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Ex-Olympiasieger Kirchhoff: Neuanfang in der Ukraine

Neuer Pass, neues Team, neues Glück? Der Springreiter möchte in Rio wieder angreifen - 15.04.2013 15:03 Uhr

Der zweimalige Olympiasieger im Springreiten, Ullrich Kirchhoff, liebäugelt mit der ukrainischen Staatsbürgerschaft und will im Multi-Kulti-Team der Ukraine noch einmal in Rio angreifen. © dpa


Dass es sportlich zuletzt für Ulrich Kirchhoff nicht sonderlich gut lief, lässt sich mit ein bisschen Geduld in der Weltrangliste nachlesen. Kurz vor Ende des offiziellen Rankings liegt der 45 Jahre alte Springreiter auf Rang 1641, ein einziges Ergebnis in zwölf Monaten ist notiert.

Der Doppel-Olympiasieger hat schon bessere Zeiten erlebt. Doch jetzt ergreift er die Flucht nach vorne – mit einem Multimillionär als Geldgeber und einem neuen Pass.

Als Ukrainer will er wieder zu den Olympischen Spielen. „In Rio will ich auf jeden Fall reiten“, sagte Kirchhoff, der mit dem ukrainischen Kaufmann Alexander Onischenko einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen hat. „Das ist ein Mann, der viel Geld investiert und Spitzenpferde kauft“, sagte der Reiter über seinen neuen Chef.

Als Angestellter wird der aus dem niedersächsischem Lohne stammende Kirchhoff zukünftig mit einem Multi-Kulti-Team reiten. Kurz vor Weihnachten gab es den ersten Kontakt, in der Vorwoche beantragte Kirchhoff beim Weltverband FEI das Startrecht für die Ukraine. „Das gibt mir ganz neue Möglichkeiten“, erklärte er den überraschenden Wechsel: „Es schafft die Voraussetzungen, wieder vorne mitzureiten. Es ist die Chance, noch mal Championate zu reiten.“

Gemeinsam Onischenko nach Rio

Am Wochenende sattelte Kirchhoff – noch als Deutscher – bei einem Turnier in Arezzo erstmals Pferde seines neuen Geldgebers. Onischenko gilt in der Branche als „Reitsport-Abramowitsch“. Ähnlich wie der russische Öl-Magnat Roman Abramowitsch, der den Fußballclub FC Chelsea mit viel Geld in die internationale Spitze gehievt hat, kauft der ukrainische Millionär für sein Nationalteam Spitzenreiter und Spitzenpferde.

„Man hat immer Bedenken, wenn man so etwas macht“, gab Kirchhoff zu. Aber, so fügte der für flotte Sprüche bekannte Reiter schnell an: „Zu jedem Glück gehört ein kleines Risiko.“ Zuletzt war er mehrere Jahre in Italien als Trainer beschäftigt, der Vertrag dort läuft gerade aus. „Seine Pferde kommen nach Mailand“, berichtete Kirchhoff über Onischenko: „Noch stehen sie bei Paul Schockemöhle.“ 20 Kilometer von Mailand entfernt soll die neue Heimat des kuriosen Teams aufgebaut werden, zu dem auch Onischenko selber gehört.

Der Ukrainer schaffte es mit seinen zusammengekauften Teams immerhin zu zwei Olympia-Teilnahmen. In der Weltrangliste liegt er derzeit noch vor Kirchhoff auf Rang 1112. „Wir haben einige gute Leute“, sagte Kirchhoff über seine neuen Teamkameraden. Dazu gehören die ehemalige deutsche Meisterin Katharina Offel, der Brasilianer Cassio Rivetti, der Ungar Ference Szentirmai sowie als Trainer Heinrich-Wilhelm Johannsmann aus Gütersloh.

Kirchhoff hofft auf neues Wunderpferd

Bei der WM 2006 gehörten noch zwei Belgier und Björn Nagel aus dem schleswig-holsteinischen Friedrichskoog zum Team Ukraine, das mit Platz vier überraschte. Aber keiner der vielen eingekauften Reiter hat so einen großen Namen wie Kirchhoff. Keiner war so erfolgreich wie der Niedersachse, der von Alwin Schockemöhle in Mühlen ausgebildet wurde.

Mit Jus de Pomme hatte der schlaksige Reiter in Atlanta sowohl im Einzel als auch mit der Mannschaft Gold gewonnen. Nach dem Tod des Ausnahmepferdes hatte Kirchhoff aber nie wieder ein solches Talent unter dem Sattel. Das soll sich nun dank Onischenkos Geld ändern. 

dpa

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