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Plötzlich mittendrin: Bundesliga-Debüt für Gorpishin

19-jähriger Kreisläufer erlebte in Hannover trotz der Niederlage "einen Traum" - 29.09.2017 13:44 Uhr

Defensiv ein sehr ordentliches Debüt, "das motiviert mich natürlich": Sergej Gorpishin, Kreisläufer des HC Erlangen, hier für die zweite Mannschaft im Einsatz. © Harald Sippel


Vor ein paar Monaten, da hießen die Gegner für Sergej Gorpishin noch MSG Groß-Bieberau/Modau, TV Groß-Umstadt oder HSG Nieder-Roden. Für die Handballfreunde Springe stand der russische U21-Nationalspieler in der Abwehr und am Kreis, verlängerte sogar im Sommer seinen Vertrag noch einmal, was der Verein stolz bekannt gab. Sein Co-Trainer in Springe: Vater Wjatscheslaw Gorpishin, Olympiasieger mit Russland und einst Starspieler für die HG Erlangen.

Dann kam plötzlich das Angebot vom HC Erlangen. Die Bundesliga lockte, die Geburtsstadt obendrein, und auch die U23-Mannschaft, die den Aufstieg in die 3. Liga geschafft hatte. Vor allem für den Nachwuchs sollte Gorpishin helfen, die Liga zu halten. In der Bundesliga gehört ihm vielleicht die Zukunft, so die Verantwortlichen - die Gene dafür besitzt er ja ohne Zweifel.

Trotzdem durfte Gorpishin bald in der Bundesliga mit auf der Auswechselbank sitzen, in die Arena Nürnberg einlaufen, in Flensburg in die "Hölle Nord". Jonas Thümmler, der Etat-Kreisläufer, hatte sich die Strecksehne gerissen, mit Uros Bundalo war nur noch ein Ersatz übrig.

"Ich genieße jeden Moment"

"Ich genieße jede Minuten hier, ständig lerne ich dazu, es ist einfach toll", freute sich der 19-Jährige, mitspielen aber durfte er nie. Spiel für Spiel saß er die vollen 60 Minuten auf der Bank. "Es war trotzdem aufregend", sagt er, "aber natürlich ist es etwas ganz anderes, sich mitzufreuen und mitzuleiden, wenn man selber mitkämpfen durfte auf dem Feld." Am Donnerstag, beim 19:25 in Hannover war es endlich soweit: Bundalo wurde von Andersson vom Feld gerufen, Gorpishin durfte in Angriff und Abwehr aufs Feld.

"Es war einzigartig", sagt Sergej Gorpishin über seine ersten Minuten Bundesligahandball, "es hat unglaublich Spaß gemacht – auch wenn ich natürlich traurig bin, dass wir verloren haben." Immer wieder schob und drückte er seine prominenten Gegenspieler zur Seite, versuchte Lücken zu reißen für seine Mitspieler. "Vorne ist es noch ein Stück für Sergej", sagte Trainer Andersson hinterher, der seinen Youngster lobte: "Sergej hat das sonst toll gemacht, vor allem in der Deckung war er gut. Das wusste ich aber, dass er das schon gut macht." Der Vater war schließlich Abwehrchef der russischen Nationalmannschaft.

Anruf beim Papa

Gorpishin selbst strahlte in Hannover nach Spielschluss, wenn man ihn auf die vorangegangenen Augenblicke ansprach: "Ich meine, man muss sehen, dass ich das alles ja vor ein paar Monaten noch im Fernsehen angesehen habe. Jetzt bin ich mittendrin – das ist ein tolles Gefühl." Auch, dass er sieht, dass er das Tempo in der Bundesliga mitgehen kann. "Das motiviert natürlich noch mehr."

Auch wenn das Spiel unter dem Strich nicht so endete, wie das Gorpishin und sein HC Erlangen gern gehabt hätten, für den jungen Neuzugang erfüllte sich in Hannover ein Traum. Auf dem Rücken steht ja schon die Nummer 15, die schon Vater "Slawa" für Erlangen trug. "Ob ich dem Trikot heute die nötige Ehre erwiesen habe, weiß ich noch nicht. Ich werd ihn gleich mal anrufen und nachfragen." 

Christoph Benesch Erlangen E-Mail

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