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Technik oder Glück: Am Ende zählt der Erfolg

Club-Trainer Hecking und Hans Meyer diskutierten im Presseclub über Trends im Profifußball - 12.01.2011 15:22 Uhr

Nürnberg  - Die allerletzten Trends im Profi-Fußball und was hochkarätige Experten wie Hans Meyer, Dieter Hecking und Christoph Biermann dazu zu sagen haben - diese Versuchsanordnung im Presseclub Nürnberg klang vielversprechend. Entsprechend dicht gedrängt saßen die interessierten Journalisten den Referenten gegenüber.

Bilderstrecke zum Thema
Dieter Hecking und Hans Meyer haben nach der Formel für das perfekte Fußballspiel gesucht. Unser Fotograf Roland Fengler war bei der Diskussion der Akademie für Fußballkultur dabei.

Hightech bei der Spielanalyse findet auch in der Bundesliga immer mehr Anhänger. Club-Trainer Dieter Hecking jedoch denkt zunächst nur bis zum nächsten Samstag: Da geht es erst einmal darum, gegen Borussia Mönchengladbach einen Dreier einzufahren.

"Eine normale Veranstaltung", witzelte Siegfried Zelnhefer. Auch der Presseamt-Chef der Stadt staunte im proppenvollen Marmorsaal über den enormen Besucherandrang: Das hänge wohl "mit Fußball und prominenten Gästen zusammen“. Zahlreiche Interessierte mussten bereits vor dem Eingang kehrtmachen und verpassten so 90 Minuten, in denen die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein den Sportjournalisten Christoph Biermann in ein kontroverses Podiumsgespräch mit Dieter Hecking und Hans Meyer verwickelte.

Technik wird gestestet

Das Buch des Erfolgsautors ("Die Fußballmatrix") ist eine Feldstudie zum Rückgriff auf Analyse-Innovationen. Die finden längst statt, teils in unterirdischen, technisch hochgerüsteten Fußball-Laboratorien bei europäischen Spitzenklubs  - am Beispiel des AC Mailand durchexerziert.

Dieter Hecking, Christoph Biermann, Kathrin Müller-Hohenstein und Hans Meyer im Gespräch (v. li.).
Dieter Hecking, Christoph Biermann, Kathrin Müller-Hohenstein und Hans Meyer im Gespräch (v. li.).
Foto: Zink
Dieter Hecking, Christoph Biermann, Kathrin Müller-Hohenstein und Hans Meyer im Gespräch (v. li.).
Dieter Hecking, Christoph Biermann, Kathrin Müller-Hohenstein und Hans Meyer im Gespräch (v. li.).
Foto: Zink

Geld spielt dabei – ein erster frappierender Unterschied zum Club – offenbar keine Rolle. Die Trainerstäbe erhalten dort von technisch hochgerüsteten "hauseigenen" oder eingekauften Experten zur Nacharbeit und Vorbereitung detailliert Auskunft. Über die eigene Laufleistung oder bevorzugte Spielzüge des nächsten Gegners. Entweder in Form von bewegten, digitalisierten Bildern oder ausgedruckt auf nahezu 100 Seiten.

Bestes Fußballbuch

Bei der Preis-Gala der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur in der Nürnberger Tafelhalle Ende Oktober waren Biermanns Beobachtungen, verbunden mit dem Untertitel: „Die Suche nach dem perfekten Spiel“ zum besten Fußballbuch 2010 gekürt worden. Im Marmorsaal mussten sie sich nun dem Praxistest mit Blick auf ihre Übertragbarkeit auf einen Verein wie den 1. FC Nürnberg stellen.

Diesen nahmen der amtierende Coach Hecking und der gewiefte Trainerfuchs Meyer vor, unter dessen Ägide der FCN 2007 DFB-Pokalsieger geworden war. Im Gegensatz zu jungen Berufskollegen wie Mainz´ Thomas Tuchel, der - exemplarisch für eine neue Trainergeneration - auf die komplexen Hilfsmittel schwört, regiert bei den routinierten Übungsleitern eine merkbare Skepsis.

