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"So kaputt wie heute war ich noch nie"

Daniela Ryf verteidigte ihren Titel, war von der Weltbestzeit aber weit entfernt - 09.07.2017 21:48 Uhr

„Ich bin sehr, sehr happy mit meinem Rennen“, sagte Daniela Ryf nach ihrer Titelverteidigung. „Vor sechs Wochen bin ich ja noch kaum gelaufen.“ © F.:Sportfoto Zink


Im Mai hatte die zweifache Hawaii-Siegerin noch angekündigt, die Weltbestzeit knacken zu wollen – auch wenn sie dies im Nachhinein bestritt. "Mich fasziniert die Weltbestzeit, und ich will herausfinden, welche Zeit ich schaffen kann", hatte sie kurz vor dem Rennen gesagt. Ihre Vorbereitung verlief alles andere als optimal: Drei Monate war Ryf verletzt, erst vor sechs Wochen konnte sie ihr Lauftraining wieder aufnehmen.

"Realistisch ist eine neue Weltbestzeit mit meiner Verletzung deshalb sicher nicht." Auch gestern habe ihr der Rücken – vor allem auf der Marathonstrecke – weh getan. "Ich bin echt kaputt", sagte Ryf im Ziel. "So kaputt war ich noch nie."

Van Vlerken wurde Vierte

Auch wenn die Weltbestzeit kein Thema war, war ihr der zweite Roth-Sieg in Folge nicht zu nehmen. Sie kam als erste Frau aus dem Main-Donau-Kanal, auf dem Rad baute sie ihre Führung schnell aus. In der zweiten Wechselzone hatte sie schon deutlich über zehn Minuten Vorsprung. Im Ziel waren es immer noch gut elf Minuten auf Laura Siddal (8:51:38) und sogar 17 Minuten auf die US-Amerikanerin Lisa Roberts (8:57:14). Publikumsliebling Yvonne van Vlerken, dreifache Roth-Siegerin, kam in 9:07:40 Stunden als Vierte ins Ziel.

"Bei Kilometer 25 habe ich aber nicht gedacht, dass ich es ins Ziel schaffe", verriet Ryf nachher. Sie habe auf dem Rad versucht, Gas zu geben. "Beim Laufen habe ich dafür dann bezahlt", sagte sie. Die Zuschauer an der Strecke seien schließlich der Adrenalinschub gewesen, der sie bis ins Ziel gebracht habe. "Das Rennen heute war wie mein ganzes Leben: Anfangs habe ich mich wie ein Baby gefühlt, beim Radfahren hatte ich die Midlife-Crisis, und beim Laufen bin ich Kilometer für Kilometer ein Jahr älter geworden."

Gegenwind und eine härtere Laufstrecke

Neben ihrer Verletzung machte die 30-jährige Schweizerin auch die neue Laufstrecke für ihre langsamere Zeit verantwortlich (siehe auch Seite 3): "Letztes Jahr hat mir der Kiesweg entlang des Kanals sehr gut gefallen. Die neue Strecke ist sehr anspruchsvoll, meine Beine waren ganz schön gefordert. Aber von der Stimmung her war der neue Wendepunkt mit dem See in Büchenbach super."

Problematisch empfand Ryf außerdem den starken Wind auf der 90 Kilometer langen Radstrecke, die die Athleten zweimal absolvieren mussten: "Wir hatten viel Gegenwind", sagte sie, überlegte kurz und ergänzte dann mit einem Lächeln: "Eigentlich müsste sich der Gegenwind bei einem Rundkurs ja wieder aufheben."

Vermutlich haben die Zuschauer des Challenge Roth Daniela Ryf gestern vorerst zum letzten Mal gesehen. "Ich weiß noch nicht, ob ich nächstes Jahr wiederkommen werde, vielleicht eher nicht." Es sei schwer, sich mit Roth und Hawaii auf zwei Höhepunkte zu konzentrieren und dann auch noch die Qualifikation für Hawaii zu absolvieren. "Aber schauen wir einfach mal." 

Markus Kaiser

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