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Wetterkapriolen bremsten den Rekordjäger aus

Harald Elendts Pedelec-Bike kam bei der Steher-EM nicht zum Einsatz - 18.09.2011 19:38 Uhr

20000 Euro hat Harald Elendts innovatives Pedelec-Bike gekostet. Seinen Rekordversuch „am Keller“ soll am 2. Oktober nachgeholt werden. © Hans-Peter Pfeil


Der erhoffte Werbeeffekt für seine in Eigenregie entwickelten Hochgeschwindigkeits-Elektro-Mountain-Bikes stellte sich dadurch nicht ein. 100 Stundenkilometer zu knacken, das war die Hoffnung. Akribisch hatte sich Harald Elendt für seinen Rekordversuch vorbereitet. Allein sieben Testläufe in den vergangenen Tagen hatte der deutsche Querfeldein- und Straßenmeister von 1979 und 1981 auf der Rennbahn am Reichelsdorfer Keller durchgeführt, sein 20000 Euro teures Pedelec-Geschoss bis in die letzte Schraube durchgecheckt. Am Ende musste er sich der einzigen Variablen geschlagen geben, die er nicht beeinflussen konnte: dem Wetter. Bereits im Vorfeld war der Finallauf der Steher um eine Stunde vorgezogen worden.

Auch Elendts Termin wurde mehrfach neu angesetzt. Der Geschwindigkeitsrekord sollte erst vor, dann nach dem Finallauf aufgestellt werden, bevor er dann schließlich ganz abgesagt wurde. Der Frust war dem Ex-Radprofi anzumerken: „Die Enttäuschung ist sehr groß. Während der Trainingseinheiten hier auf der Bahn war immer schönes Wetter, und gerade heute, kurz vor meinem Start, ist der Rekordversuch abgesagt worden.“

Die Betonbahn wurde zum Sicherheitsrisiko

Dennoch war es im Sinne der Sicherheit eine vernünftige Entscheidung, wie Elendt zugeben musste: „Auf der Betonbahn, speziell in der Nordkuve mit dem hohen Baumbestand, sammelt sich klebriges Harz auf der Strecke. Da ist es besonders gefährlich, wenn man die Maximalbeschleunigung am Ausgang der Steilkurve erreicht, dass man dann stürzt und das Vorderrad wegschmiert.“

Dabei ist gerade die Fahrstabilität das große Plus seiner Pedelcs (Pedal Electric Bikes). Durch den in dieser Form einzigartigen Allradantrieb an Vorder- und Hinterrad erreichen die in Altendorf bei Hirschaid in komplett in Eigenregie produzierten Räder eine extreme Fahrstabilität, vergleichbar mit dem Unterschied eines heck- oder frontgetriebenen Autos mit einem Allradfahrzeug.

Doch bei den extremen Geschwindigkeiten, die Elendt mit seiner getunten Edelversion zu erreichen imstande ist, bewegen sich Mensch und Maschine am Limit. Da selbst der Start der bis zu 75 km/h erreichenden Steher durch die nasse Strecke in Gefahr war, war es also eine nachvollziehbare Entscheidung der Veranstalter Elendt nicht starten zu lassen. Ersatztermin ist nun der 2. Oktober. Motorradschutzkleidung und -helm wird der Rekordjäger und Jungunternehmer also weiter parat halten.

Bei aller Sportlichkeit sind die Pedelecs jedoch ursprünglich nicht aus der Idee heraus entstanden, Rekorde aufzustellen. Nach mehreren Radtouren mit seiner Frau wollte der 48-Jährige seiner Gattin auch einmal die Möglichkeit geben, sein Tempo mitgehen zu können. Nach der ersten Ausfahrt mit dem Prototypen war sie trotz anfänglicher Skepsis begeistert: „Ab da war der Spieß umgedreht: Ich musste hinterherfahren, und sie hat am Berg oben gewartet“, grinst er. Inwiefern diese Geschichte genau so stimmt oder der geschickten Mythenbildung um die 2010 gegründete Marke dient, sei dahingestellt. Als geschickter Unternehmer weiß sich Elendt jedoch blendend zu vermarkten. Gerne schickt er seine Fabrikate in den Wettbewerb mit anderen Hybridrädern. So fuhr sein Unternehmen in der Konstrukteurswertung des Super-Hybrid-Cups 2011 Spitzenplätze ein.

Größter Unterschied zu den bekannteren E-Bikes ist übrigens der Umstand, dass die elektrische Fahrunterstützung nur durch Treten der Pedale aktiviert werden kann, beim E-Bike ist dagegen kein Treten der Pedale nötig.

Innovation Nummer eins ist aber das patentierte Design des Akkus im Rahmendreieck, welche die sportliche Ausrichtung der Pedelecs Harald Elendts erst möglich macht. Wer jetzt jedoch mit dem Gedanken liebäugelt, sich so ein Gefährt zuzulegen und zum rar gesäten Kreis der Pedelec-Fahrer hinzuzustoßen, sei gewarnt. Die Preise beginnen bei knapp 5000 Euro. Kein Wunder, dass das Start-Up-Unternehmen aus Altendorf, bestehend aus gerade einmal vier Mitarbeitern, seit Gründung im März lediglich 14 dieser exklusiven Zweiräder verkaufen konnte.

Rückschläge gab es auch bereits bei der Entwicklung im Vorfeld der Firmengründung, insbesondere bei der Batterietechnik. Die Anforderungen für die leistungsstarken Räder sind hoch, und die Reichweite wurde erst durch die jüngeren Entwicklungen in der Akku-Technik möglich. Inzwischen haben die Pedelecs eine Reichweite von etwa 150 km, auch bei hoher Belastung. Es wird also nicht nur spannend zu sehen, ob Harald Elendt bei seinem angepeilten Geschwindigkeitsrekord am 2. Oktober durchstartet, sondern auch, ob ihm selbiges mit seinem jungen, innovativen Projekt gelingen wird. 

Sebastian Zelada E-Mail

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