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Glücklose DFB-Elf unterliegt Argentinien 1:3

Rote Karte, Eigentor: Bitterer Neustart nach dem EM-Aus - 15.08.2012 23:05 Uhr

Frankfurt/Main  - Was für ein bitterer Abend: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat ihr erstes Länderspiel der neuen Saison verloren. Gegen die abgezockten Argentinier lief fast alles gegen das glücklose Team von Joachim Löw.

Marc-Andre ter Stegen pariert den Strafstoß von Lionel Messi.
Marc-Andre ter Stegen pariert den Strafstoß von Lionel Messi.
Foto: Frank Kleefeldt (dpa)
Marc-Andre ter Stegen pariert den Strafstoß von Lionel Messi.
Marc-Andre ter Stegen pariert den Strafstoß von Lionel Messi.
Foto: Frank Kleefeldt (dpa)

Nach dem frustrierenden EM-Aus hat die die deutsche Fußball-Nationalmannschaft einen ganz bitteren Neustart erlebt. Im turbulenten Test mit Platzverweis, Elfmeter, Eigentor und Pfostenschuss unterlag das Team von Bundestrainer Joachim Löw Argentinien am Mittwoch mit 1:3 (0:1). Sami Khedira traf unglücklich ins eigene Tor (45.+1 Minute). Für die eine Stunde in Überzahl spielenden Gäste markierten in Frankfurt (Main) Lionel Messi (52.) und Angel Di Maria (73.) die weiteren Treffer. Benedikt Höwedes (82.) sorgte per Kopf noch für etwas Ergebniskosmetik und belohnte damit unter dem Jubel der Fans die nimmermüden Gastgeber.

Deutschlands Torwart Ron-Robert Zieler sah nach Notbremse schon in der 30. Minute die Rote Karte. Danach hielt Marc-André ter Stegen zwar den Elfmeter von Messi, konnte aber am Ende vor 48 808 Zuschauern in der ausverkauften Frankfurter Arena nichts an der klaren Niederlage ändern. «Es kam alles zusammen heute», urteilte Torjäger Miroslav Klose. «Mit zehn Mann ist es schwer, gegen die Argentinier etwas zu bewirken. Aber 1:3 muss man auf keinen Fall verlieren», sagte ter Stegen sichtbar verärgert.


Es war die erste Schlappe für die DFB-Auswahl zum Start einer Länderspielsaison seit neun Jahren. Am 7. September startet das Team in Hannover gegen die Färöer in die Qualifikation für die WM 2014 in Brasilien. «Es geht weiter», nannte Khedira die Devise.

Coach Löw hatte zuvor bei seinem ersten Auftritt nach dem 1:2 im EM-Halbfinale gegen Italien mit einer emotionalen Brandrede den Ton gesetzt. Im Klassiker gegen die Südamerikaner sollte sein Team die richtige Antwort auf Diskussionen um das Mitsingen der Nationalhymne, Verwöhnprogramme oder fehlende Leitwölfe geben. Und so übernahm der Gastgeber mit hohem Einsatz von Beginn an die Spielkontrolle und gewann schnell die Herzen der Fans.

Schon nach drei Minuten setzte Marco Reus das erste Signal. Der Neu-Dortmunder war vor Anpfiff als Fußballer des Jahres ausgezeichnet worden, wie zum Beweis tanzte er sich durch Argentiniens Abwehr und legte den Ball clever zurück. Mesut Özil kam jedoch einen Schritt zu spät. In der 12. Minute bediente der auf Zuspiel von Reus zur Grundlinie durchgespurtete Klose erneut Özil, der aber aus kurzer Distanz nicht an Torwart Sergio Romero vorbeikam.

Das Fehlen einiger Stammspieler machte sich bei der couragierten DFB-Auswahl zu Beginn kaum bemerkbar. Kapitän Philipp Lahm hatte auf die Partie verzichtet, weil er am Vormittag erstmals Vater geworden war. Bastian Schweinsteiger (Trainingsrückstand), Keeper Manuel Neuer, Mario Gomez (verletzt), Lukas Podolski und Per Mertesacker - beide sollen sich beim FC Arsenal beweisen - waren nicht dabei.

 Nach 25 Minuten musste dann auch noch Mats Hummels das Feld räumen. Zuvor war er heftig mit Gonzalo Higuain zusammengeprallt und hatte eine Halswirbelverrenkung erlitten. Der Schalker Höwedes rückte nach. Nun kamen die Argentinier besser ins Spiel. Als Javier Mascherano den Ex-Bayern José Ernesto Sosa steil schickte, kam Schlussmann Zieler etwas zu spät und holte den Mittelfeldspieler von den Beinen - Rot für den Hannoveraner und Elfmeter.

 Doch der für Neuer nachnominierte ter Stegen verhinderte zunächst den Rückstand. Bei seinem Debüt im Nationalteam hatte er noch fünf Tore gegen die Schweiz kassiert, diesmal parierte der Gladbacher den schwach geschossenen Strafstoß des dreimaligen Weltfußballers Messi.

 In Unterzahl mussten sich die Hausherren neu sortieren. Der wieder in die Startelf zurückgekehrte Thomas Müller hatte für ter Stegen weichen müssen. Löw gab von der Seitenlinie immer wieder Anweisungen, Klose rutschte nach Flanke von Marcel Schmelzer am 1:0 vorbei. Dann der nächste Rückschlag: Khedira lenkte einen Eckball seines Real-Madrid-Kollegen di Maria ins eigene Netz (45.+1).

 Vier Minuten nach Wiederanpfiff hatte auch Reus Pech. Sein herrlicher Schuss aus 20 Metern klatschte an den linken Pfosten. Und es wurde noch bitterer. Higuain legte für Messi auf, der Superstar des FC Barcelona überwand ter Stegen mit einem trockenen Flachschuss. Seit 56 Jahren hatte die deutsche Mannschaft zuvor in Frankfurt kein Länderspiel verloren, nun bahnte sich das Ende dieser Serie an.

 Clever verwalteten die Argentinier nun den Vorsprung. Messi vergab sogar völlig frei bei einem Lupfer das mögliche 3:0. Auf der Gegenseite sorgte zumindest der für Klose eingewechselte André Schürrle noch einmal für etwas Gefahr. Doch es traf di Maria, der kurz vor seiner Auswechslung per Fernschuss-Kracher noch eins drauf setzte. Immerhin gab Höwedes mit seinem ersten Länderspieltor den Zuschauern noch einmal Grund zum Jubeln. Mehr war nicht drin.

 In gut drei Wochen beginnt nun der Ernst der WM-Qualifikation. Neben den Faröer sind Österreich, Schweden, Irland und Kasachstan weitere Gegner. 

Von Jens Mende und Klaus Bergmann, dpa


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