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Ice Tigers in der Krise: "Es wird eine Neuausrichtung geben"

Wolfgang Gastner und Martin Jiranek wollen das Team verjüngen - 10.01.2019 18:45 Uhr

Geschäftsführer Wolfgang Gastner hat bereits einen Wunschkandidaten für die Nachfolge von Martin Jiranek auf dem Trainerposten. © Sportfoto Zink / ThHa


Wolfgang Gastner glaubt noch daran. Schon allein, weil er sich einfach nicht vorstellen kann, dass sich eine Mannschaft, die am Freitag den zuvor allseits hochgelobten Augsburger EV beim 5:3 weitgehend dominiert hatte, die München geschlagen hat und die Spitzenklubs Kärpät Oulu und Metallurg Magnitogorsk, dass diese Mannschaft sich nach 52 Spieltagen nicht unter den zehn besten Teams der DEL platziert. Gastner hat aber auch gesehen, dass dieselbe Mannschaft am Sonntag in Ingolstadt allenfalls zwölf Minuten Eishockey gespielt und 0:3 verloren hat.

Und trotzdem, "jetzt bleibe ich dabei, dass es möglich ist", entweder 13 Punkte auf den Krefelder EV aufzuholen oder gar 15 auf die Eisbären Berlin. Zwei Argumente gibt es, die den Optimismus des Geschäftsführers stützen: Die Thomas Sabo Ice Tigers haben zwei Partien mehr ausstehen als Krefeld und Berlin, zudem spielen sie noch gegen Krefeld (zweimal) und Berlin (einmal). Allerdings rechtfertigen die Leistungen der Mannschaft diesen Optimismus bislang kein bisschen. Nur an einem Wochenende haben die Ice Tigers sechs von sechs möglichen Punkten geholt, von den jüngsten fünf DEL-Partien haben sie vier verloren. Der Zustand bleibt besorgniserregend, auch der Ausblick lässt nach Lage der Fakten wenig Zuversicht zu.

"Es kann nur besser werden"

Im Januar 2019 haben die Ice Tigers noch keine Vertragsverlängerung vermeldet. Gerüchte beschäftigen sich derzeit nur mit möglichen Abgängen (Leo Pföderl nach Berlin) und nicht mit möglichen Zugängen. Dass Martin Jiranek, Cheftrainer und Sportdirektor, nach dem vermeintlich befreienden Sieg gegen Augsburg eingestanden hat, dass noch gar nicht sicher sei, was der Klub nächstes Jahr vorhabe, passte ins Gesamtbild. Es passt allerdings so gar nicht zum Bild, das Wolfgang Gastner dieser Tage abgibt.

Der Geschäftsführer nimmt Platz, auf dem Konferenztisch seines Büros liegt ein gerahmtes Foto von der Vaillaint Arena in Davos, wo die Ice Tigers beim Spengler Cup im alten Jahr fünf unbeschwerte Tage erlebt hatten. Gastner erinnert sich gerne, ist aber längst wieder im Alltag angekommen. Sein erstes Jahr als Geschäftsführer kann er sich "kaum komplizierter vorstellen. Eigentlich kann es nur besser werden". Auch davon ist er überzeugt. Natürlich verhandeln die Ice Tigers im Januar 2019 mit Spielern, deren Verträge nach der Saison auslaufen und die sie in Nürnberg halten wollen, sie verhandeln mit möglichen neuen Spielern und sie verhandeln auch mit einem möglichen neuen Trainer. Gastner hat einen Wunschkandidaten für die Nachfolge von Martin Jiranek, er ist "voller Hoffnung".

Und am Ende der erste Titel?

So wie Gastner es darstellt, liegen die Ice Tigers im Zeitplan. Natürlich gebe es eine konkrete Kaderplanung, Gastner und Jiranek haben bereits festgelegt, welchen Teil des Budgets sie für welche Position verplanen wollen. "Es wird eine Neuausrichtung geben", sagt Gastner. Das Team soll jünger werden, billiger wird es wohl werden müssen. Mit der aktuellen sportlichen Situation hat das nichts zu tun. Einnahmen aus möglichen Playoff-Spielen sind ohnehin nicht eingeplant. Gastner deutet aber an, dass Thomas Sabo sein Engagement reduzieren wird, nicht dramatisch, er sagt: "Viele meinen, Thomas Sabo macht das schon, der bezahlt alles, sichert in Nürnberg Top-Eishockey. Das ist aber nicht richtig so." Unter den bestehenden Sponsoren hat er derweil trotz der kurzen Berg- und der langen Talfahrten "ein unfassbares Wir-Gefühl ausgemacht", er hat neue Partner gefunden, sucht aber immer auch nach Geldgebern, "die Thomas Sabo nicht ersetzen sollen, die aber vielleicht sogar gleichberechtigt sind".

Gastner bezeichnet sich als Zweckoptimisten. "Es dauert jedes Jahr eine Zeitlang, bis ich mir eingestehe, jetzt werden wir doch nicht Meister." Auch das ist übrigens immer noch möglich. 

SEBASTIAN BÖHM

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