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Triathlon: Vom Kanal zum Zuckerhut

Triathlon in Erlangen ist eine Erfolgsgeschichte - 08.11.2015 11:00 Uhr

In der Bundesliga spielt der TV 48 Erlangen (hier mit Anne Haug, Sophia Saller und Marlene Gomez-Islinger, v. li.) vorne mit und ist dank Anne Haug auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro vertreten. Media © ITU Media


„Triathlon ist ein Ausdauersport, der aus drei Einzelsportarten – Schwimmen, Radfahren, Laufen – besteht und nacheinander mit oder ohne Zeitnahme durchzuführen ist. Neben dem Spaß am sportlichen Vergleich in Wettkampf und Training ist natürlich auch der gesundheitliche Aspekt des Triathlonsports nicht zu vernachlässigen. So wird durch die drei unterschiedlichen Disziplinen der Körper ganzheitlich trainiert, ohne einzelne Muskelgruppen einseitig zu überfordern“, erklären Ulrike Rabenstein, 1. Abteilungsleiterin, Organisationsleitung Erlanger Triathlon und Heinz Rüger, Sporttechnischer Leiter und Team-Chef des Damenteams des Triathlon Bundesligateams TV 1848 Erlangen.

Verkannte Sportart

Im Jahr 1920 wurde in Frankreich erstmals ein Rennen veranstaltet, das sich „Les Trois Sports“ nannte. Der Wettkampf war auf die Distanzen 3 km-Lauf, 12 km-Radwettbewerb und der Überquerung des Flusses Marne festgelegt. Die als Hobby-Wettkampf gesehenen ersten Triathlon-Wettkämpfe erreichten nie eine professionelle Anerkennung, und so wurde es über einige Jahrzehnte still um den modernen Multisport, bis er in Amerika erneut erwachte. Im September 1974 organisierten zwei Amerikaner in San Diego/Kalifornien den ersten Triathlon mit nur 46 Teilnehmern in den Disziplinen 10 km Laufen, ca. 8 km Radfahren und ca. 0,5 km Schwimmen. Einer der Teilnehmer, der in Hawaii stationierte Marine-Offizier John Collins, war später einer der Initiatoren des ersten Hawaii-Ironman im Jahr 1978. Bereits 1977 entstand die Idee, drei traditionelle Ausdauerwettkämpfe in Hawaii über 3,8 km Meeresschwimmen, einen Radrennwettkampf mit einer Distanz von 180 km rund um die hawaiianische Insel Oahu sowie den Honolulu-Marathon über die Distanz von 42,195 km an einem Tag hintereinander durchzuführen. Collins sagte: „Den Sieger werden wir ‚Iron Man‘ (Mann aus Eisen) nennen.“ Der Ironman-Triathlon auf Hawaii, der in Kailua-Kona auf Big Island jährlich als Weltmeisterschaft im Oktober stattfindet, ist auch heute noch einer der bekanntesten und spektakulärsten Wettkämpfe der Welt.

In der Bundesliga spielt der TV 48 Erlangen (hier mit Anne Haug, Sophia Saller und Marlene Gomez-Islinger, v. li.) vorne mit und ist dank Anne Haug auch bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro vertreten. Media © privat


Neben den Ironman- oder Langdistanz- (3,8/ 180/ 42,195 km) und Mitteldistanz-Veranstaltungen (2/ 80/ 20 km) hat die Kurzdistanz oder Olympische Distanz (1,5/ 40/ 10 km) in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Seit der Aufnahme des Triathlons ins olympische Programm schreibt die International Triathlon Union (ITU) seit 1989 Weltmeisterschaften auf der Kurzdistanz aus. Im Jahr 2000 wurde Triathlon mit dieser Distanz olympisch. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking feierte der Saarländer Jan Frodeno den größten Erfolg für die Deutsche Triathlon Union und erkämpfte sich zu aller Überraschung die olympische Goldmedaille.

Vom Trimmathlon zur Abteilung

Die Welle der Begeisterung ergriff nun auch den TV 1848 Erlangen. So richtete Sportlehrer Günther Beierlorzer im September 1985 den 1. inoffiziellen Mini-Triathlon aus, zuerst „Trimmathlon“ genannt, zu dem folgende Sportarten gehörten: Schwimmen und Radfahren, jeweils inklusive Umkleiden, sowie ein abschließendes Laufen. Im Januar 1987 erfolgte schließlich die formale Gründung der Triathlon-Abteilung durch 20 Anwesende in einer Gründerversammlung, die Hubert Schwark und Heinz Rüger mit der Abteilungsleitung betrauten. Die Gründungsmitglieder waren aktive Athleten, die die Gemeinschaft Gleichgesinnter förderten, gemeinsame Trainingseinheiten organisierten und somit zu einer permanenten Weiterentwicklung in der Abteilung beitrugen.

