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Das macht Salli stark: Köllner stützt Nürnbergs Reizfigur

Probieren, Probieren, Probieren! Kameruner stößt in Grenzbereiche vor - 12.01.2018 05:51 Uhr

Seine Auftritte polarisieren: In der Restrückrunde will Club-Stürmer Edgar Salli seine Kritiker überzeugen. © Sportfoto Zink / DaMa


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Heftige Windböen machten am Donnerstagvormittag den Profis des 1. FC Nürnberg beim Torschusstraining das Leben schwer. Zu jenen Spielern, die dennoch recht verlässlich trafen, zählte auch Edgar Salli. "Our Cameroon Lion!" rief Trainer Michael Köllner anerkennend, als eben jener "kamerunische Löwe" wieder mal einen Ball eiskalt im Netz versenkt hatte.

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Michael Köllner erklärt, gibt Kommandos, ist nah dran an seinen Spielern. Außergewöhnlich ist das nicht. Der Club-Coach ist ein großer Kommunikator. Die Leistungen auf dem Trainingsplatz zu reflektieren, ist für Nürnbergs Chefanweiser elementar. Seine Schützlinge bringen diese, am Donnerstag stehen in Spanien wieder zwei strapaziöse Übungseinheiten auf dem Programm.


So gut es beim Üben bisweilen auch klappen mag mit dem Toreschießen - unter Wettkampfbedingungen blieb Salli bislang den Nachweis schuldig, ein zweitligatauglicher Stürmer zu sein. Gerade mal zwei Treffer weist seine Bilanz nach 36 Zweitligaeinsätzen aus, in dieser Saison wartet der 25-Jährige sogar noch auf sein erstes Erfolgserlebnis.

Slapstick und Seelenruhe

Nicht nur deshalb polarisiert Salli wie wohl kein anderer Club-Profi. Auch mitunter dubiose Laufwege und die eine oder andere slapstickreife Einlage haben den quirligen Afrikaner, der sich schon mal bei einem eigenen Eckball im Strafraum seelenruhig die Schuhe bindet oder mit dem Gesicht durch die weiße Spielfeldmarkierung schlittert, bei vielen Fans zur Reizfigur gemacht.

Köllner aber hält unverdrossen an seiner umstrittenen Nummer Sieben fest. Der Coach schätzt die Überraschungsmomente, die Salli mit seiner unorthodoxen Spielweise kreieren kann, aber auch die unbändige Lauffreude und Schnelligkeit. "Er betritt mit seinen Läufen im maximalen Tempo Grenzbereiche, das ist außergewöhnlich", schwärmt Köllner, laut den Resultaten der Leistungsdiagnostik sei Salli "mit unser schnellster Spieler im Kader". Natürlich müsse man derlei statistische Erhebungen immer auch im Kontext eines Fußballspiels sehen, räumt Köllner ein, "aber irgendwann fällt bei ihm schon mal ein Ball rein."

Vorbild in vorderster Front

Und vielleicht nimmt Salli dann ja sogar eine ähnliche Entwicklung wie Mikael Ishak, der in der vergangenen Saison noch wie die personifizierte Harmlosigkeit wirkte und nun, nachdem der Knoten am sechsten Spieltag mit einem Dreierpack in Duisburg endlich geplatzt war, mit zwölf Treffern als Top-Torjäger der zweiten Bundesliga firmiert.

Dass manche Fans mittlerweile etwas gereizt auf seine Person reagieren, dafür zeigt Salli durchaus Verständnis. "Als Stürmer wirst du nun mal an Toren gemessen, aber es ist ja nicht so, dass ich nicht treffen will", betont er und verspricht: "Ich probiere es einfach weiter, arbeite hart und gebe immer mein Bestes." Dass er es prinzipiell kann, hatte Salli ja zuvor beim FC St. Gallen mit einer durchaus ordentlichen Quote (acht Tore in 28 Partien) angedeutet. "In der Schweiz war es etwas einfacher für mich, weil wir da meist mit einer Doppelspitze gespielt haben", erzählt Salli, "hier muss ich mehr mit verteidigen." Aber auch das gelingt dem anfangs in der Defensivarbeit doch recht sorglosen Flügelflitzer dank Köllners Anleitung zusehends besser.

"Ich fühle mich sehr wohl hier"

Generell wirkt es so, als sei Salli mittlerweile in Nürnberg angekommen. Die deutsche Sprache bereitet zwar noch einige Probleme, in der Mannschaft aber ist der meist gut gelaunte Kollege prima integriert. In Spanien teilt sich Salli ein Zimmer mit Neuzugang Federico Palacios, nach Dienstschluss wird bevorzugt Fußball oder Basketball auf der Playstation gezockt. "Ich fühle mich sehr wohl hier, wir sind wie eine große Familie", sagt Salli. Seine richtige Familie in Kamerun sieht er hingegen nur noch selten, seit er 2011 aufbrach, um sein Fußballglück in Europa zu suchen.

Das Vertrauen des Trainers weiß Salli zu schätzen, "es ist nicht selbstverständlich". Und mit seinem freiwilligen Verzicht auf die Teilnahme am Confederations Cup im Sommer hat der 36-fache kamerunische Nationalspieler signalisiert, dass der Club für ihn inzwischen absolute Priorität genießt. "Ich denke, es war die richtige Entscheidung", sagt Salli, "immerhin können wir heuer in die Bundesliga aufsteigen." Dass sich dieser große Traum erfüllt, davon ist Salli überzeugt, "wenn wir jedes Spiel wie ein Endspiel angehen". Und Nürnbergs kamerunischer Löwe vielleicht bald nicht nur im Training zubeißt.

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Uli Digmayer

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