liga ist“, sagte Niklas Stark.

"Jetzt wissen wir, wie die Zweite Liga ist“, sagte Niklas Stark. © Sportfoto Zink / JüRa


„Jeder hat sein eigenes Bild im Kopf“, sagt Ismael, er natürlich auch. Die 90 Minuten am Freitagabend sind ihm und über 28.000 anderen sehr nahe gegangen. Große Gefühle hatten den Auftritt der Nürnberger begleitet, was wohl auch an der Konstellation lag. Hier eine lange Tradition, dort ein kurzes Investment. Vor allem schienen sich die Zuschauer aber wieder für ihre Mannschaft begeistern zu können – die nicht glänzte, aber bedingungslosen Einsatz zeigte.

Die nachfolgende Ehrenrunde geriet zum emotionalen Höhepunkt der Veranstaltung. Überall standen glückliche Fans, die sich in den vergangenen Monaten oft gesehnt hatten nach so einer leidenschaftlichen Elf. „Oh, wie ist das schön“, stimmten sie auf der Gegengerade sogar an, „so was hat man lange nicht geseh’n.“ Es schien, als liege sich kurz vor halb elf der ganze Club in den Armen. Nach den vielen Enttäuschungen im bisherigen Kalenderjahr schien der Erfolg unglaublich gut zu tun. Besonders die Art und Weise, wie er zustande kam.

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„Die Taktik, die wir gewählt haben, war sicherlich nicht von Fußball geprägt“, sagt Ismael am Tag danach. Viel wichtiger sei zunächst gewesen, den Leipzigern ihre Stärken zu nehmen. Das Hochgeschwindigkeitspressing genügt höchsten Ansprüchen und ließ häufig wenig Raum und noch weniger Zeit für einen geordneten Aufbau. „Es ging darum, nicht in eine Falle zu laufen“, sagt Ismael, möglichst wenig Fehler zu machen. Von höchster Bedeutung war für ihn freilich, „dass die Mannschaft ihre Leistung bestätigt hat, dass man eine Entwicklung erkennt“.

Über 120 Kilometer abgespult

Tatsächlich sind derzeit andere Parameter maßgeblich für die Beurteilung und Einordnung. Etwa, dass die Nürnberger mehr Zweikämpfe (52 Prozent) für sich entscheiden konnten als der Gegner, dass sie insgesamt wieder über 120 Kilometer gelaufen sind. Dafür war jeder zweite Pass ein Fehlpass. Dennoch scheint nach dem peinlichen 0:3 in Heidenheim etwas passiert zu sein mit diesem Club.

Das Video in Kooperation mit frankenfernsehen.tv

Wer Torwart Patrick Rakovsky und seinen Innenverteidiger Niklas Stark hinterher in der Interviewzone herumalbern sah, kann sich auch ungefähr vorstellen, was. „Jeder hat sich für den anderen reingeworfen“, sagte Rakovsky nach seiner ersten Zweitliga-Partie ohne Gegentreffer, auch die neue Nummer eins schwärmte ein bisschen. Vom neuen Wir-Gefühl, von der Leidensfähigkeit der Kollegen. Und natürlich von der Unterstützung. „Die Stimmung war überragend heute“, fand Rakovsky, „das gibt uns auch noch ein paar Prozent mehr.“

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Dass es hektisch werden würde, wussten sie, darauf hatte sie der Trainer vorbereitet. Wie jede Woche. „Die Mannschaft hat sich einfach entwickelt“, sagt Stark, er ist erst 19 und verkörpert den Generationswechsel wie kaum ein anderer; nach einigen Wacklern im bishergen Rundenverlauf hat sich der Ipsheimer stabilisiert – und redet darüber, als sei es nie anders gewesen. „Wir brauchen die alten Spieler immer noch, als Unterstützung, sie sind immer noch Bestandteil des Teams“, versichert Stark und klingt dabei selbstbewusst. Wie ein junger Mann, der in wenigen Wochen erwachsen geworden ist.

„Anfangs haben wir versucht, mehr zu spielen, jetzt wissen wir, wie die Zweite Liga ist“, sagt Stark, „wir haben es angenommen.“ Wenn es sein muss, auch auf Kosten der Ästhetik. Befreiungsschläge sind zwischen St. Pauli und Sandhausen ein zweckmäßiges Stilmittel. Was nicht heißt, dass sich der neue Club hierauf spezialisieren möchte. „Die fußballerische Entwicklung gehört dazu, aber wir müssen Geduld haben“, sagt Ismael; sobald sich sein 1. FC Nürnberg eines Tages in ruhigeren Tabellenregionen wiederfindet, „werden die Spieler sich öffnen“. Der Trainer verspricht „Sequenzen, in denen wir glänzen, zehn bis zwölf pro Spiel“.

Drei gegen sechs

Gegen Leipzig deuteten sie ihre individuellen Fähigkeiten oft bloß an; dass das einzige Tor aus dem besten Angriffszug des ganzen Abends resultierte, musste daher nicht überraschen. Balleroberer Niclas Füllkrug, Jakub Sylvestr und Schütze Alessandro Schöpf (74.) nahmen die Leipziger Defensive mit einer flotten Kombination auseinander. Drei gegen sechs.

Eigentlich hat sich gar nicht so viel geändert. Es ist eher eine Art Rückbesinnung auf Erfolg versprechende Tugenden. „Jeder ist in der Lage, zu 100 Prozent seine Leistung abzurufen“, sagt Ismael, wichtig sei es, „füreinander da zu sein“. So funktioniert Fußball, erst recht in der Zweiten Liga. Die sie nie mehr unterschätzen wollen; träumen sollen andere. „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir vor vier Wochen waren.“ Damals waren auch die Nächte vor allem: unruhig. 

WOLFGANG LAASS

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