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Der Brückenbauer und der goldene Wurf

Olympiasieger Pasquale Passarelli und Klaus Wolfermann: - 25.07.2012 07:00 Uhr

Er schnappte nach Luft, selbst das bloße Zuschauen tat den meisten Beobachtern schon weh: Aber Pasquale Passarelli hielt im Finale gegen den Japaner Masaki Eto die gefährliche Rückenlage ganze 95 Sekunden aus und holte sich den Olympiasieg im Bantamgewicht.


Es sind auch heute noch zwei klangvolle Namen: Klaus Wolfermann, der Speerwurf-Sieger bei den Spielen 1972 in München, und der Ringer Pasquale Passarelli, der bei den Spielen 1984 in Los Angeles auf dem obersten Treppchen stand.

Das Münchner Olympiastadion bebte, der Franke Klaus Wolfermann hatte die Massen entzückt: Nach seinem Sieg sprang der Altdorfer vor Freude in die Luft. © Archiv


Vom Turner über den Handballer zum Weltklasse-Speerwerfer – ein erstaunlicher Weg, wie der gebürtige Altdorfer Wolfermann selbst empfindet: „Daran hatte ich niemals gedacht.“ Als er bei einem Sportfest zum ersten Mal einen Speer in die Hand nahm und diesen überraschend weit warf, verblüffte er alle Experten. Es ging in der neuen Sportart mit Wolfermann steil nach oben und bescherte ihm 1972 gar das olympische Gold. Das Duell mit dem turmhohen Favoriten Janis Lusis aus Lettland – es gehörte damals zur UdSSR – ging in die Annalen ein. Klaus Wolfermann schaffte im fünften Versuch sagenhafte 90,48 Meter und ließ den Mann aus Riga um die Winzigkeit von zwei Zentimetern hinter sich. Das Münchner Olympiastadion wurde zum Freudenmeer und feierte den Franken, der später zweimal zum „Sportler des Jahres“ gewählt worden ist.

Aus dem Duell mit Lusis entwickelte sich eine enge Freundschaft, die bis zum heutigen Tag besteht: Alljährlich treffen sich die beiden Helden von einst. „Diese Freundschaft bedeutet mir sehr viel“, betont Wolfermann, der heute im oberbayerischen Penzberg lebt und eine Sportvermarktungsagentur betreibt. Er ist ein echtes Vorbild für junge Sportler, weil ihn die stolzen Erfolge – er war auch sechsmal deutscher Meister und hielt einige Zeit mit 94,08 Metern den Weltrekord – überhaupt nicht verändert haben. „Du musst immer bescheiden sein und auf dem Teppich bleiben“, lautet sein Motto, das sich nicht wenige Spitzensportler der heutigen Zeit an die Fahnen heften sollten.

Ein kleiner Italiener, ein gebürtiger, namens Pasquale Passarelli, ging in die Geschichte des Ringens ein. Der für die SV Johannis 07 Nürnberg startende Kämpfer erwarb sich bei den Spielen 1984 in Los Angeles in den Medien den Titel „Erfolgreichster Brückenbauer der Welt“. Viele Jahre lang wurde sein Auftritt im Finale gegen den japanischen Favoriten Masaki Eto immer wieder in diversen Sportsendungen im Fernsehen ausgestrahlt: Unglaubliche 95 Sekunden lang hielt er in gefährlicher Rückenlage mit seiner Brücke allen ungestümen Attacken seines Gegners stand und holte sich Gold.

Passarelli lebt heute in Waghäusl in der Nähe des Hockenheimrings und ist als Immobilienmakler in Karlsruhe tätig. An seine Zeit in Nürnberg erinnert er sich noch sehr gerne: „Sie war herrlich und unvergesslich.“ Gleiches gelte auch für seine sportliche Karriere, auch wenn damit das „große Geld“ nicht verbunden war. „Ich bin stolz, dass ich als 92. zu den besten deutschen Sportlern gehöre und damit einige Plätze vor Günter Netzer liege“, sagte er vor einigen Jahren in einem NZ-Gespräch.

Klaus Wolfermann und Pasquale Passarelli, zwei Goldmedaillengewinner, auf die der mittelfränkische Sport stolz sein kann. Zwei Stars, denen ihre Triumphe nicht den Kopf verdreht haben. 

Dieter Bracke

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