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Untertagemarathon im Kristallbergwerk Merkers

Mit dem Förderkorb zur Laufstrecke – Schwitzen 500 Meter unter der Erde - 16.02.2014 13:22 Uhr

Laufen unter Tage: Die Läufer mussten zunächst 500 Meter in die Tiefe kommen. © Peter Ehler


Marcus Baldauf vom Rennsteiglaufverein LG Süd/TV Barchfeld siegte in 2:50:01 Stunden, benötigte in der Tiefe bei 21 Grad Wärme und trockener Luft also lediglich vier Minuten für einen Kilometer. Im Ziel hatte der Thüringer knapp 14 Minuten Vorsprung von dem Zweitplatzierten Thomas Schiller vom MTV Kronberg.

Die achte Auflage des Kristallmarathons war auch diesmal auf 500 Starter limitiert, schließlich mussten die Läufer vom Bergwerk mit dem Fahrkorb in 500 Meter Tiefe gefahren werden. Die Nachfrage nach einem Fahrticket, dem übrigens auch die Finisher-Medaille nachgebildet ist, war auch diesmal groß. Die Organisatoren hätten weit mehr Sportler in die einst größte Kaligrube der Welt fahren können. Warum nicht? Die Erklärung ist einfach: Trotz aufwendiger Logistik der Helfer des Triathlon-Vereins Barchfeld mit seinen knapp 40 Mitgliedern und dem Einsatz der gastgebenden Bergleute machten es die Vorgaben unter Tage nicht möglich, alle Startnachfragen zu berücksichtigen. Denn Nadelöhr der außergewöhnlichen Sportveranstaltung ist der Transport der Teilnehmer und Betreuer in die Tiefe sowie die mehrere Kilometer lange Fahrt vom Schacht zum Start.

 

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"Schwitzen im Winter" - Kristallmarathon unter Tage

500 Läufer nahmen am Samstag am Kristallmarathon im Erlebnisbergwerk Merkers teil.


Größter Untertage-Schaufelradbagger

 

Noch vor Jahren bot das Kalibergwerk in Thüringen 1500 Kumpel Lohn- und Brot, heute halten etwa 500 Mitarbeiter den Betrieb als Erlebnisbergwerk aufrecht. Bevor es „Schwitzen im Winter“ hieß, schließlich warteten unter Tage 21 Grad Wärme auf die Läufer, ging es einige Kilometer mit einem Shuttle durch die Stollen. Schon hier schwante Neulingen, dass auf sie etwas Besonderes wartete. Die Fahrrouten waren oft nur knapp über zwei Meter hoch, so dass die Helmpflicht bereits bei der Anfahrt mehr als gerechtfertigt war. In der einstigen Lagerhalle, die heute als große Konzerthalle gestaltet ist, hatten dann auch freilich die meisten Starter einen Blick auf den größten Untertage-Schaufelradbagger der Welt übrig, schließlich sah auf dem Erinnerungsbild der Läufer fast wie eine „Ameise“ aus.

 

Wer meinte, unter Tage seien die Stollen eben, sah sich schnell getäuscht, schon kurz nach der Eventhalle ging es im Stollen steil bergauf. Zum Teil mussten Steigungen und Gefälle bis zu 15 Prozent überwunden werden und das schwitzend mit Radhelm und Stirnlampe. Pro Runde waren immerhin 60 Höhenmeter zu bewältigen. Beim Halbmarathon, für den im Bergwerk 22,75 statt der üblichen 21,1 Kilometer gelaufen werden mussten, kamen so immerhin 420 Höhenmeter zusammen.

Über 800 Meter Höhenprofil

 

Für die Starter über die Marathondistanz von 42,25 Kilometern summierte sich das Höhenprofil auf der Laufuhr über deren 13 Runden auf knapp 800 Höhenmeter. Ein Profil, das über der Erde erst mancher Landschaftslauf mit sich bringt. Hinzu kam die geringe Luftfeuchte von lediglich 30 Prozent. Runde um Runde wurde für die Starter die Luft daher nicht nur „gefühlt“ trockner. Die Teilnehmer waren gut beraten, immer wieder einen Schluck Wasser oder Cola an der Versorgung zu trinken, selbst die Starter, die lediglich den Zehn-Kilometer-Lauf absolvierten.

 

Kein Wunder, dass zu Schmalzbrot, eingelegten Gurken und Sportriegel gegriffen wurde, schließlich ging es nach einem Verpflegungspunkt über 600 Meter bergauf, ehe es wieder hinab in Richtung Kristallgrotte hieß. Lohn im Ziel: Eine Thüringer Bockwurst zur Stärkung. Überhaupt bekamen die Organisatoren ausschließlich Lob für die Vorbereitung. Die Rundenzeiten konnten alle Läufer an Start-und Ziel metergroß auf der Leinwand verfolgen, Duschen und frisch machen war in der Bergwerkskaue möglich.

„Ein toller Sporttag“

 

Das Erlebnisbergwerk Merkers ist von Nordbayern aus in knapp drei Stunden Fahrzeit zu erreichen, Der Kristallmarathon war daher auch für Starter aus der Region eine Alternative, schon im Winter in kurzer Laufkleidung einen Wettkampf zu absolvieren. Es hatte das Erlebnis-Laufteam aus der Fränkischen Schweiz gemeldet, so startete Olaf Schmalfuss beim Marathon für das Team Klinikum Nürnberg, Susi Singer für den Laufclub 21 aus Fürth. Die Triathletin und Marathonläuferin, die für den Laufclub junge Sportler mit dem Down-Syndrom bei Stadtläufen coacht, zog denn am Ziel ein Fazit, dem sich sowohl ambitionierte Läufer und die vielen Genussläufer gleichermaßen anschlossen dürften: „Ein toller Sporttag. Phantastisch!“

 

Älteste Teilnehmerin war Heidi Pfab vom Triathlonteam „Halber Hai“. Die Sportlerin – im Sommer noch beim Rothsee-Triathlon im Wasser, am Rad und auf der Laufstrecke – lief in Merkers über die Zehn-Kilometer Distanz. Für den Lauf hatten Sportlerinnen und Sportler aus zehn Nationen gemeldet.

 

Das Erlebnisbergwerk in der Rhön ist auch außerhalb der Laufszene bereits vielen Sportfans ein Begriff. Tief unter der Erde gibt es unter anderem einen Hochseilgarten und geführte Mountainbike-Touren. Auch eine Mini-Fußball-WM und Salt-Mine-Golf wurden dort schon ausgetragen. Sogar Beachvolleyball-Weltmeister fuhren im Jahr 2010 zum Training ein. In Merkers werden aber auch Konzerte gegeben und Ehen geschlossen. 

Peter Ehler

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