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Polak will beim FCN mit anpacken

Pokalsieger von 2007 kehrt gereift nach Nürnberg zurück - 24.07.2014 05:58 Uhr

Will als erfahrener Spieler der jungen Mannschaft des 1. FC Nürnberg Sicherheit verleihen: Jan Polak.

Will als erfahrener Spieler der jungen Mannschaft des 1. FC Nürnberg Sicherheit verleihen: Jan Polak. © Sportfoto Zink / DaMa


Und wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre es so weit auch gar nicht gekommen: „Ich wollte ja gar nicht weg“, sagt Polak selbst. Am Höhepunkt der jüngeren Vereinsgeschichte des 1. FCN war unter Trainer Hans Meyer plötzlich kein Platz mehr für ihn. Da kam das Interesse des belgischen Topklubs RSC Anderlecht gerade recht. Die Brüsseler waren bereit, tief in die Tasche zu greifen. 3,5 Millionen Euro soll der Club damals überwiesen bekommen haben.

„Das weiß ich nicht genau. Das hat mich auch nicht interessiert. Für einen Spieler sind andere Dinge wichtig“, erinnert sich Polak, der im EM-Jahr 2008 eben auf möglichst viele Einsätze auf höchstem Niveau kommen wollte, um seine Nominierung für die tschechische Auswahl nicht zu gefährden. „Deshalb habe ich einem Wechsel auch zugestimmt“, blickt der defensive Mittelfeldstratege zurück.

Im Nachhinein hatte die sportliche Veränderung aber auch viel Gutes und füllt inzwischen zwei dicke Kapitel seiner Vita. Mit Anderlecht gewann er den Landespokal und wurde zweimal Vizemeister. Im dritten Jahr fiel er früh mit einem Kreuzbandriss aus, darüber konnte ihn auch der Meistertitel am Ende der Saison nur schwer hinwegtrösten. Körperlich erholte sich der Tscheche aber wieder und wurde erneut Stammspieler.

Auch als Mensch gereift

Immer wieder lagen seinem Verein Anfragen für ihn vor. „Doch sie verlangten dann einfach eine zu hohe Ablösesumme“, sagt Polak, der bei den Belgiern eben hoch im Kurs stand. Erst nachdem er seinen auslaufenden Vertrag mit einer neuen, niedriger dotierten Klausel verlängert und der VfL Wolfsburg im Januar 2011 angefragt hatte, führte sein Weg zurück in die Bundesliga. „Ich war froh, wieder in Deutschland zu spielen“, sagt Polak, der in der VW-Stadt weitere „dreieinhalb schöne Jahre“ erlebt hat.

Sieben Jahre sind seit seinem Abschied aus Nürnberg vergangen, in denen der Fußballer Polak auch als Mensch gereift ist. „Früher war ich noch wild und wollte überall auf dem Platz sein. Mittlerweile weiß ich aber, dass es darum geht, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“ Polak vertraut inzwischen zunächst seinen Sinnen, ehe er auf seine Beine setzt, die aber trotz seiner 33 Jahre keine Anzeichen von Müdigkeit verraten. „Ich bin mir nicht zu schade für die Drecksarbeit. Ich kann immer noch marschieren“, sagt Polak, der im Trainingslager in Oberstaufen diesen Eindruck auch bestätigt hat.

"Bis heute superdankbar"

Seine Rückkehr nach Nürnberg ist auch eine Reise in seine Familiengeschichte. Sein erster Sohn Daniel kam hier vor sieben Jahren zur Welt: „Nürnberg war meine erste Station im Ausland. Dafür bin ich bis heute superdankbar.“ Der Kontakt zu Sportvorstand Martin Bader riss nie ab. „Ich hatte immer ein gutes Verhältnis zu Martin. Und irgendwann hat sich die Idee entwickelt, zurückzukommen. Ich kenne die Umgebung, die Leute und bin nicht weit weg von meiner Heimat“, sagt Polak, der beim Club als Führungsspieler Verantwortung übernehmen soll.

Da spielte es für den Club auch keine Rolle, dass Polak die zweite Liga bislang nur aus dem Fernsehen kannte. Über die Gesetzmäßigkeiten, die im Fußball-Unterhaus über Auf- und Nicht-Aufstieg entscheiden, weiß Polak Bescheid. „Wir müssen sehr hart kämpfen. Ich werde die anderen Mannschaften sicher nicht unterschätzen“, sagt er. Die Qualität im Kader sei vorhanden, allzu großen Erwartungen begegnet der Tscheche aber mit einem Tritt auf die Euphoriebremse: „Die Jungs sind sehr hungrig, aber manchmal lässt sich das Potenzial nicht gleich bestätigen. Ich will jetzt nicht nach einem Alibi suchen, aber wenn man 14, 15 neue Spieler hat, braucht man Geduld und darf nicht panisch werden. Wir müssen uns erst kennenlernen auf dem Platz.“

Folgen die jungen Mitspieler seinem Leitbild, dürfte viel zu erwarten sein: „Ich will den Leuten beweisen, was ich immer noch leisten kann. Deshalb werde ich mich top vorbereiten, um fit zu sein und alles für den Club zu geben.“ Die Bilder vom Pokalsieg schwirren ihm nur noch im Hinterkopf herum. „Es ist schön für mich, auf die Fotos von damals zu schauen, aber davon kann ich und der Verein jetzt nicht mehr leben. Das ist lange her.“

JAN POLAK - geboren: 14. März 1981 in Brünn / Nationalität: tschechisch / Größe: 1,81 m / Gewicht: 80 kg / Position: Mittelfeld / Rückennummer: 8 / Vertrag bis: 2016 / Bisherige Vereine: VfL Wolfsburg, RSC Anderlecht, 1. FC Nürnberg, Slovan Liberec, 1. FC Brünn / Bundesligaspiele/Tore: 135/6 / Länderspiele/Tore: 65/8. 

von Stefan Jablonka

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