Dienstag, 11.12.2018

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SpVgg-Kickerin: Stipendium führt vom Ronhof in die USA

Ann-Kathrin Wolfram hat ein Ziel vor Augen - Ihr Vorbild ist Toni Kroos - 21.08.2018 16:00 Uhr

Das Trikot der SpVgg Greuther Fürth wird Ann-Kathrin Wolfram vorerst Jahr nur noch in ihrer Freizeit überstreifen. Sie spielt ein Jahr lang Fußball in den USA. © Quirin Seilbeck


Die Gratulationen ihrer Mitspielerinnen konnte Ann-Kathrin Wolfram gar nicht mehr persönlich entgegennehmen. Dabei hatte die 18-Jährige ihre Fußball-Expertise bewiesen – und im Weltmeister-Tippspiel mit ihren Teamkolleginnen korrekterweise auf Frankreich gesetzt. Doch am Tag des Endspiels war Wolfram schon nicht mehr in Fürth, sondern hatte einen neunstündigen Flug nach Baltimore hinter sich.

Baltimore ist die Hauptstadt des US-Bundesstaates Maryland und liegt südlich von New York und Philadelphia. Dort wird die Langenzennerin im Rahmen ihres einjährigen Sportstipendiums an der Loyola Maryland University "Speech Language Hearing Science" studieren. Und ausgiebig Fußball trainieren. Denn sie ist in einem universitären Sportinternat untergebracht.

Die Dinge nahmen ihren Lauf

Da solche Stipendien heiß begehrt sind, musste Wolfram sehr gute Leistungen vorweisen. Das Auswahlverfahren bestand aus einem akademischen und sportlichen Teil. In beiden Bereichen überzeugte die junge Langenzennerin. Natürlich habe auch ihr Einser-Abitur mit dazu beigetragen, erzählt sie.

Zuerst habe sie aber gezögert, sich um das Stipendium, das die Firma "Jomi Sport Scholarships" vermittelt hat, zu bemühen: "Ich hatte eigentlich andere Ziele nach der Schule, wie zum Beispiel ein FSJ." Dann aber habe sie sich irgendwann gesagt: "Ich mach’ das jetzt einfach." Und die Dinge hätten ihren Lauf genommen.

Als Überbrückungszeit bis zum Semesterstart im September besucht sie in den USA abends eine Sommerschule. Tagsüber will sie den Fokus vor allem auf Kraft- und Ausdauertraining legen, damit sie auf ein ähnliches Level wie ihre Studienkolleginnen kommt. Denn das Fußballspiel in den USA "ist wesentlich körperbetonter als in Deutschland".

Doch diesen Herausforderungen sieht sich Wolfram gewachsen. Schon im Alter von zwei Jahren hat sie das erste Mal gegen den Ball getreten, mit vier Jahren wurde sie Mitglied im Fußballverein. Auch in der Familie sei der Sport von großer Bedeutung, sagt sie. Durch ihre drei älteren Brüder sei sie zum Kicken gekommen. "Wir haben früher täglich zusammen Fußball gespielt. Unser Garten war für ein Zwei-gegen-zwei-Spiel bestens geeignet."

Das Talent der Mittelfeldspielerin zeichnete sich schon früh ab. Bei einem F-Jugend-Turnier wurde sie einmal zur besten Spielerin gekürt – unter allen Jungs. Doch irgendwann durfte sie nicht mehr in gemischten Teams spielen und musste sich nach neun Jahren beim TSV Langenzenn neu orientieren. "Ich hatte den Ehrgeiz, fußballerisch weiterzukommen. Ich wusste, mein Spiel ist gut, aber ich kann mehr." Sie fragte bei höherklassigen Frauenteams an und landete schließlich beim Kleeblatt, wo sie seit 2014 als defensive Mittelfeldspielerin die Fäden im Spiel zieht.

Ihre Stärken sieht Wolfram im Spielen der finalen Pässe und in der Übersicht, die man im defensiven Mittelfeld unbedingt brauche. Die 1,72 Meter große Mittelfeldspielerin weiß aber auch, wo sie noch Verbesserungspotenzial hat: "Mir ist in den letzten Jahren etwas die Ruhe verloren gegangen, da ich zu viel auf einmal machen möchte. Da muss ich noch Erfahrung sammeln."

Mit dem Weltmeister und Champions-League-Sieger Toni Kroos hat sie dafür ein geeignetes Vorbild. Der 28-jährige Spieler von Real Madrid ist ebenfalls Mittelfeldstratege. Die junge Langenzennerin schätzt an ihm besonders seine "ruhige und souveräne Spielweise als Sechser".

Nur ein Hobby

Generell beschäftigt sich Wolfram viel mit der Welt des Männerfußballs. Zwar sei es unfair, dass die Männer im Profibereich Millionenbeträge kassieren und die Frauen in der Nationalmannschaft sich gerade einmal über Wasser halten können. Aber sie habe das akzeptiert. "Das ist nun mal so. Für mich ist Fußball ein Hobby", konstatiert sie nüchtern.

Sollte es nicht mit einer großen Karriere klappen, gehe für sie die Welt auch nicht unter, denn durch das bevorstehende Stipendium kann sie zweigleisig planen.

Jetzt steht der jungen Langenzennerin aber erst einmal ein aufregendes Jahr in Amerika bevor. "Ich möchte dort möglichst viele Erfahrungen sammeln, mein Bestes im Fußball geben und mein Englisch weiter verbessern." Ihre Zukunft sieht Ann-Kathrin Wolfram jedoch in Deutschland – am liebsten in Bayern. Und auch sportlich hat sie bereits ein großes Ziel: "Ich will zweite Liga spielen."  

Quirin Seilbeck

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