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„In der Oberliga hatte ich ja kaum Gegner“

Deniz Menekse gilt als Nürnbergs größtes Ringer-Talent - muss den SC 04 aber wohl verlassen - 19.01.2012 14:20 Uhr

Brückenschlag zwischen Ober- und Bundesliga: Ringer-Ass Deniz Menekse muss den SC 04 und seinen Trainer Volkan Sen verlassen. © Fengler, Schickler


Vergangene Saison gewann er in der Oberliga locker alle seine Kämpfe im griechisch-römischen Stil. Die Bundestrainer haben dem 18-Jährigen nun zu einem Vereinswechsel geraten.


Was genau haben denn die Bundestrainer zu Ihnen gesagt?

Deniz Menekse: Wenn ich weiterkommen will, muss ich in einer höheren Liga ringen, mindestens in der 2. Bundesliga. In der Oberliga hatte ich ja kaum Gegner, die mithalten konnten. Deswegen suche ich auch selbst nach einer neuen Herausforderung. Mein Wunsch ist es, einmal in der Bundesliga zu ringen. Ich wäre daher auch gewechselt, wenn mir der Bundestrainer nicht dazu geraten hätte.

Fühlen Sie sich durch den Bundestrainer zu einem Wechsel gedrängt?

Menekse: Gedrängt ist nicht das richtige Wort, aber er hat klar gesagt, dass es das Beste für mich wäre. So wie ein Fußballer den Traum hat, einmal in der Bundesliga zu spielen, so geht mir das eben auch als Ringer.

Ihr Weggang vom SC 04 Nürnberg ist also beschlossene Sache?

Menekse: Ja, ich werde auf jeden Fall wechseln, aber wohin, ist noch nicht klar, das werde ich erst im Februar entscheiden.

Warum wollen Sie denn noch weiter warten?

Menekse: Ich möchte erst die Deutschen Junioren-Meisterschaften Ende Februar hinter mich bringen. Dort werden mich auch Trainer sehen, die mich bisher nicht kennen. Dadurch werden vielleicht noch weitere Angebote von Vereinen kommen, die ich dort überzeugen konnte.

Wie lautet Ihr Ziel für die DM?

Menekse: Ich möchte meinen Titel verteidigen und wieder Erster werden, was ich die letzten drei Jahre ja schon geschafft habe.

Wie sehr hängt Ihr Herz am SC 04?

Menekse: Eigentlich kann ich mir nicht vorstellen, woanders zu ringen, aber ich muss loslassen und nach vorne schauen. Ich kann ja nicht mein Leben lang in der Oberliga ringen.

Wie schwer fällt es Ihnen, den Verein zu verlassen?

Menekse: Es fällt mir unglaublich schwer, mich von meinem Trainer Volkan Sen zu trennen. Er hat mich von klein auf gefördert, war immer an meiner Seite. Außerdem verstehen wir uns auch privat gut und die Mannschaft geht gerne mal zusammen weg.

Gibt es eine Lösungsvariante, bei der Sie sich vielleicht nicht komplett von Ihrem Trainer lösen müssten?

Menekse: Ich habe vor, ein Doppelstartrecht zu beantragen, so dass ich bei Einzelmeisterschaften weiterhin für 04 starten kann, aber in der Mannschaft für einen anderen Verein kämpfe. So könnte ich auch weiterhin mit ihm trainieren. Er hat auch immer betont, dass für mich stets alle Türen bei ihm offen stehen.

Ihr Trainer hat also vollstes Verständnis für Ihre Entscheidung?

Menekse: Er hat immer zu mir gesagt, ich solle für einen Wechsel auf den richtigen Zeitpunkt warten und dieser ist für mich jetzt gekommen. Er kann aber auch gar nicht richtig sauer auf mich sein, denn er möchte ja, dass ich weiterkomme.

Können Sie sich vorstellen zum großen Lokalrivalen SV Johannis zu wechseln?

Menekse: Vorstellen kann ich es mir nur sehr schwer, aber Johannis wäre wohl die beste Option. Da könnte ich in der ersten und in der zweiten Bundesliga starten und es ist direkt vor der Haustüre. Wir werden sehen.

Hat Johannis schon bei Ihnen angefragt?

Menekse: Es haben sich schon mehrere Bundesligavereine bei mir gemeldet, aber mehr kann ich dazu derzeit noch nicht sagen.

Welche Faktoren sind denn entscheidend für Ihre Vereinswahl?

Menekse: Es gibt Vereine, die auch einen Ausbildungsplatz dazu anbieten können. Das ist natürlich wichtig für meine Zukunft, denn ich kann ja nicht mein Leben lang ringen. Meinen letzten Ausbildungsplatz als Konstruktionsmechaniker habe ich ja wegen zu vieler Fehltage durch das Ringen verloren.

Gibt es noch Alternativen zum Vereinswechsel?

Menekse: Ich habe einen Antrag für die Sportfördergruppe der Bundeswehr gestellt. Zuletzt war da kein Platz mehr frei, aber aktuell warte ich noch auf eine Antwort. Das wäre optimal, dann könnte mich voll aufs Ringen konzentrieren. Ich würde in Schifferstadt wohnen, erst eine ganz normaler Grundausbildung bei der Bundeswehr machen und danach könnte ich jeden Tag zweimal trainieren.

Welche Ziele haben Sie sonst noch?

Menekse: Mein größtes Ziel ist es, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Ob es 2016 oder 2020 sein wird, ist mir eigentlich egal. Für dieses Ziel würde ich auch alles aufgeben — außer meiner Familie.

  

Interview: MARKUS ERLWEIN

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