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Turnverein hält eine Lehrstunde für den Tabellenführer

Gegen Abensberg ist der Trainer überrascht, wie spielend leicht seine Mannschaft in der Volleyball-Bayernliga den Ligaprimus bezwingt - 06.11.2018 18:00 Uhr

Viel Selbstbewusstsein tankten die Volleyball-Frauen des Turnverein 1848 Erlangen (im Angriff) beim satten 3:0-Heimsieg gegen den Tabellenführer TSV Abensberg. © Foto: Harald Hofmann


Ein wenig mulmig war ihnen ja schon beim Turnverein 1848. Das Selbstvertrauen nach dem Abstieg aus der Regionalliga war angeknackst, den zwei mühsamen Siegen in Bamberg und beim VCO München folgte eine deutliche Niederlage beim Mitfavoriten in Zirndorf. Und nun: Abensberg zum ersten Heimspiel in der Heinrich-Kirchner-Schule. Ein Aufsteiger zwar, aber einer, der seine ersten fünf Saisonspiele allesamt gewonnen hatte. Durch einen Sieg am Samstag war der Gast sogar auf Tabellenrang eins geklettert.

Doch kurz nachdem die ersten Bälle geflogen waren, traute Jochen Lehner seinen Augen kaum: "Ich war extrem überrascht, wie schwach Abensberg auftrat", meinte der Coach, der seit Juli die Volleyballfrauen des TV trainiert. "Hätten wir die nicht so lang im Spiel gehalten, wäre das ein Spaziergang geworden."

Doch auch so hatte der TV nur mit sehr wenig Gegenwehr zu kämpfen beim 3:0 (25:22, 25:10, 25:20), "nahezu jeder Ball, den wir zum Angriff transportieren konnten, war ein Punkt", so Lehner. Abensberg durfte lediglich jubeln, wenn dem Turnverein Aufschlag- oder Annahmefehler unterliefen. "Das spricht einerseits sicher für uns, wir haben phänomenal gut gespielt", lobte Lehner, "andererseits weiß ich aber nicht so recht, welcher Maßstab das jetzt gewesen ist." Denn auch die Gäste schrieben auf ihrer Facebookseite hinterher über eine Lehrstunde, die sie in Erlangen erteilt bekamen. Fehlende Spitzenspielerinnen aber hatten sie dabei nicht zu beklagen. "Es war schlichtweg seltsam", so Jochen Lehner.

"Der Aufstieg ist kein Muss"

Der Trainer vermutet, dass sich die Liga noch ordnen wird, die Gegner, auf die der Tabellenführer vorher getroffen ist, sind wohl eher in unteren Regionen anzusiedeln. Für den Turnverein aber soll es nach oben gehen, "der Aufstieg ist kein Muss", sagt Lehner, "aber wir sträuben uns nicht, wenn wir ihn ergreifen können".

Das Unterfangen jedoch dürfte mindestens schwierig werden: Mit Lisa Stock wird zum neuen Jahr die Mittelblockerin ausfallen, nach dem Studium möchte sie einen längeren Urlaub in Asien einlegen. "Wir freuen uns, dass sie bis dahin noch mithilft – aber für die Zeit danach müssen wir uns etwas überlegen", sagt der Coach. Auf der Schlüsselposition suchen mehrere Mannschaften nach starken Spielerinnen, eine Lösung könnte sein, dass mit Leonie Kraus eine bayerische Auswahlspielerin von der Diagonalposition in die Mitte rückt. Dort ließe sich die Lücke etwas besser kompensieren als in der Mitte. "Mal sehen", sagt Jochen Lehner, "wie wir das managen."

Überrascht über das Potential

Überrascht ist der Trainer auch über das Potenzial seiner Mannschaft. Wenn sie das häufiger abgerufen hätte in der vergangenen Saison, wäre sie wohl eher nicht abgestiegen: "Der Sprung ist groß zwischen Bayern- und Regionalliga, aber er ist nicht riesengroß", findet Lehner, der selbst seit seinem 18. Lebensjahr Frauenteams trainiert und schon einmal aus der dritten in die zweite Liga geführt hat.

Aufsteigen, das könnte er am Ende auch mit dem Turnverein, doch noch gilt es vor allem auf dem Boden zu bleiben und die größte Baustelle zu beseitigen: die fehlende Konstanz sowie die Verunsicherung, die bei Rückstand relativ schnell um sich greift. In Zirndorf kassierten sie so nach Führung 18 Punkte hintereinander. "Das", sagt Lehner, "dürfen wir uns nicht mehr erlauben."

Schon am Sonntag um 15.30 Uhr zu Hause gegen Schwaig gibt es die Möglichkeit, die starke Leistung zu bestätigen. Dann könnte es passieren, dass auch die Schwaiger eine Lehrstunde erleben. 

CHRISTOPH BENESCH

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