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Tiere fressen ihr aus der Hand

Martina Kruse hat ihren Traumberuf gefunden - 20.07.2013

Tierpfleger kümmern sich bei Wind und Wetter um ihre Schützlinge. Die Arbeit ist nicht immer leicht, aber viele Momente entschädigen dafür. Etwa diese Mutter-Kind-Idylle bei den Kaffernbüffeln und... © Horst Linke


Ein bisschen Angst hatte der kleine Waldkauz schon beim Fototermin. Er wird im Tiergarten aufgepäppelt, bis er fliegen und wieder in die Freiheit entlassen werden kann. Azubi Martina Kruse achtet sorgfältig auf ihren Schützling. Dabei wird sie auch schon einmal gepickt. „Aber das ist in diesem Beruf so. Das muss man wegstecken können“, sagt die 24-Jährige. Sie ist glücklich mit der Ausbildung, für die sie sich entschieden hat.

In ihrem Elternhaus nahe Osnabrück leisteten Martina zwei Hunde, ein Kaninchen, ein Vogel, eine Schildkröte und ein Hamster Gesellschaft. Tiere waren ihr schon immer wichtig. Und so stand es während der Schulzeit außer Frage, wo sie ihr Praktikum absolvieren wollte: im Zoo. „Danach wusste ich endgültig: Ich will Tierpflegerin werden“, erklärt sie mit leuchtenden Augen. Doch es sollte einige Zeit vergehen, bis es einen freien Ausbildungsplatz für Martina gab. Deshalb lernte sie zunächst in einem Steuerbüro. „Vor zwei Jahren hat es dann endlich geklappt. Der Nürnberger Tiergarten stellte mich ein“, freut sie sich. „Ein Praktikum in einem Tiergarten beziehungsweise Zoo oder Wildpark ist Voraussetzung“, betont Ausbilderin Anke Achour. „Martina hat den erweiterten Realschulabschluss, aber für uns ist auch ein Quali in Ordnung.“ Die Ausbildung dauert drei Jahre. Neben der Praxis im Tiergarten haben die Azubis Blockunterricht in der Berufsschule in Triesdorf.

...die Zutraulichkeit des kleinen Waldkauzes, den Tierpfleger-Azubi Martina Kruse aufpäppelte. © Roland Fengler


Empfindlich sein sollte man nicht, wenn man Tierpfleger werden will. „Unsere Leute sind bei Wind und Wetter draußen – ob es 30 Grad im Sommer oder minus 15 im Winter hat“, so Achour. „Becken und Käfige wie freies Gelände sind von Schmutz und Kot zu befreien. Manchmal gehen wir auch dem Tierarzt zur Hand. Bei einer Operation kann schon einmal Eiter fließen.“

Für die viele und oft schwere Arbeit wird man aber auch entschädigt. „Manche Tiere mögen einen einfach und zeigen das auch“, erläutert Martina. „Es kann schon ein bisschen dauern, bis sich ein Vertrauensverhältnis einstellt. Bei den Gorillas habe ich mir das zum Beispiel verdienen müssen. Als ich zum ersten Mal Gorilla Fritz etwas zu trinken brachte, hatte ich schon Angst. Der hat mich auch ganz misstrauisch angesehen. Mit der Zeit hat sich das aber gelegt.“

Martina liebt Nashörner und die Büffel auf der Weide

Beobachtungsgabe ist eine wichtige Eigenschaft für Tierpfleger. Denn: „Passieren kann immer etwas“, weiß Anke Achour. „Dessen muss man sich bewusst sein. Es braucht gar keine große Verletzung zu sein. Vögel picken eben oder Robben beißen, wenn man beim Füttern die Hand nicht schnell genug wegzieht.“ Martina ist schon einmal von einem Pferd getreten worden. „Da haben sich zwei gestritten und ich stand dummerweise mittendrin“, erinnert sie sich und lacht. Die Tetanusimpfung ist Pflicht, empfohlen sind Impfungen gegen Hepatitis und Tollwut.

Heikel darf man auch nicht sein, besonders nicht, was Tiernahrung betrifft. Nicht alle Tiere fressen Obst und Gemüse, das in großen Mengen geschnitten und hergerichtet wird. „Wir töten Tiere und verfüttern sie mitunter noch warm“, macht Achour deutlich. „Eine Schlange zum Beispiel mag keine Maus, die schon kalt ist.“ Und noch eine Aufgabe hat ein Tierpfleger: Er informiert Besucher – zum Beispiel bei einer Fütterung.

Neun Reviere (Abteilungen) gibt es im Tiergarten. Martina hat bereits in sechs verschiedenen gearbeitet. Bei den Nashörnern gefiel es ihr bislang am besten. „Die sind im wahrsten Sinne des Wortes pflegeleicht und freundlich. Man kann sie anfassen.“ Auch im Kamelhaus fand sie es super und auf der Weide davor mit den Kaffernbüffeln, Elenantilopen, Zebras und Straußen. „Es gibt immer wieder tolle Momente, wenn man manche Tiere aus der Hand füttern kann oder nach einem langen Winter sieht, wie die Pelikane sofort ins Wasser gehen, um zu schwimmen...“

Weitere Infos zum Beruf:

www.tiergarten.nuernberg.de/v04/Berufe-im-Zoo.105.0.html;

www.arbeitsagentur.de,

Arbeitsagentur Nürnberg, Richard-Wagner-Platz 5, 0911/5290

Ausbildungsvergütung: Im ersten Jahr erhält ein Azubi 753,26 Euro, im dritten 849,02 Euro


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Elisabeth Porzner-Reuschel/Nürnberger Zeitung

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