1986 gibt der ehemalige Präsident des TV 1848 Erlangen, Ehrenfried Meier, den Startschuss zum ersten Triathlon im Oberndorfer Weiher. © Erich Malter


In den letzten Jahrzehnten hat die Erlanger Triathlon-Abteilung eine rasante Entwicklung erfahren, die sich auch an den kontinuierlich steigenden Mitgliederzahlen auf insgesamt 292 in unterschiedlichen Alters- und Leistungsklassen widerspiegeln. Eine wichtige Säule der Abteilung ist hier der Breitensport, der erstklassig aufgestellt ist. Zahlreiche Wettkämpfe weltweit zeigen heute Erlanger Triathleten als Einzelstarter, von der Kurz- und Mitteldistanz bis hin zum Ironman oder anderen Langdistanzen. Die Begeisterung für diese Sportart ist so groß, dass zunehmend Triathleten das zeitaufwendige Training für eine Langdistanz auf sich nehmen, um beim legendären „Ironman“ auf Hawaii oder beim Challenge Roth zu finishen. Als meldestärkste Mannschaft finishten im Jahr 1995 TVE-Triathleten beim Ironman in Roth, dem über alle Grenzen hinaus bekannte fränkische Triathlonmekka (Finisher sind Teilnehmer eines Wettbewerbs, die die vorgeschriebene Strecke innerhalb eines gesetzten Zeitlimits absolviert haben).

Viele Titel für Erlangen

Bei den Mannschafts-Wettkämpfen sorgen insbesondere in der 1. Bundesliga Damen, der 2. Bundesliga Männer, der Regionalliga Damen, der Landesliga Männer und der Bayernliga die Athleten des TV 1848 Erlangen immer wieder für Furore. Es konnten bis heute viele Internationale Meistertitel bei den Damen errungen werden (WM: ein Sieg, ein zweiter Platz, EM: fünf erste und acht dritte Plätze, sowie Platz 11 von Anne Haug bei den Olympischen Spielen 2012 in London). Dazu wurden auch sechs Deutsche Meisterschaften gewonnen sowie Bayerische Meisterschaften, zahlreiche Vize-Meisterschaften (zuletzt Damen und Herren 2010) und unzählige weitere Erfolge. Besondere Erwähnung verdient Sabine Stelter, die aufgrund überragender Leistungen den dritten Platz bei der Deutschen Junioren-Meisterschaft erkämpfte und mit der Deutschen Junioren-Nationalmannschaft Europa- und Weltmeisterin wurde. 1991 und 1993 wurde sie zur „Erlanger Sportlerin des Jahres" gekürt. Es gibt kein Jahr, in dem nicht ein Mitglied der Triathlonabteilung zur Wahl „Sportler des Jahres“ nominiert wird. 2009 wurde das Damenteam als Deutscher Mannschaftsvizemeister zur „Mannschaft des Jahres“, das Männerteam auf Platz 2 gekürt. Auch 2011 wurde das Triathlon-Damenteam des TV 48 Erlangen „Mannschaft des Jahres“. Mit Anne Haug, Sophia Saller, Anja Beranek, Kristin Möller nehmen Top-Athletinnen des TV 1848 Erlangen am internationalen Wettkampfgeschehen teil. Anne Haug hat sich jetzt schon für Olympia 2016 in Rio de Janeiro qualifiziert. Anja Beranek gewann heuer den Europameistertitel über die Mitteldistanz und Platz 3 bei der Ironman 70.3 WM 2015 (Mitteldistanz).

Untrennbar mit dem Erlanger Triathlon verbunden ist Heinz Rüger, Sporttechnischer Leiter für den Leistungssportbereich sowie Teamchef des Damenteams und hier verantwortlich für die Planung und Koordination der Wettkämpfe. Auch unter der Leitung von Ulrike Rabenstein ist der Erlanger Triathlon mit Kurz- und Mitteldistanz eine Vorzeigeveranstaltung, die sich durch hervorragende Organisation auszeichnet. Dabei erfreuen sich weitere Veranstaltungen der Abteilung großer Beliebtheit, wie der Erlangen-Arcaden-Lauf in die Mönau und die Radtourenfahrt/Mittelfranken-Cup, bei denen auch Anfänger und erfahrenere Läufer sowie Radfahrer teilnehmen können.

Blick für den Nachwuchs

Der TV 48 Erlangen ist im Triathlon Stützpunktverein der Erlanger Schulen und hat fünf Schulsportarbeitsgemeinschaften mit dem Ohm-Gymnasium, das 2015 auch den aktuellen Schul-Weltmeister stellt. Neben einer effizienten Nachwuchsarbeit ist eines der Abteilungsziele auch das gemeinsame Erleben und die Förderung der sozialen Kompetenz. Dabei steht die ganzheitliche Entwicklung junger Menschen im Vordergrund mit all den attraktiven Erscheinungsformen der jungen Sportart als Wegbegleiter für eine sportbetonte Entwicklung. Eine kindgerechte und abwechslungsreiche Gestaltung der Übungsstunden durch ausgebildete Übungsleiter unterstützen den Spaß beim Training und erleichtern den Zugang zum Triathlon. Mit den Sportarten Schwimmen, Radfahren und Laufen kann daher eine Vielfalt von Trainingsvarianten durchgeführt werden. „Leistungsstärke bei Kindern und Jugendlichen, auch bei Erwachsenen, spielt keine vordergründige Rolle. Nicht der Sieg im Wettkampf, sondern das Ankommen, das „Finishen“,  und somit die Motivation zum weiteren Training zählt“, meint Ulrike Rabenstein. 

VOLKMAR KNAUF

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