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Kießling: "Dem FCN fehlt leider etwas die Konstanz"

Die NZ spricht mit dem stürmenden Schlaks aus Oberfranken - 11.10.2017 17:07 Uhr

Komm her, Kieß! Beim Club sorgte der damals noch junge Blondschopf nicht nur bei Ivan Saenko für Begeisterung. © Eduard Weigert


NZ: In der Aufstellung von Bayer Leverkusen vermisst man seit einiger Zeit den Namen Stefan Kießling. Wird sich daran etwas ändern, oder ist das Ende der Laufbahn nahe?

Stefan Kießling: Das Ende meiner Karriere ist nahe, aber ich habe noch einen Vertrag bis Mai 2018. Ich mache mir aber keine großen Hoffnungen mehr. Ich möchte aber noch einen schönen Abschluss meiner Laufbahn feiern.

"Es war für mich schon schwierig", sagt Stefan Kießling. Ab und zu hatte er aber auch in der jüngeren Vergangenheit Spaß in Leverkusen. © dpa


NZ: Der Stachel der Enttäuschung nach elf erfolgreichen Jahren für Bayer sitzt offensichtlich tief...

Kießling: Es war im letzten Jahr für mich schon schwierig. Aber ich wurde im Kampf um den Klassenerhalt ja doch noch gebraucht und konnte auch zeigen, dass ich noch Fußballspielen kann.

NZ: Die Bilanz bei Bayer stimmt auf jeden Fall und kann sich mit 131 Toren in 338 Bundesliga-Spielen sehen lassen. Sind Sie zufrieden?

Kießling: Es passt schon.

NZ: Darunter war auch das sogenannte Phantomtor, als der Ball in Hoffenheim durch ein Loch im Außennetz ins Tor flog. Ist es auch heute noch ein Thema?

Kießling: Ich bin froh, dass ich damit nur noch selten konfrontiert werde. Es ist ja auch schon einige Zeit her.

Vize-Meister und Vereinstreue 

NZ: Bayer Leverkusen mischt seit einigen Jahren in der Bundesliga ganz oben mit. Warum aber hat es nie zum Deutschen Meister gereicht?

Kießling: Wir haben schon einige Male gut mitgespielt und besaßen auch Qualität. Aber vielleicht sind wir mit dem Druck nicht fertig geworden. Zu Buche stehen immerhin zwei Vize-Meisterschaften.

NZ: Es gab vor Jahren einige Angebote, wie etwa das von der Insel vom FC Arsenal. Warum kam es zu keinem Wechsel?

Kießling: Es war für mich nie ein Thema, den Verein zu verlassen, zumal ich immer gespielt habe. Und ich war auch Leistungsträger und auch Kapitän. Außerdem hat bei Bayer alles gepasst.

NZ: Spielte es auch eine Rolle, dass Sie ein Familienmensch sind?

Kießling: Entscheidend war meine Situation im Verein. Als ich im letzten Winter nicht mehr zum Zuge kam, habe ich mir so meine Gedanken gemacht und mit einem Wechsel zu Hannover 96 geliebäugelt. Doch es kam alles anders: Ich habe meinen Vertrag mit Leverkusen verlängert.

"Da muss man den Jogi fragen"

NZ: Sie haben es zu sechs Einsätzen im Nationalteam gebracht. Hätten es nicht einige mehr sein können?

Kießling: Eigentlich schon. Aber da muss man den Jogi fragen. Doch die Konkurrenz war natürlich mit Mario Gomez groß. Für mich war es stets eine große Ehre, für unser Land spielen zu können. Aber da war halt jemand da, der es anders gesehen hat.

NZ: Alle sechs deutschen Teilnehmer in der Champions League und Euro-League haben dieser Tage verloren. Ein klares Zeichen von Schwäche?

Kießling: Ich glaube, dass es eine extreme Ausnahme war. So etwas wird so schnell nicht mehr vorkommen. Doch es darf nicht vergessen werden, dass Spanien und England eindeutig vor uns liegen. 

Es bleibt dabei, dass in Deutschland nur der FC Bayern München und gelegentlich auch Borussia Dortmund international mitmischen können.

Rapha, Chico und Hans Meyer

NZ: Die Laufbahn des gebürtigen Oberfranken Kießling hat beim 1. FC Nürnberg begonnen. Bleibt die Erinnerung an diese Zeit erhalten?

Kießling: Es ist schon weit weg. Genau zwölf Jahre, aber ich kann die schöne Zeit mit Spielern wie Raphael Schäfer oder Thomas Paulus oder dem Betreuerstab mit Zeugwart Chico natürlich nicht vergessen. Ich hatte auch noch Hans Meyer als Trainer. Ein paar Kontakte gibt es immer noch.

Intensiver Blick auf den FCN

NZ: Hat der Club in der laufenden Saison eine reelle Chance, in die Bundesliga aufzusteigen?

Für sein Fernstudium kehrte der ehemalige Club-Torjäger nach Nürnberg zurück. Unser Bild zeigt ihn mit Daniela und Thomas Roßberger, die Gründer der ESM Academy. © Foto: Dieter Bracke


Kießling: Ich verfolge das Geschehen sehr intensiv. Der Verein besitzt immer das Potenzial, um ganz vorne mitmischen zu können. Nur fehlt leider etwas die Konstanz. Zwei oder drei ältere Spieler müssen Struktur in die Mannschaft bringen.

NZ: Wie sieht die berufliche Zukunft nach einem Fernstudium bei der anerkannten ESM Academy in Nürnberg aus?

Kießling: Nach Beendigung meiner Karriere werde ich mit meiner Familie erst einmal in den Urlaub fahren. Ich habe ja noch einen Anschlussvertrag bei Bayer und will mithelfen, den Verein weiter nach vorne zu bringen. Das Studium hat mir in meiner Entwicklung geholfen. Nur eines steht absolut fest: Den Trainer Stefan Kießling wird es nicht geben.

  

Fragen: Dieter Bracke

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