Welche Zahlen interessieren Dieter Hecking?

Auf die Frage der gebürtigen Erlangerin Müller-Hohenstein, welche Zahlen denn ihn als Cheftrainer interessieren, antwortet Hecking, der sich als „kein großer Freund von Statistiken“ outete: „Das Ergebnis“. Das nackte Datenwerk lasse auch falsche Schlüsse zu: Beim glücklichen Punktgewinn bei der TSG 1899 Hoffenheim seien seine Schützlinge zwar in der Summe rund 118,5 km gelaufen. „Die meiste Zeit aber hinterher.“

Am Ende stand ein wichtiger Zähler, der den Abwärtstrend gegen Ende der Hinrunde stoppte. Als Wesensmerkmal für den Fußball auf Bundesliga-Niveau filtert Hecking den Unterschied zwischen Theorie und Praxis heraus, der sich auf Bundesliga-Niveau in Sekundenbruchteilen spielentscheidend auswirkt. Egal wie gut man vorbereitet ist: Er könne seiner Mannschaft sagen, dass Gladbach acht von zehn Standards hoch auf ihren Angreifer Mohamadou Idrissou bringt, wenn man aber in der Situation nicht wach genug ist, zappele der Ball trotzdem in den Maschen.

Nur wenig direkt verwertbar

In Bausch und Bogen verdammt der Westfale die fleißige Datensammlerei keineswegs. Er stimmt aber mit Meyer überein, dass für den Direkt-Verantwortlichen an der Seitenauslinie wohl nur etwa fünf Prozent der Werte interessant sei.

Um das Beste aus seinem Team rauszuholen, den enormen Wert von Timmy Simons für seine Mannschaft zu erkennen oder um wie zum Hinrunden-Abschluss gegen Hannover überraschend Youngster Philipp Wollscheid in der Startformation aufzubieten, braucht Hecking keine Auswertung. Er vertraut seinem geschulten Auge, seiner mit Instinkt gepaarten Erfahrung und der “täglichen“ Arbeit auf dem Trainingsplatz, um die Entwicklung eines Akteurs nutzbringend für sein Team einzusetzen.

Alle werden mitmachen

Gleichwohl berichtet Hecking über Anstrengungen auch am Valznerweiher, sich passgenau dem Trend anzuschließen. Zumal er davon ausgeht, dass in fünf Jahren alle Bundesligisten in dieser Richtung selbst oder mit Hilfe von außerhalb auf den von Biermann angedeuteten Zug aufgesprungen sind. Des Club-Trainers Credo bleibt gleichwohl: "Fußball ist einfach. Jeder kann ihn verstehen". Insoweit soll auch nicht alles mit Herzfrequenzen und Wärmebildkameras überfrachtet werden. "Es geht, runtergebrochen, darum, ob der Club am Samstag gewinnt oder nicht", so Hecking.

Nicht zu unterschätzen ist traditionsgemäß beim FCN der Faktor Glück. Biermann, der sich keineswegs als Apostel aller in seinem Buch beschrieben Trends verstanden wissen möchte, führt in seinem Buch einen englischen Profi-Wetter ins Feld. Dieser hat bei der bitteren Auswärtsniederlage in Berlin Ende der Abstiegssaison 2007/08 dem Club "schockierendes Unglück" attestiert.

Hans Meyer übernahm den Gegenpart: "Glück kann man trainieren. Der Jan Kristiansen hat ja auch sonst immer den Ball in den rechten Winkel geschlagen", erinnerte er gewohnt süffisant an den historischen Nürnberger Glücksmoment im DFB-Pokalfinale 2007, der ebenfalls in der Hauptstadt vonstattenging. 

Andreas Pöllinger


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